Hamburgs Steakhaus-König im Interview : Eugen Block: „Man muss nicht jeden Tag Fleisch essen“

Mehr Kellner als Koch: Steakhaus-König Eugen Block ist Gastronom durch und durch.
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Mehr Kellner als Koch: Steakhaus-König Eugen Block ist Gastronom durch und durch.

Der Unternehmer über den Erfolg seiner Restaurant-Kette, Löcher in Salzstreuern – und warum die Übergabe des Imperiums an seinen Sohn scheiterte.

shz.de von
10. Februar 2018, 10:00 Uhr

Hamburg | Eugen Block (77) gehört zu den großen Hamburger Selfmade-Unternehmern seiner Generation. Ob Steakhaus-Kette oder Grand-Hotel, was er anfasste, wurde zum Erfolg. Nur einmal verließ den Patriarchen sein Instinkt.

Herr Block, essen Sie jeden Tag Steak?
Eugen Block: Nein. Man muss nicht jeden Tag Fleisch essen. Ich esse vielseitig und naturbelassen. Auch mal Fisch und mal vegetarisch.

Ernährung ist Ihnen wichtig?

Ja, sehr. Ernährung ist wichtig, um sein Leben in Ordnung zu bringen. Ich praktiziere eine vitalstoffreiche und frische Vollwerternährung. Die Natur bietet uns dafür alles. Das hat unser Schöpfer alles so gemacht. Wenn man das erkannt hat, bekommt man eine andere Einstellung zum Leben.

Eugen Block (77) stammt aus einer Gastwirtfamilie im Oldenburger Münsterland. Nach der mittleren Reife machte er eine Gastronomie-Lehre und arbeitete als Kellner in Paris, London und New York. 1968 eröffnete er an der Dorotheenstraße in Hamburg-Winterhude das erste Steakhaus der Block-House-Kette. Zur Unternehmensgruppe gehören 36  Steakhäuser, elf Burger-Restaurants („Jim Block“), das Privatbrauhaus „Blockbräu“ an den Landungsbrücken sowie das Hotel „Grand Elysee“ in Rotherbaum. Eugen Block hat mit Ehefrau Christa drei Kinder (Christina, Dirk und Philipp) und lebt in Hamburg-Poppenbüttel. Bis zum 61. Lebensjahr kickte er in einer Altherrenmannschaft des HSV.



Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch. Macht das den Block-House-Restaurants zu schaffen?

Nein, obwohl man das denken könnte. Aber selbst bei der BSE-Krise 2002 war der Rückgang beim Fleischverzehr nicht von langer Dauer. Wir passen uns der langsamen Veränderung im Konsumverhalten an und haben auch vegetarische Gerichte im Angebot. Aber im Grundsatz sind wir uns mit unserem Angebot an Steaks immer treu geblieben. Und ich muss sagen: Uns geht’s gut damit, wir haben in allen unseren Unternehmen Wachstum.

Ihre Mutter wollte, dass Sie katholischer Priester werden. Sie offensichtlich nicht . . . ?

Nein. So mit 13, 14 Jahren war klar, dass ich kein Priester werden will. Da kamen die Mädchen, die mich ein bisschen abgelenkt haben (lacht).
Aus Ihnen ist ein Unternehmer geworden. Warum?
Das war früh klar. Ich war immer ein Querkopf, wollte frei sein und selber entscheiden. Und ich wollte, dass die Dinge dann auch so gemacht werden. Nach meiner Ausbildung zum Hotel- und Gaststättenkaufmann habe ich mir gesagt: Du musst dich selbstständig machen. Um zu lernen, bin ich ins Ausland gegangen und habe in der Schweiz, in Paris, in London und in San Francisco gearbeitet.

In den USA kam Ihnen die Idee für eine Steakhaus-Kette . . . ?

Das war Mitte der 60er Jahre. Ich bin mit einem Freund in die Berge rund um San Francisco gefahren. Da gab’s eine rustikale blockhausartige Gaststätte mit Bombensteaks: dick, zart und saftig. Zum Reinbeißen. Ich war begeistert und habe mir gesagt: So was musst Du auch in Deutschland machen.

