Helmut-Schmidt-Flughafen Fuhlsbüttel : Fluglärm in Hamburg: Politik zögert, Lärmgegner drohen

Wenn es über Hamburg dunkel wird, ist mit dem Fluglärm noch lange nicht Schluss.
Wenn es über Hamburg dunkel wird, ist mit dem Fluglärm noch lange nicht Schluss.

Die Bürgerschaft hat das Thema Nachtflugverbot nach mehrstündiger Debatte vertagt. Der BUND prüft bereits eine Klage.

shz.de von
28. November 2017, 19:56 Uhr

Hamburg | Unzufrieden sind sie angeblich alle mit der Lärmzunahme am Hamburger Flughafen. Einer Lösung des Problems kamen die Fraktionen der Bürgerschaft am Dienstag dennoch keinen Millimeter näher. Am Ende einer mehrstündigen Debatte über die Volkspetition für ein strengeres Nachtflugverbot stand am Abend im Umweltausschuss lediglich der Beschluss, das heikle Thema zu vertagen und im kommenden Jahr zunächst externe Experten dazu anzuhören.

Der BUND hatte im September 12.700 Unterstützerunterschriften für ein Flugverbot zwischen 22 und 6 Uhr vorgelegt, weshalb sich das Landesparlament der Forderung nun annehmen muss. Bisher endet die Betriebszeit um 23 Uhr, allerdings können Jets bei „unvermeidbaren Verspätungen“ noch bis 24 Uhr Fuhlsbüttel anfliegen.

BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch begründete das Anliegen der Petition mit der stetigen Zunahme des Fluglärms in Hamburg und im Umland, vor allem in der Zeit nach 22 Uhr. Wie Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) im Ausschuss einräumte, dürfte die Zahl verspäteter Flieger nach 23 Uhr in diesem Jahr den Rekordwert von 1000 erreichen. „Von unserem Zielwert von 450 Verspätungen pro Jahr sind wir meilenweit entfernt.“ Laut René Schwartz von der Fluglärm-Initiative für Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) gab es zwischen Januar und Oktober dieses Jahres nur in 18 Prozent der Nächte keine Flüge nach 23 Uhr. Für die CDU kritisierte der Verkehrsexperte Dennis Thering die vor anderthalb Jahren mit viel Hoffnungen gestartete Pünktlichkeitsoffensive als „Rohrkrepierer“.

Nach Einschätzung der Hamburger Lärmbeauftragten Gudrun Pieroh-Joußen besteht im Rahmen der geltenden Regelungen kaum eine Chance, das Verspätungsproblem zu entschärfen. Sie appellierte an die Fraktionen: „Wir müssen gegensteuern und optimieren, aber das ist eine Aufgabe der Politik.“ Außer allgemeinen Beteuerungen zum Schutz der Airport-Anrainer hatten Vertreter der rot-grünen Senatsmehrheit freilich keine konkreten Vorschläge für weniger Lärm zu bieten. SPD-Fraktionschef versprach lediglich, „die Instrumente weiter zu schärfen oder wenn nötig nach zusätzlichen Instrumenten zu sichern“, um die Airlines zu mehr Pünktlichkeit zu erziehen.

Der Geduldsfaden der Lärmopfer ist derweil nicht endlos belastbar, wie BUND-Chef Braasch klarstellte. Er rate dem Flughafen und der Politik, einen echten Interessenausgleich zwischen Airport und Anwohnern herzustellen, um die Situation „zu befrieden“ – und konnte sich eine Drohung nicht verkneifen: „Sonst werden die Fluglärm-Auseinandersetzungen immer härter.“ Selbst eine Klage gegen die Betriebsgenehmigung des Helmut-Schmidt-Flughafens schloss Braasch nicht mehr als. „Das gucken wir uns gerade ganz genau an.“

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