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Gefälschte Euroscheine : Falschgeld: Hamburg ist „Blüten“-Hauptstadt

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In der Hansestadt kommen 17 Fälschungen auf 10.000 Einwohner - so viel wie in keinem anderen Bundesland.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 19:00 Uhr

Hamburg | Ein junger Mann will mit einem falschen Zwanzig-Euro-Schein ein Ticket im Bus lösen, doch der Busfahrer bemerkt den Schwindel und informiert die Polizei. Die nimmt den 26-Jährigen fest und stellt im Laufe der Ermittlungen mehr als 50 „Blüten“ bei dem jungen Mann sicher. Erst Ende September hat sich dieser Vorfall in Hamburg-St. Georg ereignet, und er ist ein typischer Fall für die Hamburger Falschgeld-Experten.

„Die Betrüger sind häufig im Einzelhandel unterwegs oder bei Großveranstaltungen. Überall dort, wo wenig Zeit ist, das Geld genau zu kontrollieren“, berichtet Evelyn Keller. Sie ist zuständig für Falschgeldprävention in der Bargeldbearbeitung bei der Bundesbank in Hamburg. Um Kriminellen das Handwerk zu erschweren, tüfteln die Währungshüter permanent an verbesserten Sicherheitsmerkmalen für die Scheine. Zudem schult die Bundesbank zum Beispiel Kassierer, damit diese Blüten beim Bezahlen an der Ladenkasse sofort erkennen.

Die Bundesbank hat im ersten Halbjahr 2017 etwa 39.700 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 2,2 Millionen Euro registriert. Die Zahl der Fälschungen ist gegenüber dem zweiten Halbjahr 2016 um 8,7 Prozent gestiegen. Rein rechnerisch fielen damit etwa zehn falsche Banknoten pro 10.000 Einwohner und Jahr an.

In Schleswig-Holstein stellte die Polizei im ersten Halbjahr 2017 weniger Falschgeld sicher als im Vorjahr. Insgesamt wurden 1053 Falschgeldnoten sichergestellt. Das waren 263 Scheine weniger als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016.

In Hamburg ist in diesem Jahr wieder deutlich mehr Falschgeld im Umlauf. In der Hansestadt kommen sogar 17 Fälschungen auf 10.000 Einwohner. Mit diesem Wert hat Hamburg erstmals Berlin überholt. Hamburg ist die bundesweite Falschgeld-Hauptstadt. Wie Uwe Kelting, Chef des Falschgelddezernat beim Landeskriminalamt in Hamburg, berichtet, sind in diesem Jahr schon 2713 „Blüten“ sichergestellt worden. Er rechnet damit, dass es bis zum Jahresende etwa 4000 sein werden.

Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr um 15 Prozent (im Vergleich zu 2015) steigt das Falschgeldaufkommen damit in diesem Jahr um acht bis neun Prozent. Besonders beliebt bei den Fälschern seien 50-Euro-Scheine. 63 Prozent der in Hamburg sichergestellten „Blüten“ sind falsche 50er, so Kelting. Bei größeren Scheinen würde häufiger hingesehen, was die Täter vermeiden wollten. 

Die größte Gefahr geht nach den Erfahrungen des Falschgeld-Experten vom Internet aus. Im Darknet könne sich heute jeder Falschgeld bestellen. Um es in Umlauf zu bringen, nutzten Betrüger häufig auch Online-Plattformen für Privatverkäufe. Für die Geld- und Warenübergabe suchten sich die Betrüger dann dunkle Eckern aus, um ihr Falschgeld an den Mann zu bringen. Kelting warnt ausdrücklich vor solchen Geschäften und appelliert an die Verbraucher und Käufer, sich die Zeit für eine Überprüfung zu nehmen: „Das ist keine Wissenschaft. Jeder, der genau hinguckt, kann Falschgeld erkennen.“ 

So erkennt man Falschgeld
Um es Geldfälschern möglichst schwer zu machen, verfügt jeder Geldschein über mehrere Sicherheitsmerkmale. Für einen Schnelltest gibt es drei Kategorien
Fühlen Auf der Vorderseite von echten Banknoten sind Teile des Druckbildes etwas erhaben und können gefühlt werden. Ein echter Schein besteht außerdem aus einem Spezialpapier aus Baumwollfasern und fühlt sich griffiger an.
Sehen Wird eine echte Banknote gegen das Licht gehalten, ist das Wasserzeichen zu sehen. Im oberen Bereich des Hologrammstreifens befindet sich bei der Europa-Serie außerdem ein transparentes Fenster, durch welches sich das Porträt der Frauenfigur „Europa“ erkennen lässt.
Kippen Wenn echte Scheine gekippt werden, verändern einige Merkmale ihre Motive oder Farbe. Auf der Rückseite der ersten Serie verändert sich bei vielen Banknoten durch das Kippen die Farbe der rechten Wertzahl von rot nach grün. Die Banknoten der neuen Serie haben auf der Vorderseite links die sogenannte Smaragdzahl: Beim Kippen wandert ein heller Balken auf- beziehungsweise abwärts.

 

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