zur Navigation springen

Kommentar zur Regierungserklärung : G20 in Hamburg war eine fatale Entscheidung – aber keine Scholz-Idee

vom

Geht es nach der Logik der Kritiker müsste nicht nur Olaf Scholz zurücktreten, sondern auch Angela Merkel, meint Markus Lorenz.

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 06:30 Uhr

Hamburg | Olaf Scholz hat während der G20-Chaostage in Hamburg eine denkbar schlechte Figur abgegeben. Im Vorfeld redete er Gefahren auf fast schon arrogante Weise klein („Hafengeburtstag“), während der Krawalle duckte er sich weg und stand nicht an der Seite seiner Bürger. Dafür zahlt er einen hohen Preis. Denn das größte Kapital des bis dato so erfolgreichen Polithandwerkers – das Zutrauen der Menschen in ihn als „ordentlich“ regierendes Stadtoberhaupt – ist über Nacht zu großen Teilen aufgebraucht.

Scholz hat einiges aufzuarbeiten und gutzumachen, und doch ist die Forderung nach seinem Rücktritt überzogen. Bei Lichte besehen stehen andere vor ihm in der Reihe derjenigen, die das Desaster zu verantworten haben. Zuallererst die Polizeiführung, die in ihrem operativen Vorgehen mehrfach danebenlag. Die Ordnungshüter schafften es nicht, am helllichten Tag mehrere hundert brandschatzende Mitglieder des Schwarzen Blocks aufzuhalten, obwohl diese geradewegs aus einem bewachten Schlafcamp kamen.

Auch zum missglückten Einsatz im Schanzenviertel am Freitagabend gibt es mehr Zweifel und Fragen als zufriedenstellende Antworten. Vieles spricht dafür, dass Polizeiführer die heikle Situation falsch einschätzten und versäumten, die reichlich vorhandenen Einheiten rechtzeitig gegen den Mob vorgehen zu lassen.

Bei allem drängt sich allerdings der Verdacht auf, der Gipfel wäre auch mit noch so vielen Polizisten nicht wasserdicht zu schützen gewesen. In einer Millionenstadt – noch dazu derjenigen hierzulande mit der kampfbereitesten linksautonomen Szene – gleichzeitig die Sicherheit für die Politprominenz, 10.000 Teilnehmer, mehr als 100.000 Demonstranten und 1,8 Millionen Einwohner zu gewährleisten – das war ein Ding der Unmöglichkeit. Im Nachhinein ist klar, dass die Entscheidung für Hamburg als Austragungsort fatal war.

Freilich: Die Idee dazu hatte nicht Olaf Scholz, sondern Angela Merkel. Tritt Hamburgs Bürgermeister zurück, dann müsste in der Logik seiner Kritiker die Kanzlerin gleich folgen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen