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Kindesmisshandlung in Hamburg : Fall Tayler: Experten kritisieren Jugendamt

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Die beauftragte Jugendhilfeinspektion wirft dem zuständigen Jugendamt Versäumnisse vor. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Tod des Jungen und der Arbeit des Amts gebe es jedoch nicht.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 12:21 Uhr

Hamburg | Rund zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod des einjährigen Tayler hat die Jugendhilfeinspektion dem betreuenden Jugendamt Hamburg-Altona Versäumnisse vorgeworfen. Eine „sorgfältige und wiederholte Risikobewertung“ hätte „andere Bedingungen für die Sicherheit des Kleinkindes“ bieten können, heißt es in dem Bericht der staatlichen Prüfer, der „Spiegel Online“ nach eigenen Angaben vorliegt und am Montag offiziell vorgestellt werden soll. Gleichwohl hätten die Prüfer „keinen unmittelbaren Zusammenhang“ zwischen Taylers Tod und der Arbeit des Jugendamts feststellen können.

Der Tod des einjährigen Kindes hatte Erinnerungen an ähnlich tragische Fälle in der Hansestadt in der jüngeren Vergangenheit geweckt - unter anderem an die kleine Yagmur, die nach Misshandlungen durch ihre Eltern gestorben war.

Der zwölf Monate alte Tayler war am 19. Dezember 2015 an einem mutmaßlichen Schütteltrauma gestorben. Der Obduktionsbericht soll voraussichtlich Ende des Monats vorliegen. Durch ihn hoffen die Ermittler auch herauszufinden, wann genau die Tat geschah.

Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben. Gegen die 23-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren Freund wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Beide sind derzeit auf freiem Fuß.

Dem Bericht zufolge monieren die Prüfer schlampige Aktenführung, lückenhafte Dokumentation und fehlende Gesprächsprotokolle. Es habe in der zuständigen Abteilung eine Kultur geherrscht, die es erlaubte, dass Mitarbeiter Regeln missachteten. Man habe „darauf verzichtet, das Kind in den Blick zu nehmen und einen tieferen Einblick in die Familie zu erhalten“.

Auch kritisierten sie, dass mehrfach Familienhelfer bei Tayler gewesen seien, ohne dessen Verletzungen zu melden. Später war der Junge nach einer Schulterverletzung mit Einverständnis der Mutter für einige Zeit bei einer Pflegefamilie.

Auf Drängen der Mutter erhielt sie das Kind im Oktober aber wieder zurück. Nach Ansicht der Jugendhilfeinspektion hätte die zuständige Fachkraft des Jugendamts dies besser prüfen müssen. Eine Absprache mit Kollegen sei zu Unrecht unterblieben.

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