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Misshandeltes Kind aus Hamburg : Fall Tayler: Viele Fragen, wenig Antworten

vom
Aus der Onlineredaktion

Vor über zwei Wochen starb der einjährige Tayler. Der Untersuchungsbericht wird wohl erst „in mehreren Wochen“ fertig sein.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 10:33 Uhr

Hamburg | Tragen Hamburger Behörden eine Mitschuld am Tod des kleinen Tayler? Eine Antwort auf diese in Hamburg seit Wochen diskutierte Frage wird die Öffentlichkeit noch nicht erhalten. In einer Sondersitzung des Familienausschusses hat Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) Mittwochabend angekündigt, dass der Untersuchungsbericht der Jugendhilfeinspektion erst in „mehreren Wochen“ vorliegen werde. Das zeige die Erfahrung mit den ähnlich gelagerten Fällen der toten Kinder Chantal und Yagmur. Das Gremium ermittelt derzeit intern, welche Rolle die Mitarbeiter des Jugendamtes und des sozialen Trägers Rauhes Haus in dem tragischen Fall gespielt haben.

Der einjährige Tayler starb bereits vor Weihnachten. Doch noch immer sind wichtige Fragen offen – zum Beispiel, wer für das tödliche Schütteltrauma verantwortlich ist.

Wie eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft im Ausschuss erklärte, laufen die Ermittlungen zum Todeszeitpunkt und zur Täterermittlung „auf Hochtouren“. Der Fall habe „oberste Priorität“. Noch lägen nicht alle Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen vor, so dass der abschließende Bericht der Rechtsmedizin nicht vorliege. Wo sich der unter Tatverdacht stehende Lebensgefährte von Taylers Mutter aufhält, sei der Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Der Mann war kurz nach dem Tod des Jungen – mit Wissen der Strafermittler – nach Spanien in den Urlaub geflogen. Es bestehe aktuell keine Notwendigkeit, den Aufenthaltsort des Verdächtigen zu kennen, da indirekter Kontakt zu ihm über seinen Anwalt bestehe.

Details zu den Familienverhältnissen von Tayler machte die Senatorin mit Hinweis auf den Sozialdatenschutz zumindest im öffentlichen Teil der Sitzung nicht. Sie betonte indes, die Sozialbehörde und auch sie persönlich hätten großes Interesse an Aufklärung: „Wir wollen klären, ob wir als Behörden wirklich alles in unserer Macht Stehende getan haben, um Tayler und seiner Familie die nötige Unterstützung zu geben.“

Der 13 Monate alte Tayler war am 12. Dezember des vergangenen Jahres mit schwersten Hirnschäden ins Krankenhaus gebracht worden und dort eine Woche später gestorben. Als Todesursache gehen Rechtsmediziner von einem Schütteltrauma aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Mutter (22) von Tayler und gegen den Stiefvater (26) des Jungen.

Die Familie war zuletzt vom Jugendamt des Bezirks Altona betreut worden. Im Auftrag des Bezirks besuchte eine sozialpädagogische Mitarbeiterin des Rauhen Hauses den Jungen und die Mutter mehrmals pro Woche. Kurz vor der tödlichen Misshandlung hatte die Frau zwar blaue Flecken im Gesicht von Tayler festgestellt, darin aber keinen Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung gesehen. Die Behörden verzichteten deshalb darauf, das Baby aus der Familie zu holen.

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