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„Tun Sie's nicht!“ : Experte warnt: Hafencity-Mall in Hamburg ist überdimensioniert

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Das Milliardenprojekt hat einen neuen Kritiker: den Architekten Holger Pump-Uhlmann. Er sieht den Einzelhandel in Gefahr.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2017 | 13:40 Uhr

Hamburg | Das geplante große Shopping Center in der Hafencity – erstmals warnt jetzt ein ausgewiesener Fachmann die Stadt vor der Umsetzung des Milliardenprojekts. „Ich rate dringend ab“, sagte Holger Pump-Uhlmann während einer Expertenanhörung im Stadtentwicklungsausschuss der Bürgerschaft. Er halte die Mall samt ihrer Nebennutzungen im Überseequartier Süd für viel zu groß dimensioniert, betonte der Architekt, der deutschlandweit Städte bei der Ansiedlung von Shopping Centern berät.

Im Zentrum der Hafencity klafft sein Jahren ein großes Loch. Mit den neuen Plänen für das Überseequartier soll der jahrelange Stillstand im zentralen Quartier der Hafencity dem Ende zugehen. Eine Klage und die Expertenmeinung könnten die Entwicklung nun bremsen.

Die Platzierung in der Randlage zur eigentlichen Innenstadt hält der Fachmann für einen „konzeptionellen Fehler“. Hamburg riskiere, den angestammten Einzelhandel an der Alster „dauerhaft zu schädigen“. Nach Überzeugung von Pump-Uhlmann wäre das EKZ in der Hafencity eben keine Ergänzung zum City-Einzelhandel, sondern eine verhängnisvolle Konkurrenz. Kaum ein Kunde werde beim Einkaufsbummel die 1,2 Kilometer lange Strecke zwischen beiden Standorten auf sich nehmen.

 

Im Überseequartier Süd baut der französische Investor Unibail-Rodamco seit April einen Großkomplex, der unter anderem 200 Läden mit 68.000 Quadratmetern Verkaufsfläche beherbergen soll; in der City sind es derzeit rund 330.000 Quadratmeter. Die Interessenvertretung der City-Kaufleute lehnt die Mall am Wasser denn auch als zu groß ab. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nannte das Überseequartier dagegen bei der Grundsteinlegung das „Herzstück der Hafencity“.

Wer dort wohnt, will vielfach nichts von dem Unibail-Ensemble wissen; fünf Anwohner haben vor Gericht Eilantrag auf Baustopp eingereicht. Eine der Klägerinnen ist Iris Neitmann, die im Ausschuss darauf hinwies, dass die durchschnittlich 50.000 Besucher täglich zum großen Teil mit dem Auto kommen würden. „Das gibt Verkehrschaos, Lärm- und Feinstaubbelastung.“ Anstatt eine allmähliche Entwicklung des Einzelhandels in der Hafencity zu betreiben, setze die Stadt „einfach diesen Klops“ dahin, ärgerte sich die Architektin.

Jürgen Bruns-Berentelg, Chef der Hafencity-Gesellschaft, wies diese und alle anderen Bedenken zurück. Die Größe des Komplexes sei notwendig, um Ankermieter zu etablieren. Frühere Pläne mit deutlich weniger Verkaufsfläche seien gescheitert, weil die Investoren die „kritische Masse“ nicht erreicht hätten. Bruns-Berentelg: „Wir brauchen dort nicht das achte oder neunte Einkaufszentrum in Hamburg mit 30.000 oder 40.000 Quadratmetern.“ Die Hafencity-Mall solle Touristen und Menschen aus dem Umland anziehen, um den Stadtteil weiter zu beleben.

Bruns-Berentelg unterstrich zudem, dass Verkaufsgeschäfte nur einen Teil des 260.000 Quadratmeter großen Gesamtkomplexes ausmachen sollen. Die Mischnutzung beinhalte auch ein Kreuzfahrtterminal, drei Kinos, Gastronomie, Büros sowie 400 Wohnungen. Der Hafencity-Chef: „Man kann darüber streiten, ob man so etwas überhaupt Shopping Center nennt.“

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