„Tintenherz“- Autorin : Feuer in Kalifornien: Cornelia Funke will Erlebnisse niederschreiben

2005 zog Cornelia Funke von Hamburg in die USA.

2005 zog Cornelia Funke von Hamburg in die USA.

Welche Schäden die Waldbrände in Kalifornien auf ihrer Farm angerichtet haben, weiß die Schriftstellerin noch nicht.

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15. November 2018, 12:57 Uhr

Malibu/Hamburg | Bei ihrer Flucht vor dem Feuer in Kalifornien ist Bestsellerautorin Cornelia Funke nach eigenen Worten glimpflich davongekommen. „Ich musste nur 30 Meilen fahren, um in Sicherheit zu kommen, habe genug Geld, um mir vorübergehend ein anderes Haus zu mieten und bin gut versichert“, sagte die 59-Jährige. „Solche Situationen – wenn man im Auto sitzt, die Feuerwalze neben sich sieht und erlebt, wie das Land brennt – machen einem aber noch mal ganz deutlich klar, wie furchtbar es Menschen, die an vielen Orten auf der Welt wirklich auf der Flucht sind, gehen muss und wie privilegiert man selbst ist“, erklärte die Autorin. Sie war 2005 von Hamburg in die USA gezogen.

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Gärtner verteidigt ihr Anwesen gegen die Flammen

Funke musste ihr Grundstück in Malibu wegen der drohenden Flammen verlassen. Erst vor einem Jahr hatte sie die Avocadofarm gekauft und gemeinsam mit dem Gärtner Alfonso Fuentes aufgebaut. Fuentes und seine Kollegen entschieden sich auch, zu bleiben und Funkes Haus sowie die Anwesen weiterer Kunden gegen das Feuer zu verteidigen. „Wenn Alfonso und seine Kollegen nicht gewesen wären, wäre alles abgebrannt – so wie die Orchideenfarm meines Nachbarn“, sagte Funke. „Mein Haus und die Scheune stehen noch, aber viele unserer erst kürzlich gepflanzten Bäume haben die Flammen wohl vernichtet. Das ganze Ausmaß sehe ich voraussichtlich am Freitag, wenn ich hoffentlich wieder zurückfahren kann.“

Fotoalben und Notizbücher eingepackt

Derzeit verfolge sie die Luftbilder, die Helikopter von den betroffenen Gebieten lieferten. „Ich habe auch viele Freunde, die aus Sorge um ihr Haus lieber dort geblieben sind und es nicht verlassen haben“, erzählte die Autorin („Tintenherz“, „Drachenreiter“). „Meine Kinder hätten mir aber nie verziehen, wenn ich mich nicht in Sicherheit gebracht hätte.“ Für ihre Flucht hatte die Autorin zunächst nur einen Koffer mit Kleidern gepackt, die Fotoalben der Kinder, ein selbst angefertigtes Gemälde ihrer Tochter und die zehn wichtigsten Notizbücher. „Ich dachte, mehr brauchst du nicht“, sagte sie. Dann habe sie aber doch zwei Koffer voller Bücher mitgenommen, weil Freunde meinten, sie solle wenigstens die seltenen Exemplare einpacken.

Gärtner wird auch in der neuen Geschichte eine Rolle spielen

In künftigen Büchern Funkes, deren Verlag (Dressler) in Hamburg sitzt, soll sich auch Gärtner Fuentes wiederfinden. „Er spielte schon in einer meiner englischen Kurzgeschichten, die im nächsten Jahr auch in Deutschland erscheinen soll, eine Rolle und wird wohl noch in vielen meiner Bücher vorkommen.“

Ebenso wie die jetzt gemachten Erfahrungen: „Ich wäre eine schlechte Schriftstellerin, wenn das nicht in irgendeiner Form in meine Geschichten einfließen würde.“ Auf ihrem Gelände in Malibu plant Funke auch weiterhin ein Veranstaltungszentrum, das einmal zum Ort für junge Autoren und Illustratoren werden soll.

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