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Von Cannes in den Norden : Fast 150 Filme beim Filmfest Hamburg

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Für die Macher des Filmfests Hamburg beginnt mit der Vorstellung ihres Programms die letzte heiße Phase bis zum Start. Gut zwei Wochen bleiben ihnen nun noch, bis der erste rote Teppich ausgerollt wird.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 22:41 Uhr

Hamburg | 143 Filme aus 49 Ländern will das Filmfest Hamburg bei seiner 22. Ausgabe zeigen. Vom 25. September bis zum 4. Oktober sollen unter anderem 24 Debüts zu sehen sein, berichteten die Veranstalter am Dienstagabend. Mit der britischen Komödie „Pride“ von Regisseur Matthew Warchus beginnt der Filmreigen, mit dem Drama „Timbuktu“ (Frankreich/Mauretanien) endet er. Von Argentinien bis zur Urkraine reicht das Angebot dazwischen. Sechs Kinos präsentieren auf elf Leinwänden die Kino- und Fernsehproduktionen.

Die wichtigste Ehrung bleibt diesmal in der Hansestadt: Der Hamburger Fatih Akin erhält den Douglas-Sirk-Preis. Einen internationalen, aber gleichzeitig auch sehr Hamburg-verbundenen Filmemacher, nannte Filmfestchef Albert Wiederspiel den 41-Jährigen. „Er traut sich an universelle Themen, aber macht auch gerne Filme über Hamburg“, sagte Wiederspiel, nach dessen Ansicht Akins stark in seiner Heimatstadt geerdete Filme dieser „einen Platz auf der Weltkarte des Kinos“ verschafften.   

Akin erhält die Auszeichnung vor der Deutschlandpremiere seines gerade in Venedig vorgestellten Werkes „The Cut“, das dort bei der Preisvergabe allerdings leer ausging. Stolz zeigten sich die Veranstalter darauf, die Gewinner aller Sektionen der Filmfestspiele von Cannes an die Elbe holen zu können. Sowie auf das besondere Angebot an das Publikum: Mehr als die Hälfte aller Filmfestproduktionen laufen entweder deutschsprachig, in Deutsch eingesprochen oder mit Untertiteln.  

Es gibt verschiedene thematische Reihen, kurz vor dem 25. Jahrestag des Mauerfalls etwa die Sektion „DDR Deluxe“. Regisseur Andreas Dresen („Halt auf freier Strecke“), vor drei Jahren Douglas-Sirk-Preisträger, suchte die Beiträge dafür aus – vom Indianerfilm „Chingachgook, die große Schlange“ mit Gojko Miti? bis hin zu Dokumentarfilmen über das Arbeitsleben in der DDR. Eine neue Sparte stellt unter dem Titel „Freihafen“ deutsch-europäische Koproduktionen vor, die größte Sektion internationaler Filme nennt sich jetzt „Kaleidoskop“.

Auch das Fernsehen bekommt wieder eine eigene Reihe „16:9“. 18 Spielfilme, 4 Dokumentarfilme und 3 Serien laufen dort. Gleich zweimal feiert die TV-Branche auf dem Filmfest Jubiläen: Hannelore Hoger ist mit 20 Jahren als Kommissarin Bella Block in der gleichnamigen ZDF-Reihe dabei, das NDR Fernsehen mit der 60. Folge „Neues aus Büttenwarder“.

In der Kategorie Kaleidoskop wird beispielsweise das deutsche Drama „Hin und Weg“ von Regisseur Christian Zübert gezeigt.

Jedes Jahr unternimmt Hannes (Florian David Fitz) mit seiner Frau Kiki (Julia Koschitz) und den besten Freunden eine Radtour. Und jedes Jahr darf ein anderer aus der Gruppe entscheiden, wohin die Reise geht. Dieses Mal ist Hannes an der Reihe – und sucht sich ausgerechnet Belgien aus. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, aber die Vorfreude auf den gemeinsamen Trip überwiegt. Erst unterwegs erfahren die Freunde den wahren Grund für das Reiseziel: Hannes leidet an einer unheilbaren Nervenkrankheit und will in Belgien Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Der Schock ist groß, doch dann beginnt eine wilde, einzigartige Tour. Hin und weg ist ein Road-Movie auf dem Rad, eine komische Tragödie und eine tragische Komödie, ebenso lebensbejahend wie ergreifend.

Der Ukrainische Film „The Tribe“ von Regisseur Myroslav Slaboshpytskiy kommt ganz ohne Voice-Over oder Untertitel aus.

Sergey ist neu auf einem Internat für Gehörlose. Schnell macht er Bekanntschaft mit den gnadenlosen Regeln und Ritualen, die in dem geschlossenen Mikrokosmos herrschen. Es ist eine Welt aus Gewalt, Kriminalität und Prostitution. Als der Neue sich bei mehreren Raubüberfällen beweist, klettert er in der Hierarchie nach oben. Doch dann verliebt er sich in eine der Gespielinnen des Anführers – und verstößt damit gegen ein ungeschriebenes Gesetz des „Stammes“. Das ukrainische Drama setzt ausschließlich auf die kinematografische Kraft der Gebärdensprache, denn für Liebe und Hass braucht man keine Übersetzung.

Der Cannes-Gewinner „Mommy“ von Regisseur-Wunderkind Xavier Dolan wird in der Kategorie „Voilà!“ – eigens für französischsprachige Filme – präsentiert.

Die resolute Diane liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve über alles, obwohl er sie mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. Seit dem Tod seines Vaters hat Steve eine Reihe von Heimen für schwer erziehbare Kinder durchlaufen. Nun kommt er zurück zu seiner Mutter. Mit seinem fordernden Anspruch auf die Rolle des Mannes im Haus und seiner überbordenden Liebe zu ihr stellt er sie auf die Probe. In ihrem Bemühen, ihr Schicksal zu meistern, bekommt sie unverhofft Hilfe von der schweigsamen Nachbarin Kyla, der es gelingt, eine Balance in der Mutter-Sohn-Beziehung zu schaffen und eine Hoffnung auf eine vielleicht doch noch glückliche Zukunft aufkeimen zu lassen. Einmal mehr besticht der Kanadier Xavier Dolan in Mommy mit visueller Extravaganza.

Drei Farben Grün ist die Umwelt-Sektion des Filmfests. Dort wird unter anderem der dänische Film „The Sunfish“ vorgestellt.

Kesse ist in der dritten Generation Fischer in einer kleinen Küstenstadt in Jütland und geht stramm auf die 60 zu. Die Fischerei ist sein Leben. Doch die Zeiten sind schlecht. Schrumpfende Fischbestände, strenge Umweltauflagen, die Finanzkrise – Kesse steht das Wasser bis zum Hals. Er ist gezwungen, sein einziges Crewmitglied zu entlassen, und geht widerwillig auf einen Deal ein: Gegen ein Extra-Fangkontingent darf eine Meeresbiologin mit an Bord. Das Zusammenspiel der beiden gestaltet sich zunächst schwierig, doch nach und nach schmilzt der Gefühlspanzer des mürrischen Fischers. The Sunfish kombiniert den Sozialrealismus eines Ken Loach mit einer Prise Herz und Humor.

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