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Hamburg Airport : Flughafen-Chef: „Es gibt keine signifikante Zunahme des Fluglärms“

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Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler steht im Interview Rede und Antwort zu den Themen Fluglärm, Verspätung und Gepäck.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2017 | 17:00 Uhr

Hamburg | Herr Eggenschwiler, 15.000 Unterschriften für die Petition gegen späte Flüge, zugleich geht die Zahl der Lärmbeschwerden durch die Decke. Warum nimmt der Fluglärm in Hamburg und Umgebung zu?

Eggenschwiler: Nach den Messzahlen, die wir haben, gibt es keine signifikante Zunahme. Die Fluglärmbelastung ist in den vergangenen zehn Jahren im Grunde gleich geblieben – mit leichten Schwankungen. In den letzten 20 Jahren ist der sogenannte Lärmteppich sogar um ein Drittel kleiner geworden, die technische Entwicklung der Flugzeuge hat hier viel dazu beigetragen.

Aber der Flughafen wächst stark, zur Zeit um etwa eine Million Passagiere pro Jahr. Führt das nicht zwangsläufig zu mehr Krach?

Nein. Das Passagierwachstum wird größtenteils durch eine bessere Auslastung erreicht. Die Zahl der Flugbewegungen ist mehr oder weniger stabil geblieben. Die Flugzeuge sind zudem deutlich leiser geworden. Es gibt eine neue, leisere Generation, wie den Airbus 320neo und die neue Boeing 737, die gerade ausgeliefert und Schritt für Schritt auch in Hamburg eingesetzt wird. Die Flugzeuge sind außerdem deutlich leistungsfähiger geworden, so dass sie nach dem Start schneller an Höhe gewinnen.

Trotzdem nehmen die Proteste zu. Wie kommt's?

Die Gründe sind vermutlich vielfältig. Das mag auch mit höheren Empfindsamkeiten zusammenhängen. Das Flugaufkommen hat sich nicht signifikant verändert.

Müssen die Anwohner damit leben, dass alles bleibt, wie es ist?

Die technische Entwicklung in Richtung Lärmschutz wird weitergehen, auch dass die Maschinen immer größer werden und die Auslastung steigt. Die Entwicklung, die wir heute an An- und Abflügen haben, wird in den kommenden Jahren in etwa so bleiben.

Sie haben 2016 eine Pünktlichkeitsoffensive gestartet, um die Zahl später Flüge nach 23 Uhr zu verringern. Stattdessen sind es mehr. Warum geht der Schuss nach hinten los?

Ich wäre vorsichtig zu sagen, der Schuss geht nach hinten los. Es stimmt aber, dass wir selbst mit der Entwicklung nicht zufrieden sind, gerade in diesem Sommer.

Was sind die Ursachen?

Verspätungen sind gerade in diesem Sommer ein Problem im gesamten europäischen Luftraum, was sich auch in Hamburg auswirkt. Eine Rolle spielt auch die Zunahme schwieriger Wettersituationen. Hinzu kommen verschiedene betriebliche Ursachen für Verspätungen.

Was unternehmen Sie gegen Zuspätkommer?

Wir sind in einem intensiven Austausch mit den Airlines, auch ich persönlich. Wir vermitteln den Fluggesellschaften die Sensibilität dafür, dass die Zusatzstunde (die Verspätungsregelung von 23 bis 24 Uhr, die Red.) eine Pufferstunde ist und keine Regelstunde.

Es scheint, als kommt das mit der Sensibilität bei den Airlines nicht an … ?

Ich glaube schon, dass es ankommt. Die geplanten Landezeitpunkte sind in den vergangenem zwei, drei Jahren von 23 Uhr schon deutlich nach vorn gezogen worden. Die Airlines bemühen sich, früher in Hamburg anzukommen, auch im Interesse ihrer Passagiere.

Müssten Sie nicht mehr Druck machen?

Wir haben erst im Sommer die Lärmzuschläge tagsüber verdoppelt und nach 23 Uhr sehr, sehr deutlich erhöht. Ich setze auf eine Steuerungswirkung dieser Maßnahmen, weil die Airlines die Verteuerung durchaus spüren. Für eine endgültige Beurteilung der Wirksamkeit ist es aber zu früh.

Die Volkspetition verlangt einen strikten Betriebsschluss um 22 Uhr. Gute Idee?

Wir haben eine gültige Betriebsgenehmigung, auf deren Basis wir arbeiten …

… die könnte man ja ändern … ?

Dazu sehen wir keine Veranlassung. Auch die Bundesregierung sagt übrigens, man soll die Betriebszeiten der Flughäfen in Deutschland nicht antasten. Das ist für unseren Standort wichtig, um den Flughafen in seiner wirtschaftlichen Bedeutung zu erhalten.

Was wäre schlimm an einem - sagen wir - leichten Vorziehen des Betriebsschlusses?

Es ist schon ein Wert, wenn Fluggäste Hamburg auch spät am Tag noch erreichen können, ohne einen Umweg über Hannover oder Rostock machen zu müssen. Auch für Geschäftsreisende ist es wichtig, dass sie in Hamburg später am Abend noch fliegen können.

Nervt es Sie, dass viele Menschen in Hamburg und Umgebung den Flughafen gern nutzen, einige aber zugleich sagen: Wir wollen unsere Ruhe?

Hamburg hat sich vor Jahren entschieden, dass es diesen Flughafen an diesem Standort haben will und dass dieser eine Bedeutung für die Stadt hat. Deshalb stellt sich die Frage nach einer Veränderung gar nicht. Die Leute wollen einfach unterwegs sein – das zeigt ein Passagierwachstum von zehn Prozent recht deutlich. Für eine Metropole ist der Flughafen als Verkehrsdrehscheibe so wichtig wie der Hauptbahnhof, das Straßennetz und der Hafen.

Ein anderes Ärgernis im Sommer waren lange Wartezeiten an den Kofferbändern. Haben Sie das jetzt im Griff?

Die Situation hat sich deutlich stabilisiert. Wir haben das Thema stark im Fokus.

Warum mussten Passagiere teils stundenlang aufs Gepäck warten?

Das war zum Einen die schiere Menge an Koffern, dazu kamen die kurzen Umlaufzeiten der Flugzeuge und Personalengpässe. Das hat in der Summe zu Spitzenzeiten vor allem im August dazu geführt, dass Passagiere lange warten mussten.

Was tun Sie dagegen?

Wir haben die internen Prozesse nochmals überprüft, und wir stellen auch zusätzliches Personal für die Gepäckabfertigung ein. Seit dem vergangenen Jahr ist die Zahl von 850 auf 950 gestiegen. Allerdings sind solche Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht zu finden.

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