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Amtsgericht Altona : Freispruch im Prozess gegen Profiboxer Ismail Özen

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Profiboxer Ismail Özen wird von seinem Neffen wegen einer Auseinandersetzung zu Hilfe gerufen. Er wird mit einem Messer angegriffen und verletzt einen Unbeteiligten

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 07:21 Uhr

Hamburg | Im Prozess wegen Körperverletzung ist der Hamburger Profiboxer Ismail Özen am Donnerstag vor dem Amtsgericht Altona freigesprochen worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es sich bei dem Faustschlag gegen einen Unbeteiligten um eine Notwehrlage gehandelt hatte. Der Richter begründete den Freispruch mit der „total unübersichtlichen Lage, die letztlich einem Hinterhalt entspricht“.

Der 37-Jährige hatte an einem vorherigen Prozesstag gestanden, den Autofahrer am 23. Juli 2016 geschlagen zu haben. Özen gab an, er sei zuvor von seinem Neffen wegen einer Auseinandersetzung zu Hilfe gerufen worden. Als er am Ort des Geschehens eingetroffen sei, hätten ihn Männer mit einem Messer angegriffen. Das Opfer habe er geschlagen, da er den jungen Mann auch für einen der Angreifer gehalten habe. Der 23-Jährige erlitt schwere Frakturen im Gesicht, musste sich operieren lassen und lag vier Tage im Krankenhaus.

„Dieses Verfahren nimmt für viele sicherlich einen überraschenden Ausgang“, sagte der Richter zu Beginn der Urteilsverkündung. Der Geschädigte habe „entgegen der Aktenlage angegeben, aus seinem Auto ausgestiegen zu sein“. Dies decke sich mit der Aussage des Angeklagten, so der Richter weiter.

Zuvor hatte auch die Staatsanwaltschaft einen Freispruch gefordert. «Der Vorwurf lässt sich nicht länger aufrecht erhalten», hieß es im Plädoyer. Özen habe das Opfer zwar mit dem Faustschlag „erheblich verletzt“, jedoch habe er sich in einer Situation befunden, „in der er selbst befürchten musste, erheblich verletzt zu werden“, sagte die Staatsanwältin. Für das Fahren ohne Fahrerlaubnis, weswegen Özen sich außerdem verantworten musste, forderte sie eine Geldstrafe. Es habe sich dabei um ein „einmaliges situationsbedingtes Fehlverhalten“ gehandelt, so die Anklage.

Auch die Verteidigung sprach von einer „unübersichtlichen Lage“ am Tatort und forderte ebenfalls einen Freispruch. Sein Mandant habe mit einer „Messerattacke“ rechnen müssen, sagte Verteidiger Andreas Thiel. Zu den Vorwürfen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis hob er hervor, dass Özen seinen Führerschein „tatsächlich zu einem anderen Zeitpunkt abgegeben“ hatte. Das Gericht verurteilte den Box-Champion dafür zu einer Geldstrafe von 4500 Euro.

Der mit Janina Otto, Tochter des Unternehmers Michael Otto, verheiratete Özen zeigte sich nach der Urteilsverkündung erleichtert. „Ich bin sehr froh, dass ich in Deutschland lebe und hier Gerechtigkeit herrscht“, sagte der Sportler.

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