Hamburg-Veddel : Explosion auf S-Bahnhof: Ehemaliger Neonazi in Haft

Ein Polizeibeamter untersucht den Bereich, an dem am Sonntag der Böller explodierte.
Ein Polizeibeamter untersucht den Bereich, an dem am Sonntag der Böller explodierte. /Archiv

Gegen den 51-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. Er saß bereits mehrere Jahre im Gefängnis und ist ein ehemaliger Neonazi.

Lorenz 4,5x6-1.jpg von
20. Dezember 2017, 14:55 Uhr

Hamburg | Hat die rätselhafte Explosion am S-Bahnhof Veddel einen rechtsextremen Hintergrund? Wie erst jetzt herauskam, handelt es sich bei dem in U-Haft sitzenden Tatverdächtigen um einen verurteilten Totschläger und ehemaligen Neonazi. Das hat die Hamburger Staatsanwaltschaft am Dienstag bestätigt. Der 51-Jährige ist dringend verdächtig, am vergangenen Sonntag eine Plastiktüte mit zwei Polenböllern am Bahnsteig abgestellt zu haben, die kurz darauf explodierten. Ein S-Bahn-Fahrgast erlitt ein Knalltrauma, die Scheibe eines Glaswindfangs ging zu Bruch.

Der Verdächtige war auf Überwachungsbildern erkannt und am Montag festgenommen worden; am Dienstag erließ ein Amtsrichter Haftbefehl. Über das Motiv ist allerdings weiterhin nichts bekannt. Vermutungen der Linksfraktion in der Bürgerschaft, dass es sich bei der Plastiktüten-Detonation um einen gezielten fremdenfeindlichen Anschlag gehandelt haben könnte, mochten die Ermittler nicht kommentieren. Auf der Vettel leben zu etwa 70 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund. 

Laut Staatsanwaltschaft hat der Festgenommene einen rechtsextremistischen Hintergrund, gehörte Anfang der 1990er Jahre zur Neonazi- und Skinhead-Szene im Bereich des Landkreises Stade. 1992 hatte er gemeinsam mit einem weiteren Neonazi einen Mann in Buxtehude zu Tode misshandelt. Die jungen Männer schlugen unter anderem mit einem Kantholz auf den Seemann ein, der Tage später seinen schweren Verletzungen erlag. Auslöser des Gewaltexzesses: Die Rechtsextremisten ärgerten sich darüber, dass das spätere Opfer (53) Adolf Hitler als den „größten Verbrecher“ bezeichnet hatte.

Der mutmaßliche Polenböller-Attentäter erhielt damals wegen Totschlags eine Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren. Auch nach seiner Entlassung wurde er mehrfach wegen Straftaten aktenkundig. Zuletzt soll der 51-Jährige laut Staatsanwaltschaft wegen kleinerer Diebstähle, aber nicht mehr als Neonazi aufgefallen sein. Die Fahnder rechnen ihn zur Trinkerszene rund um den Hamburger Bahnhof. Ob er zum Zeitpunkt der Explosion am Veddeler Bahnhof betrunken war, ist nicht bekannt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen