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Missbrauchsprozess in Hamburg : Fünf Jahre und zwei Monate Haft für Erzieher

vom

Ein 30-Jähriger gesteht den Missbrauch an mehreren Kindern. Das Landgericht Hamburg verurteilt ihn zu einer Haftstrafe.

Hamburg | Für den sexuellen Missbrauch von fünf Kindern in einer Hamburger Kita muss ein Erzieher fünf Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. „Sie haben schweres Leid über die Kinder und ihre Eltern gebracht“, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Weißmann am Mittwoch. Er hoffe, dass die Opfer - sie waren damals zwischen drei und neun Jahre alt - ihre Unbeschwertheit wiedererlangten. Ein Berufsverbot gegen den 30-Jährigen verhängte das Landgericht nicht. Bei der Urteilsbegründung flossen bei Eltern und Angehörigen Tränen. Auf dem Gerichtsflur beschimpften einige von ihnen den Angeklagten.

Der Erzieher hatte gestanden, die Mädchen und Jungen in einer kirchlichen Kita in Hamburg-Schnelsen und in seiner Wohnung in Norderstedt missbraucht zu haben. Außerdem gab er zu, er habe Hunderte kinderpornografische Fotos von den Opfern gemacht.

Die Nebenklage hatte ein lebenslanges Berufsverbot für den Mann gefordert. Weißmann berief sich jedoch auf den Bundesgerichtshof (BGH), der ein solches Verbot für einen Ersttäter ausschließe: „Das mag unbefriedigend sein, wir fühlen uns aber daran gebunden.“ Mit einem Berufsverbot könne ein Rückfall eines pädophilen Täters zudem keineswegs ausgeschlossen werden, betonte der Richter.

Bereits beim Prozessauftakt hatten sich die Beteiligten auf einen Deal geeinigt. Es tue ihm leid, dass das Gericht damit falsche Hoffnungen bei der Nebenklage geweckt habe, sagte Weißmann. Denn die Absprache sah nicht nur eine Höchststrafe von fünfeinhalb Jahren vor, sondern stellte auch ein Berufsverbot in Aussicht. Das BGH-Urteil sei „skandalös“, sagte eine Nebenklage-Anwältin, die die Interessen eines damals vierjährigen Jungen vertritt. Auch der Nebenklage-Anwalt einer damals Vierjährigen klagte: „Wir sind davon ausgegangen, dass ein Berufsverbot Teil der Vereinbarung gewesen ist.“ 

Bei dem Deal wurde im Gegenzug ein Anklagepunkt - der Missbrauch eines weiteren kleinen Jungen - fallengelassen. Außerdem wurde ein Geständnis erwartet, um den Opfern eine belastende Aussage vor Gericht zu ersparen. Für das Gericht sei eine solche Absprache ein Dilemma, betonte Weißmann. Die Videos von den Vernehmungen zweier Jungen, die im Gerichtssaal vorgespielt wurden, hätten aber gezeigt, wie unglaublich schwierig es sei, so kleine Kinder zu befragen.

Der Richter kritisierte die „ruppige und schnoddrige Art“ des Angeklagten, mit der er es den Eltern sehr schwer gemacht habe. „Es wäre schon etwas mehr Demut angebracht gewesen.“ Erst am zweiten Verhandlungstag hatte der Erzieher Anzeichen von Reue gezeigt. Immerhin sei dem Angeklagten bewusst, dass er pädophil sei: „Das kann die Grundlage für eine Therapie sein.“ 

Der Erzieher habe Kinder, für die er hätte sorgen müssen, teils schwer sexuell missbraucht, sagte Weißmann. Für die Eltern sei das ein harter Schlag, weil sie ihre Kleinen erstmals in fremde Hände gegeben hätten. Nachmittags sei der 30-Jährige oft der einzige Erzieher in der Kita gewesen: „Die Kinder waren dem Angeklagten ausgeliefert.“ Besonders schwer habe er sich an der damals Vierjährigen vergangen, auf die er als privater Babysitter ein ganzes Wochenende in seiner Wohnung aufpassen sollte. Für die Kinder und ihre Familien habe der Missbrauch einschneidende Folgen.

Solche schlimmen Vorfälle dürften aber weder Kitas noch männliche Erzieher in Misskredit bringen, betonte Weißmann. „Gott sei Dank handelt es sich hier um einen Ausnahmefall.“ Man müsse aber wachsam sein und Andeutungen von Kindern ernst nehmen. Der Geschäftsführer des betroffenen Kita-Werks Niendorf-Norderstedt, Uwe Büth, sagte, er strebe trotz des Prozesses einen „vernünftigen Anteil“ von männlichen Erziehern an. Eine Mutter betonte dagegen, viele Kinder hätten jetzt schon Angst, wenn der Angeklagte wieder aus dem Gefängnis kommt.

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erstellt am 23.Okt.2013 | 11:25 Uhr

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