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Hamburg : Ersticktes Baby: Sieben Jahre und acht Monate Haft für Mutter

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Aus der Onlineredaktion

Eine 29-Jährige tötet ihr Kind. „Ein klares Motiv vermochte die Kammer nicht aufzuklären“, sagt die Richterin.

Hamburg | Im Prozess um den Tod eines Babys in Hamburg-Harburg hat das Landgericht Hamburg die Mutter, die im November 2015 ihr Baby unter Decken erstickte, zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und acht Monaten wegen Totschlags verurteilt. „Ein klares Motiv vermochte die Kammer nicht aufzuklären“, sagte die Vorsitzende Richterin am Mittwoch. „Sie haben Ihr Baby, welches sich nicht wehren konnte, getötet.“ Die Angeklagte verfolgte die Urteilsbegründung mit gesenktem Kopf, ihre Miene verriet in diesem Moment keine Gefühlsregung.

In Hamburg wurden in den letzten Jahren einige Fälle von Kindesmisshandlung bekannt. Vor zwei Jahren starb die dreijährige Yagmur. Sie wurde von ihrer Mutter misshandelt. Im Dezember 2015 wurde der kleine Tayler zu Tode geschüttelt.

Mit dem Strafmaß folgte die Richterin den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die Verteidigung hielt zwei bis drei Jahre für angemessen - und kündigte nach dem Urteil an, Revision einlegen zu wollen. „Wir werden das Urteil angreifen“, sagte Anwalt Claus-Philipp Napp. Seine Mandantin habe sich in einem seelischen Ausnahmezustand befunden.

Die Angeklagte hatte in dem Verfahren gestanden, am 7. November 2015 in ihrer Wohnung in Hamburg-Harburg mehrere Decken über ihr schreiendes Baby gelegt zu haben, so dass das fünf Monate alte Kind erstickte. Als sie das leblose Kind entdeckte, rief die Frau die Feuerwehr. Vor Gericht zeigte die Mutter Reue. „Ich vermisse ihn jeden Tag“, sagte sie unter Tränen über ihren toten Sohn, als sie das Recht zum letzten Wort bekam. In einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung hatte sie in dem Prozess ausführlich von ihrer schwierigen Kindheit im Bosnienkrieg (1992-95) erzählt.

Über ihren Verteidiger erklärte sie, dass sie einen schrecklichen Fehler gemacht habe und die Tat zutiefst bereue. Vor der Tat hätten ihr Stimmen befohlen: „Töte das Kind, sonst wirst du nie glücklich sein!“ Die Angeklagte erhob schwere Vorwürfe gegen den Vater des Kindes. Dieser habe sie geschlagen und ständig Geld von ihr gefordert, sagte sie. Oft habe sie kein Geld mehr für Essen gehabt. Darum habe sie während der Schwangerschaft gelegentlich als Prostituierte gearbeitet. Der Vater des Kindes war vor Gericht als Nebenkläger aufgetreten. „Das war eine äußerst problematische Beziehung“, berichtete die Richterin über das Paar.

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erstellt am 15.Jun.2016 | 17:15 Uhr

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