G20-Jahrestag : Farbanschläge und brennende Autos – Bekennerschreiben aufgetaucht

Anschlag auf die Wohnung des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten und Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders.

Anschlag auf die Wohnung des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten und Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders.

Die Farbanschläge auf die Häuser von drei Behördenchefs waren offenbar eine Aktion militanter Linker.

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11. Juli 2018, 17:11 Uhr

Hamburg | „Hamburg ist ein super Ort für Krawall und Remmidemmi!“ − So steht es in einem anonymen Bekennerschreiben, das jetzt auf der linksextremistischen Internetseite „indymedia.org“ aufgetaucht ist. Eine Kostprobe dessen, was sich militante G20-Gegner auch ein Jahr nach dem Gipfeltreffen in Hamburg darunter vorstellen, gaben sie in der Nacht von Sonntag auf Montag − zum G20-Jahrestag: Die fünf brennenden Autos an drei Orten in Hamburg waren gezielte Brandanschläge und Teil einer noch größeren Aktion militanter Linker.

Denn in derselben Nacht ereigneten sich drei Farbanschläge auf Häuser von Behördenchefs: auf das Haus von Justizsenator Till Steffen (Grüne), auf das Haus der stellvertretenden Leiterin des Hamburger Verfassungsschutzes, Anja Domres, und auf die Wohnung des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten und Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders. Im Bekennerschreiben heißt es dazu: „Wir grüßen damit alle G20-Gefangenen die noch im Knast sitzen, alle die noch vor Gericht gezerrt werden, die Betroffenen der Razzien und die die sich der Festnahme entzogen haben“.

Brandanschläge auf drei Luxuskarossen

Die Aktion gegen den Justizsenator Steffen und den Landesvorsitzenden der Polizeigewerkschaft Lenders erklären sich für die bekennenden Gewalttäter „nahezu von selbst“, wie sie schreiben. Steffens sei als „Chef der Justiz für alle Gefängnisse dieser Stadt und alle Gerichtsverfahren verantwortlich“. Lenders sei „einer der schärfsten Hetzer rechtsaußen der Deutschen Polizeigewerkschaft“ und als Mitglied des Sonderausschusses der Hamburger Bürgerschaft tue er „sein Möglichstes, um Kritiken an den Polizeieinsätzen abzuwehren“.

Anja Domres’ Wohnhaus sei mit Farbe beschmiert worden, weil der Verfassungsschutz Informationen weitergegeben habe, die zu Polizeiaktionen gegen militante Demonstranten geführt haben.

Die Brandanschläge auf drei Luxuskarossen an der Elbchaussee seien Ausdruck einer „kontinuierlichen militanten Bearbeitung der Pfeffersäcke an der Elbchaussee“. Fahrzeuge von Sixt seien auf dem Parkplatz neben der U-Bahnstation Hagenbeck ein weiteres Ziel gewesen, weil der Münchener Autovermieter regelmäßig Fahrzeuge für „Großveranstaltungen der Herrschenden“ zur Verfügung stelle, wie auch beim G20-Gipfel in Hamburg. Und am dritten Brandort sei gezielt ein Auto vom französischen Unternehmen Spie angezündet worden, weil Spie in die „Atomindustrie verwickelt“ sei.

Wie eine Sprecherin der Polizei Hamburg gestern mitteilte, sind nach dem Zeugenaufruf für die Brandanschläge auf fünf Autos erste Hinweise eingegangen. Ihnen werde jetzt nachgegangen. Darüber hinaus waren gestern Ermittler an den Tatorten, um Zeugen zu befragen. Der Staatsschutz ermittelt nun in insgesamt sechs Fällen.

Joachim Lenders, einer der drei Betroffenen, äußerte sich am Mittwoch auf Anfrage zu den Farbschmierereien: „Man wird sicherlich vorsichtiger. Aber was glauben die denn, erreichen zu können?“ Die Frage von Journalisten, ob er jetzt über einen Rückzug von seinen Ämtern nachdenke, sei für ihn abwegig: „Dann stünde die Demokratie am Abgrund.“ Er werde jetzt gemeinsam mit Staatsschutz zusätzliche Schutz- und Sicherungsmaßnahmen ergreifen. Ansonsten gelte: „business as usual“ − also alles wie gewohnt.

Von Seiten der Politik äußerte sich gestern nur die FDP zu den G20-Racheakten ein Jahr nach dem Gipfel: „Wir alle haben gehofft, dass die Szene mittlerweile zur Einsicht gekommen ist, dass dieser Weg der Gewalt der falsche sei. Leider war diese Hoffnung vergeblich. Die Anschläge auf Wohnhäuser und Autos sind genauso zu verurteilen wie falsch angebrachtes Verständnis gegenüber den Kriminellen. Die Polizei muss dabei unterstützt werden, die Straftaten aus dem vergangenen Jahr und aus den zurückliegenden Tagen aufzuklären“, sagte der innenpolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion Carl Jarchow.

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