zur Navigation springen

Straßensperrungen in Hamburg : G20-Gipfel: Beiersdorf rät Mitarbeitern zum Homeoffice

vom

Das Verkehrschaos am 7. und 8. Juli ist programmiert. Der Konzern mit Sitz in Eimsbüttel will gegensteuern.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 11:48 Uhr

Hamburg | Mehr als 15.000 Polizisten, tausende gewaltbereite Linksextremisten und eine Sicherheitszone rund um die Elbphilharmonie: Das Sicherheitsaufgebot während des G20-Gipfels am 7. und 8. Juli in Hamburg wird immens sein. Hinzu kommen zahlreiche Straßensperrungen in der Innenstadt, es droht ein Verkehrschaos. Die Firma Beiersdorf mit Sitz in Eimsbüttel unmittelbar in der Nähe des G20-Veranstaltungszentrums will dem entgegensteuern - und schlägt ihren Mitarbeitern vor, am Eröffnungstag von zu Hause aus zu arbeiten.

Neben der Vermeidung von Staus sei es auch Ziel Unternehmens, den Beschäftigten Erfahrungen im Homeoffice zu ermöglichen. „Mit einem Homeoffice-Tag wollen wir erstmals auf breiter Front Erfahrungen sammeln“, sagt Personalvorstand Zhengrong Liu. Betroffen seien rund 2500 Mitarbeiter - vom Vorstand bis zum Servicemitarbeiter. Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 17.000 Mitarbeiter. Zuvor hatte das Hamburger Abendblatt über die Regelung berichtet.

Ob auch andere Unternehmen in Hamburg ihrer Belegschaft beim G20-Gipfel einen Homeoffice-Tag anbieten, konnte ein Sprecher der Handelskammer am Dienstag nicht sagen. „Uns liegen dazu bisher keine Informationen vor.“

Polizei veröffentlicht Karte mit Sicherheitszonen

Doch welche Straßen und Bereiche werden überhaupt gesperrt sein? Damit sich Hamburg-Besucher und Einwohner auf das Chaos vorbereiten und Umwege planen können, hat die Hamburger Polizei bereits eine Karte mit Sperrzonen in der Innenstadt veröffentlicht (hier geht es dorthin). Sie soll fortlaufend aktualisiert werden. Die Sicherheitszone im Bereich Karolinenviertel/Messe soll laut Innenbehörde ähnlich verlaufen wie beim OSZE-Treffen im Dezember - jedoch etwas erweitert innerhalb des Messegeländes und in der Parkanlage Planten un Blomen. Außerdem können Bürger sich unter Tel. 08000-428650 (montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr) über die geplanten Sicherheitsvorkehrungen informieren. Wann die Sicherheitszonen eingerichtet werden, steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Auf dieser Karte sehen Sie ebenfalls die grobe Einzeichnung der entsprechenden Bereiche in der Innenstadt (Änderungen vorbehalten):

 

Der Polizeieinsatz ist der größte, den die Polizei Hamburg in ihrer Geschichte jemals bewerkstelligen musste. Es werden mehr als 100.000 Gegendemonstranten erwartet. Die Hamburger Innenbehörde sieht sich dennoch gut gerüstet. „Die Sicherheitsbehörden sind bestens vorbereitet“, sagte Innensenator Andy Grote (SPD). „Auch der bereits offenkundigen Gewaltbereitschaft krimineller antidemokratischer Linksextremisten wird die Polizei mit aller Entschlossenheit begegnen.“ Erwartet werden Staats- und Regierungschefs aus Industrie- und Schwellenländern, darunter US-Präsident Donald Trump, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der russische Präsident Wladimir Putin.

Hintergrund: Die Gipfelstadt Hamburg

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat Erfahrung mit Großereignissen. Sei es der Hafengeburtstag mit jährlich mehr als einer Million Besuchern, der Hamburg-Marathon oder im Dezember 2016 das OSZE-Ministertreffen - logistisch dürfte der G20-Gipfel im Juli den Verantwortlichen keine allzugroßen Schwierigkeiten bereiten.

