60.000 Menschen auf Trabrennbahn : Foo Fighters geben in Hamburg Gas und fühlen sich „wie Beyoncé“

Frontmann Dave Grohl fordert die Masse zum Mitsingen auf, die Stimmung steigt stetig. /Archiv

Frontmann Dave Grohl fordert die Masse zum Mitsingen auf, die Stimmung steigt stetig. /Archiv

Beim Auftritt der US-Band in Hamburg-Bahrenfeld wünscht man sich nur eines: Möge dieses Konzert niemals enden!

shz.de von
11. Juni 2018, 12:26 Uhr

Hamburg | Wenn einer den Titel „sympathischster Rockstar aller Zeiten“ verdient hat, dann Dave Grohl. Der Foo-Fighters-Sänger freut sich wie ein kleiner Junge darüber, dass 60.000 Menschen zum Auftritt seiner Gruppe auf der Trabrennbahn Bahrenfeld in Hamburg gekommen sind. „Als ich hierher gefahren bin“, sagt er, „dachte ich: Irgendwo muss noch eine andere Band spielen.“ Von wegen. Alle sind wegen der Foo Fighters angereist und haben dafür gut zwei Kilometer lange Fußmärsche von der S-Bahn-Station durch den Volkspark zum Open-Air-Gelände nebst langen Schlangen an der Sicherheitskontrolle auf sich genommen.

Diese Unannehmlichkeiten sind mit dem ersten Song „Run“ rasch vergessen. Dave Grohl sprintet direkt von der Bühne auf den Laufsteg weiter, während sich seine Bandkollegen ihre Instrumente schnappen. Gut zweieinhalb Stunden gibt das Sextett und vor allem sein Sänger richtig Gas. Kaum zu glauben, dass Grohl inzwischen 49 ist.

Mit seiner blauen Gitarre wirbelt er umher wie ein Derwisch. Mal ein Solo auf der linken Seite, mal ein Solo auf der rechten Seite – jeder soll auf seine Kosten kommen. Grohls lange Haare wehen im Wind. „Ich fühle mich wie Beyoncé“, witzelt er, als er zunächst ganz allein „My Hero“ anstimmt.

Dave Grohl greift in Hamburg auch selbst zu den Drumsticks

Für „La Dee Da“ vom aktuellen Album „Concrete and Gold“ bittet er die Kills-Sängerin Alison Mosshart zum Duett. Bei der Coverversion des Queen-Songs „Under Pressure“ übergibt der ehemalige Nirvana-Schlagzeuger das Mikrofon an seinen Drummer Taylor Hawkins und greift sich selber die Drumsticks. Wenn er die Felle bearbeitet, zeigt sich: Er hat nichts verlernt. Zu Recht gilt Grohl immer noch als einer der besten Schlagzeuger weltweit.

Doch Foo-Fighters-Fans schätzen in erster Linie seine Frontmann-Qualitäten. In schöner Regelmäßigkeit fordert er die Masse zum Mitsingen auf, die Stimmung steigt stetig. Zumindest im vorderen Bereich. Die hinteren Reihen müssen sich damit begnügen, sich Grohl, Hawkins, den Bassisten Nate Mendel, den Keyboarder Rami Jaffee sowie die beiden Gitarristen Pat Smear und Chris Shiflett auf riesigen Leinwänden anzuschauen.

Kaum eine andere Band ist live so mitreißend

Anders funktioniert es bei so einer Großveranstaltung einfach nicht. Dennoch dürfte auch den Menschen im rückwärtigen Teil des Areals der Moment unvergesslich bleiben, als Grohl die Bühnenlichter abschalten lässt. Bei „Breakout“ leuchten Tausende Smartphones. Mit „These Days“ verpassen die Foo Fighters dem Publikum dann einen unglaublichen Energiekick.

Man wünscht sich nur eins: Möge dieses Konzert niemals enden! „Nächstes Mal spielen wir die ganze Nacht“, verspricht Grohl. Bevor es mit „Best of you“ nach Einbruch der Dunkelheit schnurstracks in Richtung Finale geht. Mit „Everlong“ endet schließlich ein grandioser Abend, der keinen Zweifel daran lässt: Kaum eine andere Band ist live so mitreißend wie die Foo Fighters.

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