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Kurden-Demos : Freitagsgebete in Hamburg verlaufen friedlich

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Polizei stellt Basballschläger sicher und nimmt mehrere Personen fest. Kurden fordern das Ende des PKK-Verbots.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 15:51 Uhr

Hamburg | Die von einem massiven Polizeiaufgebot geschützten Freitagsgebete der Muslime in Hamburg sind friedlich verlaufen. Bei Personen- und Fahrzeugkontrollen im Stadtteil St. Georg, in dem es mehrere Moscheen und Gebetsräume gibt, seien aber gefährliche Gegenstände wie Baseballschläger und Hieb- und Stoßwaffen sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Neun Menschen wurden demnach bis zum Abend vorläufig festgenommen, 22 kamen in Gewahrsam.

Rund 1900 Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei schützten in Hamburg die Freitagsgebete, zu denen weit weniger als die erwarteten 5000 Muslime gekommen waren. Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SDP) kündigte im Radio auf NDRInfo an, dass die Polizei gegen potenzielle Gewalttäter konsequent und mit aller Macht vorgehen werde.

Nach Protesten gegen den Terror der radikalen Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak und gegen die Unterdrückung von Kurden im Nahen Osten war es in Hamburg in dieser Woche zu Auseinandersetzungen zwischen Kurden und mutmaßlich salafistischen Muslimen gekommen - in der Bilanz mit 14 Verletzten sowie sichergestellten Schuss-, Stich- und Schlagwaffen. Mehr als 80 Menschen wurden vorläufig von der Polizei festgesetzt. Seitdem waren die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft.

Neumann machte deutlich, dass Gewalttätigkeiten nicht immer nur von Menschen aus Kurdistan ausgingen, sondern eben von Salafisten und Dschihadisten, die die Gelegenheit nutzten. „Es darf und wird hier keine Religionskriege geben“, sagte der Innensenator. Er will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen - vom Ausländerrecht über das Aufenthaltsrecht bis hin zu Vereinsverboten -, um Gewalt zu unterbinden.

Das Kurdisch-deutsche Kulturzentrum in Hamburg forderte die in Deutschland lebenden Kurden auf, ihren Protest gegen den IS-Terror in Syrien ausschließlich friedlich zum Ausdruck zu bringen. „Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung lehnen wir ab.“ Vertreter des Zentrums forderten, das Verbot gegen die türkische Arbeiterpartei PKK in Deutschland aufzuheben.

In Düsseldorf werden an diesem Samstag bis zu 12.000 Kurden zu einer Demonstration erwartet. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland riet zu Besonnenheit. Der Vorsitzende Aiman Mazyek appellierte an die Gläubigen, sich bei Demonstrationen politischer Gruppen vor Moscheen nicht provozieren zu lassen.

Ein junger türkischstämmiger Hamburger, der in seiner Mittagspause am Freitagsgebet in der Centrum-Moschee in St. Georg teilnahm, berichtete, der Imam habe zum Frieden und zum Respekt gegenüber allen Menschen aufgerufen. Und er erklärte, was der Prophet Mohammed über die Behandlung von Gefangenen gesagt hat: „Man soll sie nicht zu hart fesseln und ihnen von dem zu essen geben, was man selbst isst.“ Die Taten der Islamisten hätten nichts mit dem Islam zu tun. „Die Leute, die zu (der Terrormiliz) Isis gehen, haben mit dem Islam nichts zu tun. Die kriegen eine Gehirnwäsche verpasst“, sagte der Mann.

Auch Durim Kastrati bedauert die jüngste Gewalt in Hamburg. „Das ist traurig“, sagte der 22-jährige Kosovare vor dem Besuch einer albanischen Moschee zusammen mit einem türkischen Freund. Frauen und Kinder trauten sich deswegen nicht auf die Straße. Sie hätten selbst kurdische und arabische Freunde, betonen beide. Was in Syrien geschehe, sei „nicht schön“, aber das passiere im Ausland, nicht hier.

Zwei ältere Männer berichteten nach dem Besuch der Al-Nour-Moschee, auch ihr Imam habe zum Frieden aufgerufen und an die Gläubigen appelliert, sich nicht provozieren zu lassen. „Der Prophet - Friede sei mit ihm - hat gesagt Geduld, Geduld, Geduld und nicht übereilt reagieren“, sagte der Tunesier Jelloul Boukari (65). Er lebt seit 44 Jahren in Hamburg und geht nach eigenem Bekunden jeden Freitag in die Moschee.

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