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Toter Hamburger Schüler : Erschossener Diren in der Türkei beerdigt

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Nach dem gewaltsamen Tod des Schülers Diren trugen ihn Angehörige und Freunde am Montag in der Türkei zu Grabe. In seiner Hamburger Schule erinnerten Schüler und Lehrer mit einer Schweigeminute an den Jungen.

Istanbul/Hamburg | Der in den USA erschossene Hamburger Schüler Diren ist acht Tage nach seinem Tod auf der türkischen Bodrum-Halbinsel beerdigt worden. Zu der Bestattung seien etwa 70 Familienangehörige und Freunde angereist, wie eine Sprecherin der Familie sagte. Sein Sarg war mit der türkischen und der deutschen Fahne bedeckt. Auch deutsche Diplomaten in Ankara trauerten um den Jungen. „Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie+Freunden“, twitterte die Deutsche Botschaft am Montag.

Der 17-Jährige war vor acht Tagen im amerikanischen Missoula im Bundesstaat Montana in der Garage eines 29-Jährigen erschossen worden. Der Hausbewohner hatte in der Garage eine Falle für Einbrecher aufgebaut. Was der Teenager dort suchte, blieb unklar. Die Trauergemeinde versammelte sich zum muslimischen Mittagsgebet.

Türkische Medien berichteten knapp über den Fall. Mit einer Schweigeminute gedachten Hamburger Schüler und Lehrer an den getöteten Jungen. Zu Unterrichtsbeginn erinnerte der Schulleiter in einer Lautsprecher-Durchsage an ihn - dabei erhoben sich alle Schüler von ihren Plätzen. Für Direns elfte Klassenstufe fand im Anschluss eine eigene Trauerveranstaltung in der Aula statt. „Ich habe die Schüler selten so still, so voller Trauer erlebt“, sagte der Beratungslehrer, Thomas Görris. Minutenlanges Schweigen habe den Raum erfüllt. Viele seien noch immer fassungslos.

Für die Betroffenen hat die Schule einen Gedenkraum im Erdgeschoss eingerichtet: Rote Vorhänge verdunkeln das Zimmer. Kerzen und Teelichter flackern auf den Tischen. Neben einer Packung Taschentücher liegt ein Kondolenzbuch aus. Einige Seiten wurden bereits mit Erinnerungen, auf Deutsch und Türkisch, gefüllt. Ein Bekannter aus seinem Fußballverein schrieb: „Du warst ein sehr netter Mensch und ein guter Verteidiger. Ich werde an dich denken!“ Zu lesen ist auch: „Diren, ich habe dich zwar kaum gekannt, aber wenn du Fußball spieltest, musste ich staunen.“ Ein anderer erinnerte sich: „Ich bin sehr froh, dich kennengelernt zu haben. Du warst ein toller Mensch. Dein Tod nimmt mich sehr mit.“ 

Schulleiter Ulf Nebe sagte: „Natürlich ist starke Trauer und Ergriffenheit zu spüren. Heute war eine besondere Situation, da alle wieder aufeinandertrafen.“ Auch die Lehrer seien „mitgenommen und betroffen“. Die Beratungsstelle Gewaltprävention, die der Hamburger Schulbehörde unterstellt ist, begleitet nun das Gymnasium. In den kommenden Wochen solle Direns Tod auch im Unterricht aufgearbeitet werden, sagte Schulleiter Nebe. So sollen etwa Briefe an die Familie geschrieben, im Unterricht Bilder gemalt oder der Raum des Gedenkens von Schülern mitgestaltet werden.

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erstellt am 05.Mai.2014 | 17:12 Uhr

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