zur Navigation springen

Nachtclub in Hamburg St. Pauli : Feuer im „Golden Pudel Club“ - Polizei geht von Brandstiftung aus

vom
Aus der Onlineredaktion

Kiezbesucher standen in der Nacht zum Sonntag vor einem brennenden Gebäude: Rauch stieg aus dem „Golden Pudel Club“.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2016 | 12:34 Uhr

Hamburg | Kann das ein Zufall sein? Zwei Monate vor der Zwangsversteigerung ist der bundesweit bekannte „Golden Pudel Club“ am Hamburger Hafenrand abgebrannt. Das Feuer war in der Nacht zu Sonntag in dem Tanz- und Musikclub ausgebrochen, als sich dort noch etwa 100 Partygäste aufhielten. Alle konnten unverletzt ins Freie fliehen. Am Gebäude entstand erheblicher Schaden. Brandermittler des LKA untersuchten am Sonntag den Brandort. Nach ersten Erkenntnissen sei von einer vorsätzlichen Brandlegung auszugehen, heißt es. „Somit besteht der Verdacht der schweren Brandstiftung.“ Es ist noch nicht bekannt, wer den Brand gelegt haben könnte. Hierzu dauern die Ermittlungen an.

Ob das 144 Jahre alte Haus zu retten sein wird, ist offen. Statiker prüfen jetzt die Standfestigkeit des zweistöckigen Hauses. Das Gebäude ist aufgrund des Brandes und des Löschwassers derzeit nicht nutzbar, zudem ist der Dachstuhl laut Bauprüfabteilung des Bezirksamtes Altona teilweise einsturzgefährdet. Hunderte Schaulustige machten sich noch am Sonntagmorgen ein Bild von der Zerstörung und standen vor den rauchenden Überresten des Clubs.

Eine Polizeistreife hatte die Flammen kurz nach 3 Uhr bemerkt und Alarm geschlagen. Das Feuer war offensichtlich außerhalb des Gebäudes ausgebrochen und hatte auf das obere Geschoss übergegriffen. Dieses wurde schwer beschädigt, die Feuerwehr riss gestern große Teil des Daches ab, um an Glutnester zu gelangen. Zur möglichen Brandursache machte die Polizei keine Angaben. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, hieß es bei den Fahndern. Ein technischer Defekt als Auslöser gilt allerdings als eher unwahrscheinlich. Nach ersten Erkenntnissen spricht einiges für Brandstiftung – ob fahrlässig oder vorsätzlich, ist ungeklärt.

Laut „Hamburger Abendblatt“ will ein Zeuge beobachtet haben, wie das Feuer in einer Hütte neben dem Club-Gebäude ausbrach, in der ein Obdachloser lebte. Auch zur Schadenshöhe liegen noch keine verlässlichen Angaben vor. Für die Versteigerung am 20. April ist ein Verkehrswert von 510.000 Euro angegeben.

<p>Über die Höhe des Schadens herrscht noch Unklarheit.</p>

Über die Höhe des Schadens herrscht noch Unklarheit.

Foto: dpa

Der „Pudel“ - wie ihn Szenegänger nennen – ist seit Jahrzehnten Symbol der Subkultur in der Stadt. Die Hamburger Künstler Rocko Schamoni („Studio Braun“) und Schorsch Kamerun („Die Goldenen Zitronen“) hatten den Club Ende der 1980er Jahre gegründet. 1995 zogen sie in die jetzige Behausung um, die früher als Schmugglergefängnis diente. Für die Musiker der Hamburger Schule, wie „Tocotronic“, war der „Pudel“ zweites Wohnzimmer, ebenso für prominente DJs und Künstler. Wegen ihrer Lage unweit der berüchtigten Hafenstraßen-Häuser stand die Immobilie stets auch im Zentrum politischer Diskussionen um die Kommerzialisierung St. Paulis. Direkt oberhalb des Clubs haben Anwohner mit dem Park Fiction einen alternativen Stadtteil-Platz durchgesetzt.

Ob der Brand im Zusammenhang mit dem Streit um die Zukunft des Club-Betriebs steht, ist nicht klar. Schamoni und Miteigentümer Wolf Richter - Bruder von Maler Daniel Richter – konnten sich nicht auf ein gemeinsames Konzept verständigen, weshalb Richter eine Teilungsversteigerung beantragte. Er betreibt ein Café im oberen Stockwerk, Schamoni den eigentlichen Club im Untergeschoss,

Als Reaktion auf die Versteigerung hatten Vertreter der linken Szene Aktionen zum Erhalt der Szene-Institution angekündigt. Der „Pudel Verein für Gegenkultur“ schrieb im Internet: „Der Golden Pudel Klub wehrt sich mit allen Solidarischen gegen einen drohenden Einkauf, per erzwungener Teilungsversteigerung, und wird mit einer endlosen Kampagne … einen der letzten, bitter nötigen offenen Orte auf St. Pauli und anderswo behaupten.“

Was ist der Blaulichtmonitor?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert