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Tim von TKKG : „Fast nur noch Fremdschäm-TV“: Fabian Harloff lästert über das Fernsehen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vor seinem Auftritt im Winterhuder Fährhaus spricht Fabian Harloff im Interview über das Stück „Im Sommer wohnt er unten“ und über das heutige Fernsehen.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 09:57 Uhr

Hamburg | Fernsehzuschauer kennen ihn unter anderem durch die Serien „TKKG“, „Notruf Hafenkante“, „Die rote Meile“ und „SK Babies“. Der Schauspieler Fabian Harloff hat bereits ein Millionenpublikum begeistert.

Derzeit ist er in dem Stück „Im Sommer wohnt er unten“ zu sehen, das noch bis zum 14. Mai im Winterhuder Fährhaus in Hamburg läuft. Im Interview mit shz.de spricht Harloff nachdenklich, aber auch mit viel Humor über seine aktuelle Rolle sowie seine TKKG-Anfänge und erklärt, was ihn am Fernsehen stört.

Was erwartet die Zuschauer in „Im Sommer wohnt er unten“?
Innerhalb kurzer Zeit wird unglaublich viel passieren. Das Publikum wird sich deshalb keine Sekunde langweilen. Schließlich geht es um die Liebe, das Leben und die Familie, also Themen, die uns alle betreffen. Am Ende des Stücks ist alles ganz anders als man am Anfang gedacht hat.

Was macht den Charme des Stücks aus?
Es ist keine Komödie, bei der man sich auf die Schenkel klopft, sondern ein Stück mit feinsinnigem Humor. Die Zuschauer werden deshalb eher schmunzeln und sich nicht unbedingt totlachen. „Im Sommer wohnt er unten“ ist zudem nicht nur lustig. Das Stück hat auch einen ernsten Hintergrund und liefert einen Blick auf die Gesellschaft, so dass es sich lohnt, darüber nachzudenken.

In dem Stück stehen zwei ungleiche Brüder im Mittelpunkt, von denen einer ziemlich karrierebewusst ist, während der andere lieber das Leben genießt. Was für ein Typ sind Sie?
Ich genieße zwar das Leben. Urlaub macht aus meiner Sicht aber nur Spaß, wenn man dafür gearbeitet hat. Das ganze Leben lang nur Freizeit zu haben, wäre nichts für mich. Insofern steckt von beiden Brüdern etwas in mir. Ich liebe es, frei zu haben. Aber ich liebe auch meinen Job.

Sie sind mit dem Fernsehen aufgewachsen. Wie hat sich die Fernsehlandschaft entwickelt?
Katastrophal. Wenn ich nachmittags den Fernseher anmache, sehe ich fast überall nur Asoziale, die sich selbst spielen. Da nennen sich Menschen Schauspieler, die nicht einmal vernünftig Hochdeutsch sprechen und nehmen für 50 Euro am Tag den gelernten Schauspielern die Jobs weg. Auch wenn das bestimmt nichts für mich ist: Ich kann die verstehen, die ins „Dschungelcamp“ gehen, um ein paar Euro zu verdienen. Es gibt zu wenig zu tun für viel zu viele Schauspieler. Ich habe das Glück, dass ich breit aufgestellt bin und deshalb immer ausgelastet bin. Die Entwicklung des Fernsehens macht mich aber einfach nur traurig. Es gibt fast nur noch Fremdschäm-TV. Heutzutage wird man eher berühmt, wenn man mit einem Fußballer geschlafen oder sich halbnackt auf dem roten Teppich präsentiert hat. Wirkliche Leistungen finden dagegen kaum Beachtung. Deshalb ist es kein Wunder, dass das Programm so abgeflacht ist. Meine Prognose ist, dass das Fernsehen, wie wir es kennen, in zehn bis zwanzig Jahren nicht mehr existiert.

Wohin geht die Entwicklung nach Ihrer Meinung?
Sender wie Netflix sind die Zukunft. Ich bin ja nicht nur Schauspieler, sondern synchronisiere auch sehr viel. Fast die Hälfte wird momentan im Studio schon für Netflix und ähnliche Anbieter gemacht.

