Kita-Streik : Erzieherinnen demonstrieren in Hamburg – Notdienst soll kommen

Die Streikbereitschaft der Erzieherinnen ist ungebrochen: In Hamburg gehen Kita-Beschäftigte aus ganz Norddeutschland auf die Straße. Sie wollen nochmals Druck auf die Arbeitgeber ausüben.

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28. Mai 2015, 20:00 Uhr

Hamburg | Neuer Höhepunkt im Kitastreik: Rund 15.000 Erzieherinnen aus ganz Norddeutschland haben in Hamburg für mehr Lohn und Anerkennung demonstriert. Mit Rasseln und Trillerpfeifen zogen sie am Donnerstag vom Gewerkschaftshaus durch die Innenstadt bis zum städtischen Arbeitgeberverband und von dort zur Abschlusskundgebung am Fischmarkt. Auf Transparenten forderten sie „Was sind Euch die Kinder wert?“ und „Ausbildung top - der Lohn ein Flop“. „Wir hoffen sehr, dass die kommunalen Arbeitgeber endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch legen, damit die Streiks beendet werden können“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Hilke Stein.

Verdi und die GEW fordern für die bundesweit 240.000 Beschäftigten eine bessere Eingruppierung - im Schnitt geht es demnach etwa um 10 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände hält das für unbezahlbar und hatte die Gewerkschaften zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen. Seit dem 8. Mai streiken die Erzieherinnen an kommunalen Kitas.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) traf sich am Donnerstag zu einer Sitzung in Frankfurt. Es ist bereits die dritte Woche im Kitastreik. „Wir wissen, wie schwierig diese Situation für viele Familien ist.

Aber solange die Arbeitgeber ihren schönen Worten keine Taten folgen lassen, müssen wir weitermachen“, sagte Stein. Die Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst müssten deutlich aufgewertet werden. Es könne nicht sein, dass jemand, der in der Industrie eine Ausbildung beendet, mit 1000 Euro mehr in den Beruf einsteigt als Menschen in den Sozial- und Erziehungsdiensten.

Betroffen sind allein in Hamburg rund 25.000 Kinder und ihre Eltern. „Die Streiks werden weitergehen, bis wir ein Angebot haben“, kündigte Stein an. Bei den Elbkinder-Tagesstätten, die 180 städtische Einrichtungen in Hamburg betreiben, soll es in jeder zweiten Kita einen Notdienst geben, damit die Eltern ein wenig entlastet werden.

Unter dem Motto „Jetzt reicht's - Erzieherberuf aufwerten, Kita-Streik beenden“ hatten am Dienstag in Hamburg 2000 Eltern und ihre Kinder für ein Ende des Streiks demonstriert - einige von ihnen schafften es sogar bis ins Rathaus. „Dieser Streik trifft die Falschen: Er trifft nicht die Arbeitgeber, sondern die Eltern und deren Kindern“, sagte Björn Staschen vom Landeselternausschuss (LEA) Hamburg. Kommunen und Gewerkschaften müssten daher alles daran setzen, sich zu einigen, damit nicht länger Dritte getroffen werden.

Auch am Donnerstag demonstrierten wieder rund 30 Eltern und ihre Kinder vor dem Rathaus. Auf Transparenten forderten sie „Wir wollen zurück in die Kita“ und „Einigt Euch: Wir wollen nicht länger Spielball sein!“


Vereinbarung über Notdienste an Hamburger Kitas erzielt

Tausende Eltern, deren Kinder an kommunalen Kitas in Hamburg betreut werden, können im aktuellen Tarifstreit auf etwas Entlastung hoffen. Die Gewerkschaft Verdi und die Sozialbehörde erklärten am Donnerstagabend, dass sich Verdi und die Geschäftsführung der Elbkinder-Tagesstätten auf eine Notdienstvereinbarung verständigt hätten. „Es wird einen Notdienst geben“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Hilke Stein. Nach Elbkinder-Angaben greift die Notdienstvereinbarung ab dem kommenden Freitag (5.6.). Demnach soll es bei den Kitas der Elbkinder, die 180 städtische Einrichtungen in der Hansestadt betreiben, in jeder zweiten Kita einen Notdienst geben. Dabei werde an Teamlösungen benachbarter Einrichtungen gedacht. Weitere Details sollen am Freitag bekanntgegeben werden, kündigte Stein an. „Ich begrüße dies als wichtigen Schritt zur Entlastung der Eltern in der aktuellen Situation“, erklärte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD).

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