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Velorouten und Leihsystem : Freie und Fahrradstadt Hamburg?

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Von einem Zweirad-Paradies ist die Elbmetropole weit entfernt – mit Radlerstraßen und erweitertem Leihsystem will Rot-Grün das ändern.

Hamburg | Rot-Grün will Hamburg zur Fahrradstadt machen – eine Ankündigung, die versierte Strampler zwischen Freude und Unglaube schwanken lässt. Denn bisher empfinden sich Radler im motorisierten Großstadttrubel der Hansestadt als geduldetes Übel. Täglich kämpfen sie mit schmalen, kaputten, oft zugeparkten Radwegen – und mit der Ignoranz von Autofahrern. Von einem Zweiradparadies, so viel steht fest, ist die Elbmetropole denkbar weit entfernt.

Das werdende Rathausbündnis will dies ändern, so versprechen es SPD und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag. Unter der Überschrift „Hamburg wird Fahrradstadt“ kündigen sie an, den Anteil der Radler am Gesamtverkehr „in den 20er Jahren“ auf 25 Prozent zu erhöhen – bisher liegt der Wert bei 13 Prozent.

Doch wie genau soll die von den Grünen gepushte Radfahr-Revolution gelingen? Die Koalitionäre nennen in ihren Vereinbarungen dazu ein Bündel konkreter Maßnahmen. Angefangen bei der Sanierung des Radwegenetzes, über das Anlegen von Radfahrstreifen und Schutzstreifen auf der Straße - „wo möglich und sinnvoll“ - bis zu „vermehrten Fahrradstraßen, wo es die Verkehrsverhältnisse zulassen“. Diese eigenen Radstraßen mit besonderen Rechten für Zweiräder sind in der Stadt umstritten. Nach massiver Kritik an chaotischen Verhältnissen hatte der Senat den Umbau des Harvestehuder Weges an der Außenalster teils wieder zurückgenommen.

Auch das begonnene Netz von 14 Velorouten will Rot-Grün weiterspinnen und bis 2020 fertigstellen. Die Trassen verlaufen sternförmig von den äußeren Stadtteilen in Richtung Innenstadt. Zusätzlich soll es in jedem der sieben Bezirke auch noch je einen Radschnellweg geben, auf denen rasante Biker weitgehend Vorfahrt genießen.

Und: Das strittige Fahrradachsenkonzept um die Alster wollen Grüne und Rote umsetzen. Insgesamt, so heißt es im Vertrag, werden Jahr für Jahr 50 Kilometer Radwege gebaut, saniert und umgewidmet werden. Vergrößert wird überdies das Leihradsystem Stadtrad. Mindestens 70 zusätzliche Stationen soll es schon in diesem Jahr geben. Zudem ist geplant, das Angebot um E-Bikes und Lastenräder zu erweitern.

Weitere Maßnahmen sollen den Durchbruch des Radverkehrs absichern. So wollen die Koalitionspartner, dass es nur noch in Ausnahmefällen eine Pflicht zur Benutzung des Radweges gibt. Zudem wird es in der Verkehrsbehörde einen Fahrradkoordinator geben. Mit den Bezirken will der Senat ein „Bündnis für das Radfahren“ schmieden.

Den Ausbau der Rad-Infrastruktur erklärt die neue Regierung zum „Investitionsschwerpunkt“. 30 Millionen Euro stünden dafür bis 2020 zusätzlich zur Verfügung, sagt der designierte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).

Die Opposition hält all das für weit überzogen. CDU-Fraktionschef André Trepoll betont, Hamburg sei nicht Münster: „Es wird nicht funktionieren, eine große Industrie-, Verkehrs- und Dienstleistungsmetropole zu einer Fahrradstadt umzukrempeln.“
 

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erstellt am 10.Apr.2015 | 12:20 Uhr

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