Geplante Elbvertiefung : Fahrrinne der Elbe bekommt Begegnungsbox für Containerriesen

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Hamburg will die Fahrrinne der Elbe vertiefen und verbreitern, um auch weiter für die größten Containerschiffe der Welt erreichbar zu sein – die Umweltschützer vom BUND klagten dagegen.
Hamburg will die Fahrrinne der Elbe vertiefen und verbreitern, um auch weiter für die größten Containerschiffe der Welt erreichbar zu sein.

Bisher kommen breite Schiffe zwischen Wedel und Blankenese weder aneinander vorbei, noch können sie überholen.

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06. Dezember 2018, 20:20 Uhr

Hamburg | Es sind die ganz dicken Pötte, die Hamburgs Hafenkapitän Jörg Pollmann und seinen Kollegen Kopfzerbrechen bereiten. Die Zahl der Großschiffe mit mehr als 330 Metern Länge oder 45 Metern Breite steigt kräftig an, was in Deutschlands größtem Hafen die Verkehrssicherheit zu einer besonderen Herausforderung macht. „Die Anzahl der zu regelnden Verkehrssituationen steigt dynamisch, weshalb eine vorausschauende Verkehrsablaufsteuerung zwingend erforderlich ist“, sagte Pollmann am Donnerstag.

Mit der Elbvertiefung wird sich die Lage nochmals verändern. Ist die Fahrrinne – wie geplant – bis Mitte 2020 ausgebaggert, könnte sich die Zahl der AGF (außergewöhnlich große Fahrzeuge) auf jährlich 2800 verdoppeln. Vor diesem Hintergrund wollen alle an der Schiffssteuerung Beteiligten noch enger zusammenarbeiten, von Pollmanns Hafenbehörde HPA über die Lotsen bis zur Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.

Ehrgeiziger Plan des „Smart Port“

Unter anderem sollen Schiffe und die Lotsenstation in der Deutschen Bucht – lange vor der Einfahrt in die Elbe – in den mobilen Datenverkehr einbezogen werden. Das Projekt Nautischer Informationsverbund Hamburg wird schon länger vorbereitet, wann es umgesetzt wird, konnte der Hafenkapitän am Donnerstag noch nicht sagen. 

Das Vorhaben ist Teil des ehrgeizigen Plans vom „Smart Port“, der weitgehend digital funktionieren soll. Am Ende könnte ein „Port Traffic Center“ stehen, mit dem nicht nur die Schiffsverkehre, sondern auch Bahn und Lkw sowie Brücken und Schleusen integriert sind und das die logistischen Abläufe im Hafen optimieren würde.

Anpassung der Fahrrinne mit Begegnungsbox

Der Elbausbau bringt indes nicht nur noch mehr Jumbo-Frachter die Elbe hinauf, er zugleich auch die Steuerung der Riesen, betonten die Verantwortlichen. Die Fahrrinnenanpassung werde für „mehr Flexibilität und Effizienz“ sorgen. Dies gelte vor allem für die Begegnungsbox für Großschiffe.

Auf einer Länge von sieben Kilometern zwischen Wedel und Blankenese wird die Fahrrinne von 250 beziehungsweise 300 Meter auf 385 Meter verbreitert, womit der Abschnitt nicht länger „Einbahnstraße“ sein wird. Bisher kommen breite Schiffe in dem Bereich weder aneinander vorbei, noch können sie überholen. Das führt zu langen Wartezeiten im Hafen und in der Deutschen Bucht.

Weiterlesen: Umweltschützer fordern größeres Ausgleichsgebiet

Dank der Box sollen sich pro Tide bis zu vier Großfrachter begegnen können. Zusätzlich wird die Fahrrinne zwischen der Elbmündung und der Begegnungsbox um 20 Meter breiter. Dort sind dann Begegnungen zwischen den derzeit größten Containerschiffen der Welt und der Klasse der alten Panmaxgröße ebenso möglich wie Begegnungen der Klasse 13.000- bis 14.000-TEU mit solchen der 40-Meter-Breitenklasse. Der Bau der Box soll am Anfang des Ausbaus stehen und noch 2019 beendet sein.

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