Warum in Hamburg? Sie kommen aus dem Oldenburger Münsterland.

Oldenburg war zu klein, Bremen war mir auch zu dörflich. Es musste eine größere Stadt sein, und zwar unbedingt im Norden, damit ich immer nach Hause fahren konnte.

Ihr erstes Steakhaus haben Sie 1968 in der Dorotheenstraße in Winterhude eröffnet. Waren die Hamburger sofort überzeugt?
Nein, das war kein Selbstläufer. Die finanzielle Belastung war groß, ich habe damals selber viel mitgearbeitet . . .

. . . und Steaks gebraten?
Nur im Notfall. Ich war mehr der Kellner als der Koch. Ich bin damals auch krank geworden, hatte starke Rückenprobleme, was nervlich bedingt war. Aber der Umsatz wuchs schnell im ersten Jahr, und nach einem weiteren Jahr konnte ich das zweite Restaurant öffnen. Dann lief es. Seit 1972 bin ich ein wohlhabender Mann.

Was hat den Selfmade-Unternehmer Eugen Block erfolgreich gemacht?
Vor allem Disziplin und Hartnäckigkeit. Meine Mutter hat mich „Bohrer“ genannt. Was ich im Kopf habe, das will ich unbedingt durchsetzen.

Sie sind ein Dickschädel?
Ja, aber ich bin kein ausgesprochener Rechthaber. Ich bin vor allem selbstkritisch, vielleicht zu vertrauensvoll, zu euphorisch.


 

Woher nehmen Sie Ihre Ziele und Visionen?
Aus meinem Streben nach Unabhängigkeit. Ich wollte immer frei entscheiden können und habe mir immer gesagt: Du willst kein Rentenempfänger werden. Als ich selbstständig wurde, habe ich als Erstes aufgehört, in die Rentenversicherung einzuzahlen.

Sie gelten als sehr penibler Chef. Stimmt es, dass Sie festlegen, wie groß die Löcher in den Salzstreuern sind?

Ja. Ich habe mal ein Frühstücks-Ei in meinem Hotel „Grand Elysee“ gegessen. Da standen Salzstreuer zum Drehen auf dem Tisch. Man musste also den Eierlöffel zur Seite legen, um am Salzstreuer zu drehen. Das war zu umständlich. Und in den Block-House-Restaurants haben wir grobkörniges Meersalz, dafür braucht man einfach etwas größere Löcher in den Streuern als üblich. Ich habe dann gesagt: So geht das nicht, wir brauchen andere Salzstreuer. Sie können ein Unternehmen nur gründen, wenn Sie genau diese Detailliebe mitbringen.

Aber so was nervt die Mitarbeiter doch fürchterlich . . . ?
Ach, das mit den Salzstreuern verkraften sie schon. Aber ich muss selbstkritisch sagen, dass es häufig Situationen gibt, die den Mitarbeitern nicht immer Freude machen. Ein Unternehmer muss seinen Mitarbeitern so etwas abverlangen, um sie von seiner Idee zu überzeugen.

Sind Sie ein Perfektionist?
Nein. Perfektionismus ist nicht gut. Wenn wir 85 Prozent unseres Ziels erreichen, dann sind wir gut.

Ihr Hotel „Grand Elysée Hamburg“ ist das größte privat geführte Fünf-Sterne-Haus in Deutschland. Was bedeutet Ihnen das?
Das Hotel ist ein nicht kleiner Teil meines Lebens. Ich wollte ein besonderes Hotel schaffen, und das ist gelungen. Ich glaube, wir werden noch mal Europas bestes Hotel.

Woran bemisst sich die Qualität?
Jedenfalls nicht an Pracht und aufgeblasenen Details. Ich sage meinen Leuten immer: Lasst uns auf Augenhöhe mit dem Gast sein. Nicht gestelzt, sondern ganz natürlich, keine komplizierten Lösungen.

Das heißt praktisch?

Zum Beispiel sind die Badehandtücher in vielen Hotels zu schwer, so dass man sich damit nicht gut abtrocknen kann. Im „Grand Elysee“ sind die Handtücher leichter und praktischer.

