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Kindesmisshandlung in Hamburg : Fall Tayler: Sozialsenatorin muss sich unangenehmen Fragen stellen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Opposition fordert Aufklärung über mögliche Versäumnisse der Behörden. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft laufen derweil schleppend.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 11:28 Uhr

Hamburg | Vor über zwei Wochen starb der einjährige Tayler in einem Hamburger Krankenhaus an schwersten Hirnverletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Schütteltrauma die Ursache war. Unter Verdacht stehen die Mutter und ihr Lebensgefährte. Bisher gibt es keine neuen Erkenntnisse der Ermittler. Der Fall beschäftigt nun die Hamburger Politik.

Der Tod des einjährigen Jungen weckt Erinnerungen an ähnlich tragische Fälle in der Hansestadt in der jüngeren Vergangenheit. Wie in anderen Fällen wurde die Familie vom Jugendamt betreut. In Politik und Medien wird daher die Frage diskutiert, ob strukturelle Probleme bei den Hamburger Jugendämtern zum Tod der Kinder beigetragen haben.

Am späten Mittwochnachmittag befasst sich der Kinder- und Jugendausschuss der Hamburger Bürgerschaft mit dem Fall. Zu der Ausschusssitzung werden neben Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) Experten der Behörde und des Bezirksamts Altona erwartet. Sie werden sich kritischen Fragen der Opposition stellen müssen. Die CDU-Fraktion kritisierte im Vorfeld eine „schleppende Informationspolitik des Senats“. Viele Fragen seien ungeklärt:

Warum haben die Betreuer der Familie die Gefahr nicht erkannt?

Der Untersuchungsausschuss zum Fall Yagmur habe genau für solche Fälle eine stärkere Rolle des Kinder-Kompetenzzentrums am Universitätsklinikum Eppendorf gefordert, sagte Philipp Heißner, familienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Sollten sich folgenschwere Fehler und Versäumnisse wie bei Yagmur auch im Fall Tayler wiederholt haben, wird dies nicht ohne Konsequenzen bleiben können.“ Ob die heutige Sitzung neue Erkenntnisse bringen wird, ist aber fraglich, denn ein Untersuchungsbricht der Jugendhilfe-Inspektion liegt noch nicht vor. Das Aufsichtsgremium soll untersuchen, ob Fehler bei der staatlichen Betreuung gemacht wurden. So war der Junge nach einer Schulterverletzung für einige Zeit bei einer Pflegefamilie, mit Einverständnis der Mutter. Auf Drängen der Mutter erhielt sie das Kind im Oktober aber wieder zurück. Die Familie wurde von einer Sozialpädagogin betreut. Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben.

Wer fügte Tayler die schweren Verletzungen zu?

Noch immer ist unklar, wer für den Tod des Jungen verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 23 Jahre alte Mutter und ihren 26 Jahre alten Lebensgefährten, der nicht der Vater des Jungen ist. Beide sind auf freiem Fuß, da es keine Haftgründe gebe, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der 26-Jährige war kurz nach Taylers Tod zu einer Urlaubsreise nach Spanien aufgebrochen. Es sei unklar, ob der Mann wie angekündigt am 4. Januar zurückgekehrt sei, hieß es.

Ein vorläufiger Obduktionsbericht hatte laut Staatsanwaltschaft das Schütteltrauma als Todesursache ergeben. Unklar ist aber, wann dem Jungen die Verletzungen zugefügt wurden und damit auch, wer als Täter in Frage kommt. In diesem Punkt könnten weitere Untersuchungsergebnisse Aufschluss geben, die in der kommenden Woche vorliegen sollen. „Dies soll uns helfen, den genauen Tatzeitpunkt zu ermitteln“, sagte Sprecherin Nana Frombach gegenüber der Tageszeitung Die Welt. Bereits kurz nach dem Tod von Tayler kurz vor Weihnachten hatte die Staatsanwaltschaft Erwartungen auf schnelle Ermittlungserfolge eine Absage erteilt. Bis erste konkrete Ermittlungsergebnisse vorliegen, könnten noch Wochen und Monate vergehen, hieß es.

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