„Benin-Bronzen“ : Europäer wollen Beutestücke nach Nigeria ausleihen

Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in einer Vitrine ausgestellt. /Archiv

Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in einer Vitrine ausgestellt. /Archiv

Nigeria fordert seit Jahrzehnten die Rückgabe der in Museen auf England und Deutschland verstreuten „Benin-Bronzen“.

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20. Oktober 2018, 15:28 Uhr

Amsterdam/Hamburg | Im Streit um die sogenannten „Benin-Bronzen“, wichtige Kunstwerke aus dem heutigen Nigeria, haben sich europäische Museen zur Ausleihung dieser Kunstwerke an ein noch zu bauendes Museum in der nigerianischen Stadt Benin-City bereiterklärt. Dies teilte eine Gruppe von neun europäischen Museen am Samstag nach Gesprächen mit nigerianischen Partnern in Leiden (Niederlande) mit. Dazu gehört auch das Hamburger Museum am Rothenbaum für Kulturen und Künste der Welt (MARKK).

In der Erklärung wird betont, dies bedeute nicht, dass die nigerianische Seite den Anspruch auf Rückgabe der Kunstwerke aufgegeben habe oder dass die europäischen Museen Rückgaben ausgeschlossen hätten. Dies sei jedoch nicht Aufgabe der „Benin Dialoggruppe“ gewesen: „Fragen der Rückgabe sind bilaterale Fragen und sollten am besten von einzelnen Museen innerhalb ihres Rechtsrahmens geklärt werden.“ Mehrere Tausend der filigranen Metall-Tafeln und Skulpturen mit Darstellungen von Königen, Kriegern und Hofszenen aus dem Palast des Königs von Benin im heutigen Nigeria, waren 1897 bei einer britischen Strafexpedition geraubt worden. Sie sind heute verstreut in Museen der westlichen Welt, vor allem in Großbritannien und in Deutschland.

Schon seit Jahrzehnten verlangt Nigeria die Rückkehr der Kunstwerke. Der Gouverneur des nigerianischen Staates Edo, Godwin Obaseki, habe „konkrete Pläne“ für das neue Museum vorgelegt, die von der Regierung gemeinsam mit dem Königshaus von Benin entwickelt worden seien. In diesem Museum sollen ständig die „Benin-Bronzen“, darunter auch die bekanntesten Stücke, gezeigt werden. Die europäischen Museen wollen dazu auf Rotationsbasis aus ihren Beständen beitragen und entsprechende Pläne vorlegen. Die „Benin Dialoggruppe“ gründete auch einen Steuerungsausschuss, der die Umsetzung der Vereinbarung vorantreiben soll.

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