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Hamburg : G20: Erster Prozess gegen Schwarzen Block vertagt

vom

Der 18-jährige Fabio V. gilt in der linken Szene als Symbol für den überharten Umgang des Staates mit G20-Gegnern.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 14:31 Uhr

Hamburg | Für die linke Szene in Europa ist Fabio V. mehr als einer von vielen Gefangenen nach den G20-Krawallen Anfang Juli in Hamburg. Der 18-jährige Italiener gilt seinen Unterstützern als Symbol für einen überharten Umgang des Staates mit Kritikern des Politgipfels. Und so sind am Montagmorgen mehr als 100 Unterstützer zum Amtsgericht Altona gekommen, um für den Angeklagten zu demonstrieren, der am Gipfel-Freitag bei Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und linksgerichteten G20-Gegnern am Rondenbarg in Altona festgenommen worden war.

Vor dem Gerichtsgebäude zeigen seine Freunde Transparente, „Free Fabio“ steht darauf und „Solidarität statt Hetze“. Emily Laquer ist da, Sprecherin der Interventionistischen Linken und während der Gipfels das Gesicht des Widerstandes. Sie sagt: „Fabio soll für uns alle bestraft werden. Ich bin ihm dankbar, dass er nach Hamburg gekommen ist um gegen den Wahnsinn der G20 zu demonstrieren.“ Rund ein Dutzend Polizisten beobachtet die Demonstration, es bleibt friedlich.

Emily Laquer. /Archiv
Emily Laquer. /Archiv Foto: Christophe Gateau
 

Der Verhandlungssaal ist viel zu klein, um all die Besucher zu fassen, etwa 50 müssen auf dem Flur bleiben, rufen „Fabio, Fabio“. Im Saal brandet lauter Beifall auf, als Justizbeamte den Angeklagten an Handschellen hereinführen. Der Italiener lächelt selig. Jungenhaft wirkt der 18-Jährige, optisch mehr der Bubi von nebenan.

Die Strafverfolger sehen in dem jungen Mann einen rücksichtslosen Politgewalttäter aus den Reihen des Schwarzen Blocks, der an jenem 7. Juli in der Stadt wütete. Der Anklagevorwurf gegen V. lautet auf schweren Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung sowie tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Er gehörte laut Anklage zu einer Gruppe von 150 bis 200 schwarz gekleideten und vermummten Personen, die sich am frühen Morgen aus dem G20-Camp am Volkspark aufgemacht hatten und mit Werkzeugen, Pyrotechnik und Steinen bewaffnet gewesen sein sollen. Unweit des Volksparkstadions hielt eine Hundertschaft der Bundespolizei die Linksautonomen auf, es kam zu schweren Auseinandersetzungen. Videoaufnahmen im Internet zeigen regelrechte Jagdszenen zwischen Demonstranten und Polizisten. Der Schwarze Block, so die Staatsanwaltschaft, soll die Beamten „massiv mit mindestens 14 Steinwürfen und vier pyrotechnischen Gegenständen angegriffen“ haben. Polizisten kamen nicht zu Schaden, dagegen beklagen G20-Kritiker, dass mehrere Dutzend Demonstranten teils schwer verletzt worden seien.

Konfrontation in Hamburg: Der schwarze Block und die Polizei.
Konfrontation in Hamburg: Der schwarze Block und die Polizei. Foto: Boris Roessler
 

Fabio V. ist nicht als Angreifer angeklagt, aber weil er in der Gruppe deren Gewalt unterstütze, werten die Ankläger sein Verhalten als schweren Landfriedensbruch. Seit mehr als drei Monaten sitzt er in U-Haft.

Der erste Verhandlungstag endet, bevor er richtig begonnen hat. Fabio V.'s Verteidigung stellt eine Befangenheitsantrag gegen die Amtsrichterin, über den voraussichtlich bis Dienstag entschieden wird.

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