87.000 Beschwerden in 2017 : Fluglärm: Flughafen Hamburg knackt Negativ-Rekord bei Nachtflügen

Hamburg Flughafen

Wenn ein Flugzeug aus unvermeidbaren Gründen später kommt, darf es auch weiterhin bis 24 Uhr landen auf dem Flughafen Hamburg landen.

Umweltsenator Jens Kerstan erklärt die „Pünktlichkeitsoffensive“ der Fluggesellschaften für gescheitert.

shz.de von
15. Dezember 2017, 17:05 Uhr

Hamburg | Über diesen Rekord freut sich niemand: Am Hamburger Flughafen hat die Zahl der verspäteten Flüge nach 23 Uhr die Marke von 1000 in diesem Jahr überschritten. Das sei der höchste Wert seit zehn Jahren, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Zugleich gab es 2017 bisher rund 87.000 Lärmbeschwerden von knapp 2000 Anwohnern, etwa je zur Hälfte aus Hamburg und aus dem Speckgürtel.

Ungewöhnlich: Anders als sonst überließ Kerstan die Bekanntgabe der Negativ-Zahlen diesmal nicht den Fluglärm-Initiativen, sondern ging selbst in die Offensive - augenscheinlich in der Absicht, den Druck auf Flughafen und Airlines zu erhöhen. Aus Sicht der Umweltbehörde gebe es „deutlich zu viele“ Verspätungen, die zudem „in etlichen Fällen vermeidbar gewesen wären“, kritisiert der Senator. Die Entwicklung bei den Nachflügen gehe „in die komplett falsche Richtung“, sagte der Grünen-Politiker, der die vor gut anderthalb Jahren gestartete Pünktlichkeitsoffensive für gescheitert erklärte. Er forderte die Airlines auf, ihre Umlaufzeiten besser zu planen und bei absehbaren deutlichen Verspätungen Flüge ausfallen zu lassen. „Im kommenden Jahr muss eine deutliche Verbesserung gelingen.“

Der Negativrekord lässt vermutlich die Bereitschaft von Fluglärmgegnern weiter steigen, rechtlich gegen die herrschende Praxis vorzugehen. „Wir prüfen eine Klage“, bestätigte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch auf Nachfrage. Die „ewigen Versprechungen“, das Problem mit einer freiwillige Pünktlichkeitsoffensive und höheren Strafgebühren zu lösen, seien nicht haltbar. Braasch: „Wir brauchen endlich ein klares Nachtflugverbot - und das ab 22 Uhr.“ Mit einer Volkspetition versucht der Umweltverband derzeit, den Betriebsschluss auf diesen Zeitpunkt vorziehen zu lassen. Bisher liegt das Betriebsende bei 23 Uhr, allerdings dürfen „unvermeidbar“ verspätete Jets bis 24 Uhr landen und starten. Die Fluglärmschutzkommission hatte kürzlich empfohlen, ab 23.30 Uhr keine Landungen und ab 23 Uhr keine Starts mehr zuzulassen.

Als Gründe für die Zunahme der Bummelflüge nannte der Flughafen unter anderem die enge Verzahnung des europäischen Flugnetzes, Kapazitätsprobleme bei der Flugsicherung, aber auch Einzelereignisse wie den G20-Gipfel im Juli. Eine kürzere Betriebszeit lehnen Wirtschaftsbehörde, norddeutsche Unternehmensverbände und der Flughafen entschieden ab. „Jede Einschränkung der jetzigen Regelung hätte negative Auswirkungen für die  Erreichbarkeit der Metropole sowie für die Mobilität und Arbeitsplätze der Menschen in der Region“, bekräftigte der Airport am Feitag.

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