Was bringt mehr Spaß – Theater oder Fernsehen?
Fernsehen ist definitiv besser für die Geldbörse… Theater ist dafür das wirkliche Schauspiel. Aber da ich mit dem Fernsehen aufgewachsen bin, mag ich beides sehr gerne. Ich freue mich jetzt auf die Zeit, wenn ich am Tage „Notruf Hafenkante“ drehe und abends im Winterhuder Fährhaus auf der Bühne stehe.

Sie sind auch Musiker. Ist es als Schauspieler schwer, als Musiker ernst genommen zu werden?
Definitiv. Selbst richtig gute Musiker haben es schwer, ernst genommen zu werden. Wenn ein Schauspieler anfängt zu singen, denken viele sofort an Leute wie Oli P. und Andreas Elsholz. Diese ehemaligen Soap-Stars haben das Image des singenden Schauspielers zerstört. Dass Künstler wie Westernhagen oder Grönemeyer auch als Schauspieler anfingen, wird gerne vergessen. Ich habe es live aber eigentlich zum Glück immer geschafft, die Leute von mir zu überzeugen. Demnächst bringe ich ein Album mit eigenen deutschen Songs heraus. Die gehen in Richtung Country-Rock und orientieren sich unter anderem an Keith Urban.

Im Fernsehen spielen Sie meistens den strahlenden Helden. Nervt das manchmal?
Deswegen mache ich ja im Winterhuder Fährhaus etwas anderes. Den Charakter, den ich spiele, werden die meisten am Anfang definitiv für ein Arschloch halten.

Den strahlenden Helden zu spielen ist also eher langweilig?
Ich bin ein umgänglicher Typ, der zu allen Menschen freundlich ist. So bin ich erzogen worden. Es bringt aber mehr Spaß, wie in „Die rote Meile“ den Bösewicht zu spielen. Da hat man einfach mehr zu tun, weil man mehr schauspielern muss. Sich selbst zu spielen, ist einfacher.

Sie sind also auch privat der strahlende Held?
Auf jeden Fall…

Gibt es eine Traumrolle, die Sie gerne einmal spielen würden?
Ich hätte Lust, etwas in Richtung Abenteuer oder in Richtung Musik zu machen. Ein Kostümepos wäre zum Beispiel reizvoll. Am besten etwas, wo man reiten, schießen und kämpfen muss. Bei den Winnetou-Neuverfilmungen wäre ich gerne dabei gewesen.

Sie wurden durch TKKG berühmt. Stört es Sie, wenn Sie immer noch auf diese Rolle angesprochen werden?
Bestimmt nicht. Meine Generation ist ja mit der Serie aufgewachsen. Da es damals nur drei Programme gab, blieb den Leuten doch gar nichts anderes übrig, als TKKG zu schauen. Die Kindheit ist die prägendste Zeit überhaupt. Deshalb ist es doch klar, dass mein Gesicht viele an TKKG erinnert. Ich kann mich freuen, dass ich nach 30 Jahren noch annähernd so aussehe und man mich immer noch wiedererkennt. Die Serie hat mich berühmt gemacht. Deshalb kann ich nichts Schlechtes über sie sagen. Ohne TKKG würde ich vermutlich gar nicht hier sitzen und wäre wohl Lehrer oder Förster geworden.

Der gebürtige Hamburger Fabian Harloff (47) ist als Schauspieler, Hörspielsprecher, Synchronsprecher und Musiker erfolgreich. Schon mit vier Jahren war Harloff in der Sesamstraße im Fernsehen zu sehen. Einem größeren Publikum fiel er erstmals 1985 durch die Fernsehserie „Ein Fall für TKKG“ auf. Weitere erfolgreiche Serien, in denen Harloff zu sehen war oder sogar noch zu sehen ist, sind „SK-Babies“, „Die rote Meile“ und „Notruf Hafenkante“. Von 1998 bis 2001 spielte er zudem die Rolle von Buddy Holly im Musical „Buddy“. Als Synchronsprecher ist er unter anderem in „Bob der Baumeister“ in der Rolle des Bob zu hören.
Die Liebe zu Fim, Fernsehen und Theater liegt in der Familie: Fabian Harloffs Vater Jan ist Regisseur und seine Mutter Annegret Regieassistentin. Sein jüngerer Bruder Marek ist ebenfalls Schauspieler und Synchronsprecher.
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