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Vorstellung des Polizeikonzepts : G20-Gipfel in Hamburg: Ein Polizeieinsatz der Superlative

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Der G20-Gipfel ist der größte Einsatz in der Geschichte der Hamburger Polizei – mit anderthalb Jahren Vorbereitung.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2017 | 14:01 Uhr

Hamburg | Der G20-Gipfel wird für Hamburgs Polizei zur beispiellosen Mammutaufgabe, zu einer Herausforderung bisher nicht bekannter Größenordnung. „Für so einen Einsatz gibt es keine Blaupause“, betonte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Donnerstag bei der Vorstellung des Polizeikonzepts. Auch der G8-Gipfel in Heiligendamm (2007) und das G8-Treffen in Elmau (2015) hätten bei weitem nicht diese Dimensionen erreicht. Laut Meyer werden in Hamburg mindestens 15.000 Polizisten sowie knapp 4000 Bundespolizisten für die Sicherheit zur Stelle sein.

Am 7. und 8. Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 19 führenden Industrie- und Schwellenländer sowie Spitzenvertreter anderer Staaten und Institutionen zum Weltgipfel an der Elbe. 41 der anreisenden Politiker wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin sind nach Angaben Meyers als „gefährdet“ eingestuft und würden besonders geschützt.

Zugleich müssten die Ordnungskräfte die Sicherheit von 6500 Delegationsmitgliedern, 2000 bis 3000 Journalisten, mehr als 100.000 erwarteten Demonstranten sowie der Hamburger Bevölkerung gewährleisten. Polizeipräsident Meyer: „Wir versuchen eine Balance zwischen Freiheitsrechten der Bürger und der Sicherheit.“ Einschränkungen seien unumgänglich, Hamburgs Polizei handele dabei aber nach der Devise: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“

Der Mega-Einsatz in Zahlen

Mindestens 15.000 Polizisten aus ganz Deutschland
Zusätzlich 4000 Bundespolizisten
Mehr als 3000 Einsatzfahrzeuge, vom Motorrad bis zum Räumpanzer
elf Hubschrauber
153 Hunde
62 Polizeipferde
200 Kommunikations-Polizisten auf der Straße
150.000 Übernachtungen von Polizisten in 146 Hotels
185.000 Verpflegungsbeutel für Polizisten
Rot-weiße „Hamburger Absperrgitter“ auf einer Länge von 7,8 Kilometern

Der Polizeipräsident verteidigte das weiträumige Versammlungsverbot während der Gipfeltage auf einer Fläche von 38 Quadratkilometern. Per Allgemeinverfügung hat die Polizei für den gesamten Bereich zwischen Flughafen und der Innenstadt Demonstrationen pauschal untersagt. Anders, so Meyer, sei die Sicherheit der Delegations-Konvois zwischen Airport Fuhlsbüttel und den Hotels in der City nicht zu gewährleisten. Streng abgeschirmte Sicherheitszonen gibt es zudem um die Veranstaltungsorte Messe und Elbphilharmonie.

Die Karte zeigt, wo es während des G20-Gipfels im Hamburger Stadtgebiet Demonstrationsverbote gibt. Dargestellt ist das durch die grüne Umrandung:

 

Laut Einsatzführer Hartmut Dudde rechnet die Polizei mit gewaltsamen Ausschreitungen von 6000 bis 7000 linksautonomen G20-Gegnern. Von 27 angemeldeten Demonstrationen halte er „etwa fünf“ für problematisch. Als heikel gelten vor allem die Protestmärsche am Vorabend des Gipfels (6. Juli) sowie am Abschlusstag (8. Juli).

Unterstützung erhält Hamburg von Polizeikräften aus den anderen 15 Bundesländern, vom BKA, von der Bundespolizei sowie von Einheiten aus dem Ausland. So schicken die Niederlande eine Spezialeinheit für den Schutz auf dem Wasser, Österreich seine Eliteeinheit „Cobra“, die auf terroristische Bedrohungslagen spezialisiert ist. Aus Frankreich hat Hamburg sechs Spezialfahrzeuge für Absperrungen angefordert.

An den Gipfeltagen werde „alles an Polizeiequipment zu sehen sein, was es gibt“. Dazu gehören gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen, Polizeiboote und elf Hubschrauber. Der Einsatz von Kriegswaffen sei aber ausgeschlossen, betonte der Einsatzführer, auch bei den ausländischen Kräften. Dudde: „Das wird hier kein Polizeistaat werden.“

Der eigentliche Großeinsatz beginnt die Polizei bereits am 22. Juni, um auch für Demonstrationen im Vorfeld gewappnet zu sein. Trotz der beispiellosen Anforderungen gaben sich die beiden Hauptverantwortlichen am Donnerstag zuversichtlich, schlaflose Nächte hätten sie nicht. Ralf Martin Meyer: „Wir sind so gut vorbereitet wie nie.“ Und Einsatzführer Dudde kann es nach anderthalbjährigem Vorlauf kaum noch abwarten: „Es wäre gut, wenn es jetzt mal losgeht.“

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