Klingt, als wären Sie auch mit 77 Jahren noch sehr aktiv in ihren Firmen.
Ich habe immer das Leben eines Unternehmers geführt, das kann man nicht am Kleiderhaken abgeben. Ich arbeite weniger und habe mich von allen operativen Posten und aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Ich will mich mehr um meinen Garten kümmern, reise gern und bin in meinem Haus an der Geltinger Bucht . . .

. . . aber ganz aufgehört zu arbeiten haben Sie nicht?
Nein. Soll ich damit aufhören, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und neue Trends zu erspüren? Oder damit, eine Idee zu haben und diese in ein Konzept umzuwandeln? So ein Unternehmen ist doch nie fertig oder vollendet. Wenn ich sehe, dass man etwas verbessern könnte, versuche ich das. Ich gebe meinen Leuten Tipps und Ratschläge, und mache manchmal auch einen Kontrollbesuch.

Warum hat keines Ihrer drei Kinder Ihre Nachfolge angetreten?
Ich wollte immer, dass mein ältester Sohn Dirk das macht. Er ist eine Persönlichkeit. Ich habe ihn in den Vorstand berufen. Dann habe ich aber festgestellt, dass er einen ganz anderen Kopf hat als ich. Er wollte nicht nur den Dingen hinterherlaufen, die sein Vater gemacht hat. Wir hatten keinen Streit, aber doch Meinungsverschiedenheiten. Dirk ist abgesprungen und hat sein eigenes Unternehmen gegründet. Ich weiß inzwischen, dass es so am besten ist.

Mit der Fluglinie Hamburg Airlines ist der Erfolgsunternehmer Eugen Block in den 1990er Jahren krachend gescheitert. Haben Sie sich überschätzt?
Ja, sieht so aus. Ich hätte bei meinen Leisten bleiben sollen. Die Zeit für eine Fluglinie war nach der Wiedervereinigung günstig. Ich wollte eine Revolution einleiten und der Lufthansa Konkurrenz machen. Aber wir haben ein paar dusselige Fehler gemacht. Es tut mir heute noch weh, wenn ich sehe, wie andere Günstig-Airlines am Hamburger Himmel kreisen.

Sie sind dabei eine Stiftung zu gründen. Warum?
Ich habe mir gesagt, wenn meine Kinder 90 Prozent meines Vermögens erben, dann ist das genug. Also haben wir vor, mit zehn Prozent die Stiftung zu fördern.

Wem soll die Stiftung helfen?

Es handelt sich um eine reine Wohltätigkeitsstiftung. Sie soll zum einen in Hamburg eine Akademie für angehende Hotel- und Gaststättenmanager begründen. Der zweite und größere Stiftungszweck liegt in Afrika. Wir wollen auch dort im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe jungen Menschen eine Qualifikation ermöglichen und Schulen bauen.

Warum tun Sie das?

Dahinter steht mein christlicher Gedanke. Ich habe Glück gehabt im Leben, weil ich in Deutschland leben konnte, auf dem Boden gesegneter Verhältnisse. In Afrika haben die Menschen weniger Glück. Ich finde, es ist mehr als nötig, dass wir auch Vieles von dem gutmachen, was die Kolonialmächte dort an Ausbeutung betrieben haben.
 

Eugen Block persönlich

Mein Steak esse ich am liebsten... medium gebraten im Block House Pöseldorf.

Erholung finde ich...  an der Ostsee beim Gärtnern.

Ärgern kann ich mich am meisten über... Halbwahrheiten.

Die meiste Freude macht mir... Pflaumen pflücken an der Geltinger Bucht.

Mein Lebensmotto lautet... selig sind die Barmherzigen, selig sind die, die nach der Wahrheit dürsten, und selig sind die, die Frieden stiften.

Hamburg ist meine Wahlheimat, weil... es weltoffene Menschen hat und eine gesunde, mittelständische Wirtschaft.

Der HSV steigt ab, weil... er es mal verdient hat. Ich wünsche es mir aber nicht.

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