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Krawalle im Schanzenviertel : Der G20-Gipfel geht, die Ausschreitungen bleiben

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Auch nach Ende des Gipfels kam es in der Nacht wieder zur Konfrontation – allerdings weniger heftig als in den Nächten zuvor.

shz.de von
erstellt am 09.Jul.2017 | 06:20 Uhr

Hamburg | Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin waren schon längst wieder auf dem Heimweg, da flogen in Hamburg erneut Flaschen und Steine. Nach dem Ende des G20-Gipfels liefert sich die Polizei im Schanzenviertel in der Nacht zu Sonntag stundenlang ein Katz-und-Maus-Spiel mit Hunderten Krawallmachern. Wieder Barrikaden, wieder Wasserwerfer und Tränengas, wieder brennende Autos. Der gewalttätige Protest hält Hamburg auf Trab.

Dabei wirken die Straßen der Hansestadt am Tag nach der Gewaltorgie in der Straße Schulterblatt zunächst friedlich. Am Nachmittag ziehen Zehntausende zum Abschluss des Gipfels durch die Straßen, setzen ein buntes Zeichen gegen die G20-Politik. Am Abend strömen viele wieder ins Schanzenviertel, Tausende versammeln sich auf den Straßen, trinken Bier. Ein paar Trommler unterhalten die Massen vor der „Roten Flora“, dem linksautonomen Kulturzentrum, Frauen tanzen vor einem Wasserwerfer. Die Polizei hält sich im Hintergrund.

Um 22.45 Uhr ändert sich die Lage schnell und unerwartet. Von mehreren Seiten räumen die Beamten das Viertel mit Wasserwerfern. Die Polizei greift frühzeitig durch. Die Einsatzkräfte riegeln das Viertel ab, Straße für Straße, bilden Menschenketten und schieben die Massen vor sich her. Es habe Angriffe gegeben, heißt es zur Begründung. Immer wieder blockieren Demonstranten den Weg, setzen sich auf Kreuzungen. Es sind nicht die vermummten Chaoten vom Vorabend, das Bild beherrschen junge Menschen, sie tragen bunt, nicht schwarz, sie heben die Hände, rufen der Polizei entgegen: „Wir sind friedlich, was seid ihr?“. Auf einer weißen Fahne weht das Peace-Zeichen.

Die Beamten wollen diesmal die Kontrolle bewahren, eine Gewalteskalation wie in der Vornacht vermeiden. Am Freitag regierte der Mob auf der Schanze. Vermummte Chaoten plünderten Läden, zündeten Barrikaden an, verwüsteten ganze Straßenzüge. Sie hatten mehrere Stunden freie Hand. Hässliche Bilder gingen von Hamburg um die Welt.

Doch auch am frühen Sonntagmorgen eskaliert die Lage über Stunden hinweg. Dutzende Flaschen fliegen auf die Einsatzkräfte. Mit Tränengas und Wasserwerfern löst die Polizei Sitzblockaden auf. Erneut gehen Fenster zu Bruch. Mehrere Demonstranten werden festgenommen.

Eine Frau an der Ecke der Budapester Straße sorgt sich in der dritten Chaosnacht in Folge um den Ruf ihrer Stadt. Die Leute im Schanzenviertel seien gegen die Gewalt, beteuert sie. Sie habe kein Verständnis für die Krawallmacher. „Wir haben Mülltonnen vor denen weggezogen und gesichert.“

Es sind nicht so viele vermummte Autonome wie in der Vornacht dabei, viele wirken eher wie Krawalltouristen. Manche machen Selfies vor brennenden Barrikaden. Die Polizei treibt sie von einer Straße in die nächste und zurück, liefert sich mit mehreren Hundert Krawallmachern ein Katz-und-Maus-Spiel. Wenn die Hundertschaften anrücken, zerstreuen sich die Gruppen, verstecken sich in Nebenstraßen. Sobald die Polizei sich aus einer Straße zurückzieht, bauen sie neue Barrikaden auf, zünden wieder Mülleimer an. Viel Tränengas wabert in dieser Nacht durch die Straßen.

Als sich die Lage am frühen Morgen in der Schanze wieder beruhigt, ist US-Präsident Donald Trump, Lieblingsgegner und Erzfeind der G20-Protestler, schon wieder zuhause in der US-Hauptstadt Washington. Er dürfte von den schweren Krawallen in den drei Tagen in Hamburg nicht viel mitbekommen haben. Am Samstagabend bilanziert er auf Twitter: „Alle fühlten sich sicher, trotz der Anarchisten.“

 
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