Pläne für Neubebauung : Esso-Häuser in Hamburg: Das müssen Sie jetzt wissen

Sie waren ein Wahrzeichen St. Paulis - bis sie einzustürzen drohten und abgerissen wurden: die Esso-Häuser am Spielbudenplatz. Heute informiert das Bezirksamt über die Neubebauung. shz.de mit einer Chronologie.

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18. Mai 2015, 13:09 Uhr

Hamburg | Es gab Proteste und Demonstrationen gegen den Abriss: Seit 2014 sind die Esso-Häuser am Spielbudenplatz in St. Pauli Geschichte. Über die zukünftige Bebauung des Areals informiert am Montag um 14 Uhr das Bezirksamt Mitte. Um 18 Uhr gibt es außerdem eine Diskussionsrunde mit den Grundeigentümern, der Bürgerinitiative Planbude und dem Amt im Wirtschaftsgymnasium St. Pauli.

Doch warum polarisieren der Abriss und die Neugestaltung des Areals die Bürger so sehr? shz.de mit einer Chronologie.

Die Bayerische Hausbau hatte das Grundstück mit der namensgebenden Esso-Tankstelle, einer Ladenzeile sowie zwei Hochhäusern 2009 erworben.

Im Dezember 2013 waren die rund 50 Jahre alten Esso-Häuser wegen wackelnder Wände und Risse in den Wänden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zwangsgeräumt worden - 86 Mietparteien waren betroffen. Seitdem war das Gebiet gesperrt, da die Häuser einzustürzen drohten.  Die Mieter zogen vorübergehend in Hotels oder kamen privat unter. Die Mieter durften ihr Mobiliar nur mit Hilfe einer Spedition aus den baufälligen Gebäuden holen.

Eigentlich war der Auszug aus den Häusern, die direkt an einer ebenfalls gesperrten „Esso“-Tankstelle an der Amüsiermeile liegen, erst für Sommer 2014 angesetzt. Schon lange war geplant, die maroden Esso-Häuser abzureißen und einen Neubau zu errichten. Nach Angaben des Eigentümers hatten mehrere Gutachten ergeben, dass eine Sanierung wirtschaftlich und technisch nicht sinnvoll sei.

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Um die Häuser gab es bereits seit Jahren Streit. Mieter und Anwohner-Initiativen beklagen, dass die Gebäude in der Vergangenheit unter den Augen der Stadt von den Eigentümern mutwillig dem Verfall preisgegeben worden waren, um sie abreißen und stattdessen Luxuswohnungen bauen zu können.

Und genau das ist die Angst der St. Paulianer: Bezahlbarer Wohnraum verschwindet, neuer Wohnraum mit teureren Mietpreisen entsteht.  Den Kritikern ist das Konzept der Bayern deutlich zu kommerziell. Sie sehen die Esso-Häuser als Symbol „für den Ausverkauf innerstädtischer Wohnquartiere an profitorientierte Immobilienunternehmen“.

Die Eigentümerin beteuert, dass dies nicht der Fall sei. Die Gesellschaft will auf dem Areal ein „breites Potpourri aus Wohnen und Gewerbe“ schaffen. Die 86 Mietparteien, die ihre mehr als 50 Jahre alten Wohnungen bei der Zwangsräumung verlassen mussten, seien alle mit neuen Unterkünften versorgt worden, beteuert die Bayerische Hausbau. Zwei Drittel der Mieter könnten weiterhin auf St. Pauli wohnen. Zudem hätten die bisherigen Bewohner ein vertragliches Rückkehrrecht.

Doch nicht jeder scheint den Aussagen zu glauben. Im Februar demonstrierten rund 250 Menschen an der Hamburger Reeperbahn gegen den geplanten Abriss der sogenannten Esso-Häuser. Auf einem Transparent, das die Demonstranten am Zaun vor den seit Dezember geräumten Häusern befestigten, hieß es: „Wir haben eigene Pläne - Kein Hausklau durch die Bayerische Hausbau“.

Der umstrittene Abriss der Häuser begann schließlich im Mai 2014. Die Bewohner traf dies schwer: Der Abriss der Esso-Häuser fühle sich an „wie eine Beerdigung“, sagte Anwohnerin Oxana Smakova.

Die Anzahl der geplanten Sozialwohnungen in den neuen Gebäuden sorgte ebenfalls für Diskussionen. Auf dem Gelände der Esso-Häuser sollen mehr Sozialwohnungen entstehen als bisher vom Investor geplant. Er sei zu Kompromissen bereit, sagte Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Hausbau.

Der Grundeigentümer Bayerische Hausbau hatte bisher ein Drittel Sozialwohnungen angeboten, während der Bezirk Hamburg-Mitte 50 Prozent verlangt. Es gebe „praktikable Möglichkeiten, die Lücke zwischen der Forderung des Bezirks und dem von uns angebotenen Drittel zu füllen, etwa durch Baugemeinschaften, Studenten- oder Seniorenwohnungen, die auch öffentlich gefördert werden können“, sagte Büllesbach.

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