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Hamburg Copenhagen Business Forum : Fehmarnbelt-Tunnel soll Hamburg zur „südlichsten Stadt Skandinaviens“ machen

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Bei einem Wirtschaftstreffen in Kopenhagen ist die geplante Fehmarnbeltquerung großes Thema. Auch wegen Olympia.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 19:04 Uhr

Hamburg sucht den Schulterschluss der Metropolen im Norden und will noch stärker mit Kopenhagen kooperieren. Eine wichtige Rolle auf dem Weg dorthin ist der geplanten Fehmarnbeltquerung zugedacht. Diese werde Zentral- und Nordeuropa noch enger zusammenbringen und Hamburg zur „südlichsten Stadt Skandinaviens“ machen, prophezeite Hamburgs Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer am Montag beim Hamburg Copenhagen Business Forum in der dänischen Hauptstadt. Das Milliardenprojekt des Belttunnels sei „unerlässlich für die künftige Wettbewerbsfähigkeit beider Städte“, mahnte Melsheimer vor etwa 270 Teilnehmern.

Während die dänische Seite die Voraussetzungen für einen Baubeginn des mehr als sieben Milliarden Euro teuren Projekts weitgehend geschaffen hat, gibt es auf deutscher Seite noch Verzögerungen. Vor allem die Anbindung an das Schienennetz in Schleswig-Holstein ist ungeklärt, weshalb der einst angepeilte Fertigstellungstermin Anfang der 2020er Jahre inzwischen hinfällig ist.

Einen Fahrplan hat der wichtigste Repräsentant der Hamburger Wirtschaft dabei auch im Kopf. „Falls der Fehmarnbelttunnel 2024 fertig wird, was wir sehr hoffen, wird Kopenhagen möglicherweise die Olympischen Spiele direkt vor der eigenen Haustür haben“, sagte der Kammerpräses, der von den „ersten nordeuropäischen Spielen“ träumt. Nicht nur für Hamburg, auch für Kopenhagen böte sich die Chance, mittels der Sommerspiele zusätzliche internationale Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ob die Querung selbst bei optimalem Verlauf rechtzeitig zu Olympia 2024 an der Elbe zur Verfügung stünde, gilt inzwischen aber als eher unwahrscheinlich.

Der 17,6 Kilometer lange kombinierte Eisenbahn- und Straßentunnel unter der Ostsee hindurch zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland soll die Fahrtzeit von Hamburg nach Kopenhagen auf drei Stunden verringern.

Obwohl der Belttunnel Hamburg nicht direkt berührt, sieht sich die Hansestadt als einer der Hauptprofiteure der neuen Verbindung. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erkennt im Schulterschluss mit dem Wirtschaftsraum Kopenhagen/Malmö große Chancen, schon seine erste Dienstreise als Bürgermeister 2011 hatte ihn nach Kopenhagen geführt. Mehr als 900 Hamburger Unternehmen haben Geschäftsbeziehungen ins nördliche Königreich, die Hansestadt wiederum ist mit 250 Niederlassungen der wichtigste Standort für dänische Firmen in Deutschland. Während der kleine Nachbar vor allem auf den Hafen der Hansestadt angewiesen ist, dient der internationale Airport Kopenhagen als Drehkreuz für Transkontinentalflüge, die ab Hamburg nicht angeboten werden. 

„Unsere Städte gehören zu den lebenswerten Orten dieser Welt, weil unsere Vorfahren mit Mut und großen Ideen ihre Entwicklung betrieben haben. Das ist der Geist, in dem wir die Entwicklung vorantreiben wollen“, kündigte Scholz am Montag bei dem deutsch-dänischen Treffen an.

Sein Kopenhagener Amtskollege, Oberbürgermeister Frank Jensen, verkündete konkrete Vereinbarungen zu noch engerer Kooperation auf vier zentralen Handlungsfeldern: bei nachhaltiger Stadtentwicklung, Tourismus, Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie bei der Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Der Präsident der Deutsch-Dänischen Handelskammer und Vorstandsvorsitzender des Ramboll Konzerns, Jens-Peter Saul, wurde zudem von Scholz zum ehrenamtlichen Hamburg Ambassador in Dänemarks Hauptstadt ernannt.

Kammerchef Melsheimer appellierte zugleich an die dänische Wirtschaft, auch die Herausforderung des Flüchtlingszustroms gemeinsam zu bewältigen. Es gelte, über Grenzen hinweg Verantwortung zu übernehmen, Einwanderer in den Arbeitsmarkt zu integrieren und „Willkommenskulturen“ zu etablieren. Melsheimer: „Neue Grenzkontrollen innerhalb Europas sind darauf die falsche Antwort."

Worum geht es beim Hamburg Copenhagen Business Forum?

Das Hamburg Copenhagen Business Forum war 2014 von der Handelskammer Hamburg und der Deutsch-Dänischen Handelskammer initiiert worden, um die wirtschaftliche Vernetzung der Metropolen voranzutreiben. Unter dem Motto „Two strong partners, one competitive region“ diskutierten die Teilnehmer diesmal Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen nachhaltige Stadtentwicklung, Energieversorgung, Tourismus, Gesundheitswirtschaft, Immobilienwirtschaft, Logistik und IT. Das nächste Business Forum soll 2017 wieder in Hamburg stattfinden.

 
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