Hamburg : Erste Rabbiner-Ordination seit dem Zweiten Weltkrieg

Blick in die Hamburger Synagoge Hohe Weide.

Blick in die Hamburger Synagoge Hohe Weide.

Fünf Rabbiner schließen ihre Ausbildung ab und werden wichtige Aufgaben im Gemeindeleben übernehmen.

shz.de von
21. Mai 2018, 17:58 Uhr

Hamburg | Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sollen am Mittwoch fünf Rabbiner in Hamburg ordiniert werden. Die jüdischen Geistlichen haben eine dreijährige Ausbildung am Hamburger Rabbinerseminar „Or Jonathan“ absolviert, wie das Jüdische Bildungszentrum Chabad Hamburg mitteilte. Zu der Feier in der Synagoge werden neben Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) der israelische Oberrabbiner David Lau und der stellvertretende israelische Bildungsminister Meir Porush erwartet.

Das Rabbinerseminar war 2014 mit maßgeblicher Unterstützung des russischen Schiffbau-Unternehmers Garegin Tsaturov gegründet worden. Der Chef der Pella-Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde leitet auch die Stiftung Jüdische Zukunft, die Träger des Seminars ist. Es knüpft an eine Hamburger Tradition an. Der Name „Or Jonathan“ bedeutet „Licht Jonathans“. Er nimmt Bezug auf den Rabbiner Jonathan Eybeschütz, der 1690 in Krakau geboren wurde und 1764 in Altona starb.

Eybeschütz hatte in verschiedenen europäischen Städten eine große Anhängerschaft um sich gesammelt und lieferte sich in Altona einen Richtungsstreit mit dem Rabbiner Jakob Emden (1697-1776). Dieser warf Eybeschütz vor, er sei ein heimlicher Anhänger des 1676 gestorbenen „Pseudomessias“ Sabbatai Zwi. Eybeschütz konnte Oberrabbiner bleiben, obwohl die Anschuldigung nach Einschätzung von Historikern wohl nicht falsch war.

Rund 8000 jüdische Hamburger im Holocaust umgekommen

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien waren seit Ende des 16. Jahrhunderts zahlreiche der sogenannten Sepharden über Portugal und die Niederlande nach Hamburg gekommen. Das jüdische Leben in der Hansestadt erlebte einen Aufschwung, wovon noch heute die Gräber auf dem alten Jüdischen Friedhof in Altona zeugen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die israelitische Gemeinde Hamburgs nach Angaben des Instituts für die Geschichte der Deutschen Juden die größte in Deutschland. Damals habe sie etwa 8000 Mitglieder gehabt, sagte der stellvertretende Institutsdirektor Andreas Brämer.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten flüchteten viele Hamburger Juden ins Ausland oder wurden von 1941 an deportiert und ermordet. Bereits bei den Novemberpogromen 1938 seien mehr als 1000 Juden verschleppt worden. Rund 8000 jüdische Hamburger seien im Holocaust umgekommen, sagte Brämer.

Heilige Schriften restaurieren

Die erste Rabbiner-Ordination in Deutschland nach dem Krieg hatte 2006 in Dresden stattgefunden. Die drei Studenten absolvierten das Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam. Davor hatte es in Deutschland 1942 eine letzte Rabbiner-Ordination gegeben. Wenig später hatten die Nazis die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin geschlossen.

Unter den neuen Hamburger Rabbinern ist Nathan Grinberg, der bereits in der Lübecker Gemeinde tätig ist. Ein anderer Absolvent soll als Kalligraph Tora-Rollen und andere heilige Schriften restaurieren und schreiben. Ein weiterer Rabbiner wird für das Friedhofswesen in Hamburg zuständig sein. Von den beiden übrigen Absolventen werde einer für die Stiftung Jüdische Zukunft arbeiten, der andere seine Studien fortsetzen, hieß es.

Die jüdische Gemeinde Hamburg zählt nach Angaben der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland derzeit 2447 Mitglieder. Damit ist sie vergleichsweise klein. In Berlin, München oder Frankfurt leben deutlich mehr Juden. Seit 2003 gibt es das Jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch Hamburg. Der von Rabbiner Shlomo Bistritzky geleitete Verein zählt zum orthodoxen Judentum und will eine Wiedergeburt des jüdischen Glaubens bewirken.

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