Fünf Monate nach Inbetriebnahme : European XFEL: Röntgenlaser in Schenefeld begeistert Forscher

Megaprojekt: Der Röntgenlaser des European XFEL. Das geplante Besucherzentrum soll die Wissenschaft bekannter machen.
Megaprojekt: Der Röntgenlaser des European XFEL.

Wer hat je in den Nanokosmos geschaut? European XFEL soll genau solche Blicke ermöglichen. Mancher Wissenschaftler ist bereits ganz aus dem Häuschen.

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05. Februar 2018, 07:12 Uhr

Hamburg | Fünf Monate nach Inbetriebnahme des European XFEL in Schenefeld bei Hamburg haben bereits 340 Wissenschaftler mit dem spektakulären Röntgenlaser gearbeitet. Es seien rund 700 Terabyte an Daten mit der Superkamera erstellt worden, sagte Geschäftsführer Robert Feidenhans'l. Die Forscher aus Deutschland, USA, Russland, Großbritannien und anderen Ländern seien begeistert gewesen. Über ihre Ergebnisse wollten sie vor den geplanten wissenschaftlichen Veröffentlichungen aber nichts verraten. „Das hat gezeigt, dass alles richtig funktioniert“, sagte Feidenhans'l.

Allerdings habe es auch eine Panne gegeben. Ein Spiegel, der mehrere hundert Meter vor der Experimentierstation den Röntgenstrahl auf die Probe fokussiert, sei ausgefallen. Ein Mechanismus zur Krümmung des Spiegels habe nicht funktioniert. Für die Reparatur musste der Betrieb zwei Wochen unterbrochen werden.

Seit Januar gibt es eine erneute Pause, um die Anlage weiter aufzubauen. Bislang erreicht der Röntgenlaser 300 Blitze pro Sekunde und liegt damit schon über der Leistungsfähigkeit einer ähnlichen Apparatur in den USA, die 120 Blitze pro Sekunde schafft. Bis Ende des Jahres soll sich der XFEL auf 3000 Pulse steigern, im Vollbetrieb ab Anfang 2020 soll er 27.000 Mal pro Sekunde blitzen. Die Zahl der Experimentierstationen wird von zwei auf sechs steigen.

Ab 8. März können die ersten 14 Forschergruppen eine Nachstrahlzeit von etwa fünf Wochen in Anspruch nehmen. „Wir wollen ganz sicher sein, dass alle die Daten haben, die sie brauchen“, sagte Feidenhans'l. Die ersten Experimente sollten auf jeden Fall gelingen.

Eine weitere Serie von Versuchen wird Ende August beginnen. Dafür seien bereits wieder mehr als 60 Vorschläge eingegangen. 12 bis 14 davon könnten angenommen werden, sagte der Geschäftsführer.

Die Bilder aus dem Nanokosmos können auch gestandene Forscher aus dem Häuschen bringen. Die Biochemikerin Petra Fromme, die am Desy in Hamburg-Bahrenfeld und an der State University Arizona forscht, habe sich eins der über 40.000 Fotos ihres Photosynthese-Experiments auf ihr Handy geladen und es allen XFEL-Direktoren gezeigt. „Bei jedem Direktor hat sie dann eine Stunde gebraucht, um zu erklären, wie gut das gegangen ist“, erzählte Feidenhans'l schmunzelnd. Was die Begeisterung der Professorin auslöste: „Ein schwarzes Streubild mit weißen Flecken.“

Der Röntgenlaser war am 1. September vergangenen Jahres in Betrieb gegangen. Die 1,2 Milliarden teure Anlage, an der elf Länder beteiligt sind, soll dreidimensionale Detailaufnahmen von Molekülen, Zellen und Viren liefern. Auch das Filmen chemischer Reaktionen soll möglich sein. Dafür werden in einem 3,4 Kilometer langen unterirdischen Tunnel ultraschnelle Röntgenblitze erzeugt. Die Abkürzung XFEL steht für X-Ray Free-Electron Laser, auf Deutsch Röntgenlicht-Freie-Elektronen-Laser.
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