Und auch beim Umgang mit Demonstrationen und mit möglichen Krawallen Linksautonomer während des Treffens der Staats- und Regierungschefs der weltweit führenden Industrie- und Schwellenländer kennt sich die Polizei aus. Schließlich ist die linke Szene seit Jahrzehnten in kaum einer Stadt so präsent wie in der Hansestadt, manifestiert in dem seit bald 30 Jahren besetzten linksautonomen Kulturzentrum „Rote Flora“ unweit des Tagungsorts.

Regiert wird der 755 Quadratkilometer große traditionell „rote“ Stadtstaat mit seinen 1.833.930 Einwohnern (Ende 2015) nach fast zehnjähriger CDU-Regentschaft seit 2011 wieder von der SPD. Zunächst lenkten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und seine Sozialdemokraten die Geschicke der Hansestadt allein, seit 2015 in einer Koalition mit den Grünen.

Hamburg - zweitgrößte Stadt in Deutschland - gilt als ein Ort mit hoher Lebensqualität und internationaler Ausrichtung. Wegen seines Hafens - drittgrößter in Europa - wird die Hansestadt gemeinhin das „Tor zur Welt“ genannt. Aber auch innerhalb ihres Stadtgebiets ist sie mit Einwohnern aus rund 180 Ländern multikulturell. Ende 2015 lebten in Hamburg fast 600.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Außerdem gibt es fast 100 Konsulate - so viele wie in keiner anderen europäischen Stadt.

 

Zu den mehr als 15.000 Beamten, die im Juli in der Hansestadt im Einsatz sein werden, gehören auch viele aus anderen Bundesländern und Einheiten der Bundespolizei. „Es ist davon auszugehen, dass es auch zu militanten bzw. gewalttätigen Aktionen innerhalb und außerhalb angemeldeter Versammlungen kommt“, heißt es aus dem Innenressort. Bei einem Aufzug am Vorabend des Gipfels, der von Vertretern des linksautonomen Kulturzentrums Rote Flora angemeldet wurde, rechnet die Polizei derzeit mit etwa 7500 Teilnehmern aus dem linken Spektrum, darunter mindestens 4000 gewaltbereite Linksextremisten.

Für die Zeit bis zum Gipfel sei weiterhin mit Sachbeschädigungen zu rechnen, teilte die Behörde mit. Es wurden bereits mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt. Am Dienstag haben sich linksextreme G20-Gegner sich zu Brandanschlägen auf Fahrzeuge in Hamburg-Blankenese bekannt. Auf der Internetseite www.linksunten.indymedia.org sei ein Bekennerschreiben aufgetaucht, teilte die Polizei Hamburg mit. In der Nacht zum Freitag (31. März) waren am Falkensteiner Ufer in Hamburg-Blankenese drei Wagen ausgebrannt. Die Feuerwehr konnte die Fahrzeuge löschen, bevor die Flammen auf Wohnhäuser übergriffen.

Unter dem Motto „Die Stadt der Reichen angreifen - eat the rich“ heißt es in dem Bekennerschreiben: „Wir haben einige Luxusschlitten abgefackelt.“ Die Verfasser bekennen sich auch zu einem Farbanschlag auf ein Haus an der Elbchaussee, der am Sonntag verübt worden sein soll. Die Polizei konnte diesen Vorfall bislang nicht bestätigen. Außerdem rufen die Unbekannten dazu auf, „die wilde Zeit des G20-Gipfels für Hausbesuche bei den weit über 40.000 Hamburger MillionärInnen zu nutzen und dies in den Aktionsplänen zu berücksichtigen“.

Gipfel-Gegner hatten zuvor bereits acht Polizeiautos in Brand gesetzt. Erst am 17. März war ein zum Schutz von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) abgestellter Mannschaftswagen der Polizei völlig ausgebrannt. „Die Sicherheitsbehörden werden die Beeinträchtigungen für die Menschen in der Stadt so gering wie möglich halten“, versprach die Innenbehörde. Im größten Teils Hamburgs würden die Auswirkungen kaum spürbar sein. Wer während des Gipfels ins Stadtzentrum wolle, solle aber besser U- und S-Bahnen nutzen. Auch auf den Strecken zwischen Innenstadt und Flughafen sei mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen