Mutmaßlicher Todesschütze vor Gericht : Erschossener Diren D: Prozessbeginn in Montana

Der 17-jährige Diren wurde bereits in der Türkei beerdigt.
Der 17-jährige Diren wurde bereits in der Türkei beerdigt.

In Hamburg war der Schock groß, als ein Schüler aus der Stadt in den USA erschossen wurde. Am Montag beginnt in Montana der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

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01. Dezember 2014, 06:29 Uhr

Hamburg | Der Prozess gegen den mutmaßlichen Todesschützen des 17-jährigen Diren D. aus Hamburg beginnt am 1. Dezember. Der Mann ist wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Zuerst sollen die Geschworenen ausgesucht werden, die eigentliche Verhandlung startet vermutlich am darauffolgenden Donnerstag (4. Dezember) und soll etwa drei Wochen dauern.

Im Verfahren um den Tod des deutschen Austauschschülers in den USA hat das Gericht eine psychologische Untersuchung des mutmaßlichen Täters angeordnet. Dies berichtete die Tageszeitung „The Missoulian“ unter Berufung auf Gerichtsdokumente.

Was war passiert? Der 17 Jahre alte Teenager aus Hamburg-Altona war ein Jahr Gastschüler an der High School von Missoula im US-Bundesstaat Montana. Er stand kurz vor seiner Rückkehr nach Hamburg.

In der Nacht zum 27. April  wurde er in der Garage des Angeklagten im US-Staat Montana erschossen. Diren wurde am Kopf und am Arm getroffen und starb im Krankenhaus. Die Details sind noch immer unklar. Es heißt, Diren D. soll auf der Suche nach Alkohol in die Garage eingedrungen sein. Der Angeklagte plädiert auf Notwehr. In seine Garage sei bereits zuvor mehrfach eingebrochen worden.

Nach Ansicht der Anklage hingegen wollten er und seine Partnerin Eindringlingen eine Falle stellen. Der amerikanische Todesschütze erhält nach Angaben seines Anwalts Morddrohungen nach der Tat. Der 29-Jährige und seine Partnerin hätten hasserfüllte anonyme Anrufe und Facebook-Nachrichten bekommen, sagte der Strafverteidiger Paul Ryan. „Es ist eine sehr problematische Situation für sie. Sie verlassen ihr Haus nicht mehr. Sie machen sich Sorgen um ihr kleines Kind.“

Der Tod des Schülers sei „ohne Frage tragisch“, erklärte Anwalt Ryan. Sein Mandant und dessen Partnerin seien erschüttert. Sie glaubten aber, dass die Schüsse gerechtfertigt gewesen seien. „Sie fühlten sich bedroht.“ Zudem sagte der Anwalt, dass sein Mandant niemandem eine Falle habe stellen wollen.

Besonders wichtig in dem Verfahren dürfte die sogenannte Castle Doctrine werden. Diese in Montana sowie in etwa der Hälfte der 50 US-Bundesstaaten gültige Regelung besagt, dass sich Bürger notfalls mit Waffengewalt gegen Eindringlinge in Haus und Garten verteidigen dürfen. Der Schütze muss sich aber ernsthaft bedroht fühlen.

Zwar räumt der Staat Montana für die Verteidigung des eigenen Hauses das bewaffnete Recht auf Notwehr ein. Laut Anklageschrift stellte der Mann aber potenziellen Dieben eine Falle. Die Partnerin des Schützen habe als eine Art Köder eine Handtasche mit persönlichen Gegenständen in die Garage gestellt. Trotz der Einbrüche der vergangenen Wochen ließen die beiden das Garagentor offen stehen. Einer Zeugin zufolge soll der Mann seit Nächten darauf gewartet haben, jemanden zu fassen und zu erschießen.

Die Anteilnahme am Tod des 17-Jährigen war groß. An Direns Hamburger Schule gedachten Schüler und Lehrer mit einer Schweigeminute des Toten. Sein Hamburger Fußballverein organisierte ein Benefizspiel. Rund 1000 Zuschauer kamen im Stadtteil Altona zusammen, um des 17-Jährigen zu gedenken, darunter seine Mutter und seine beiden Schwestern. Viele Gäste trugen T-Shirts mit einem Foto von Diren, zahlreiche Plakate und Bilder erinnerten an den Hobbyfußballer.

Auch in Montana trauerten Freunde, Mitschüler und Nachbarn um Diren. Nach einem Bericht des Lokalblattes „Missoulian“ versammelten sich die Trauernden auf dem Fußballfeld von Fort Missoula. Sie schrieben in ein Kondolenzbuch und ließen Ballons in den Himmel steigen.

Die Familie und die Freundin des Getöteten reagierten geschockt auf Direns Tod. Der Onkel des in Montana erschossenen Jugendlichen sagte der „Bild“-Zeitung: „Diren war der Sonnenschein seiner Eltern. Wir sind alle am Boden zerstört.“ Seine 17-jährige Freundin sagte der Zeitung: „Er hatte in Amerika das schönste Jahr seines Lebens.“ Direns Vater kritisierte die Waffengesetze in den USA scharf. „Amerika kann hier nicht weiterhin Cowboy spielen“, sagte der 46-Jährige.

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