Hamburg-Veddel : Explosion an S-Bahn-Station: Angeklagter legt Teilgeständnis ab

Scherben liegen nach einer Explosion auf dem Bahnsteig im S-Bahnhof Veddel.  /Archiv
Der S-Bahnhof musste damals für den Zugverkehr gesperrt werden.  /Archiv

Der 52-Jährige gab zu, Böller in einer Tüte gezündet zu haben. Verletzen wollte er nach eigener Aussage niemanden.

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27. Juni 2018, 16:27 Uhr

Hamburg | Ein Blitz, ein Feuerschein, eine Rauchwolke und erschreckte Menschen – das zeigen Videoaufnahmen von einer Explosion auf dem Hamburger S-Bahnhof Veddel am 17. Dezember 2017. Im Prozess gegen einen 52-Jährigen hat das Landgericht am Mittwoch die Szenen aus Überwachungskameras am Bahnsteig und in einer S-Bahn gezeigt. Öffentlich zugänglich sind die Aufnahmen nicht.

Zuvor hatte der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. „Es stimmt, dass ich die beiden Polenböller auf dem S-Bahnsteig Veddel gezündet habe“, sagte er in einer Erklärung, die sein Verteidiger verlas. Er habe Leute erschrecken, aber nicht verletzen wollen.

Die Staatsanwaltschaft beschreibt den Tathergang anders. Sie wirft dem Deutschen ohne festen Wohnsitz versuchten Mord, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und gemeinschädliche Sachbeschädigung vor. So soll der 52-Jährige am 17. Dezember vergangenen Jahres eine Plastiktüte mit 73 Montageschrauben und zwei pyrotechnischen Sprengkörpern auf dem Bahnsteig abgestellt und nach dem Einfahren einer S-Bahn gezündet haben. Den Angaben zufolge entstand eine zwei Meter hohe Stichflamme.

Der Feuerball habe einen Passanten nur knapp verfehlt. Ein Fahrgast im Türbereich der S-Bahn erlitt ein Knalltrauma. Die Druckwelle habe die Schrauben wie Geschosse in einem Umkreis von vier Metern umherfliegen lassen. Die Scheibe eines Windschutzes ging dabei zu Bruch.

Angeklagter mit belastender Vergangenheit

Der Verteidiger kritisierte Medienberichte über eine mögliche rechtsextremistische Motivation seines Mandanten. Der Angeklagte sei zwar als Skinhead vor über 25 Jahren wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er habe aber seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zur rechtsextremistischen Szene. Dass die Staatsanwaltschaft Berichte über die frühere Verurteilung bestätigt habe, sei unverantwortlich.

Demnach hatte es das Landgericht Stade 1992 als erwiesen angesehen, dass der Mann und ein Mittäter einen 53-jährigen Kapitän auf dem Busbahnhof von Buxtehude im Streit so brutal zusammengeschlagen hatten, dass er drei Tage später im Krankenhaus verstarb.

Gutachter sollen Schwere der Tat bestimmen

Von großer Bedeutung im jetzigen Prozess ist die Frage, wie gefährlich die Explosion der beiden Böller und die von der Druckwelle umhergeschleuderten Schrauben waren. Einen Gutachter konnte das Gericht innerhalb der angesetzten Verhandlungstermine bis August nicht finden. Der Verteidiger beantragte darum die Aussetzung des Prozesses und die Aufhebung des Haftbefehls. Mit der Verzögerung verstoße das Gericht gegen das Beschleunigungsgebot, da sein Mandant bereits seit mehr als fünf Monaten in Untersuchungshaft sitze, argumentierte der Anwalt. Die Strafkammer lehnte den Antrag ab und vereinbarte weitere Termine, um zwei Gutachter zu hören.

Der Verteidiger wandte sich auch gegen die Anklage wegen versuchten Mordes. Es sei keine Splitterbombe explodiert, die Schrauben seien nicht vorsätzlich verwendet worden. In der Erklärung des Angeklagten hatte es geheißen, er habe die beiden Böller in einer Plastiktüte von einem Bekannten namens La Bomba geschenkt bekommen. Von den Schrauben habe er nichts bemerkt. Eigentlich habe er an jenem Adventssonntag zu einem geöffneten Discounter fahren wollen, um Leergut abzugeben. Er sei aber in der S-Bahn eingeschlafen und dann in Richtung Harburg zurückgefahren. Auf der Veddel habe er sich spontan entschlossen, die Böller zu zünden, weil er keine Lust hatte, die Tüte weiterzuschleppen.

Die Überwachungskameras zeigen einen Mann mit seinem Erscheinungsbild in der S-Bahn vor der Tat, der einen Rucksack in üblicher Größe dabei hat und ruhig ein Bier trinkt. Die Explosion erschreckt die Fahrgäste im folgenden Zug und auf dem Bahnsteig offensichtlich heftig. Ein Paar läuft davon. Eine Panik ist aber nicht sichtbar.

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