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US-Generalkonsulat am Alsterufer : Erlösung für Hamburgs schönste Straße

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das US-Konsulat am Alsterufer wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zur veritablen Festung ausgebaut. Nun räumt es endlich sein „Weißes Haus“ am schönen Alsterufer.

Hamburg | Es ist jetzt über zehn Jahre her, dass die Doppeltürme des World Trade Center, eines der schönsten Symbole für Amerikas Größe, Baukultur, Wirtschaftskraft und Stolz an New Yorks Südspitze, in Schutt und Asche versanken und einige Tausend Menschen in den Tod rissen. Die USA waren im Mark getroffen. Auf eigenem Grund und Boden angegriffen, in der Seele verletzt durch Terroristen, davon einige scheinbar brave arabische Studenten, ausgerechnet aus Hamburg-Harburg.

Vieles von dem, was seitdem die Vereinigten Staaten unternahmen, hat in dieser Verwundung seine Erklärung. Der Riese, die größte Militärmacht der Welt, war ernsthaft verwundet worden und schlug wild um sich. Alles andere hätte kein amerikanischer Patriot verstanden – egal, was sich andere darunter vorstellen mochten und an gut gemeinten Vorschlägen anboten.

So wurde auch jede amerikanische Auslandsvertretung, die auch nur im geringsten hätte gefährdet sein können, zum Teil maßlos aufgerüstet, geschützt und bewacht. In Hamburg residiert das US-Generalkonsulat seit dem Zweiten Weltkrieg in einer der schönsten Haller-Villen an der Außenalster, passend zu diesem großen, mächtigen Land, nach der Tradition von Jahrhunderten sowieso. Das „Weiße Haus“ der USA in der Hansestadt.

Die deutsche Wiedervereinigung liegt ein Vierteljahrhundert zurück. Die Bedeutung vieler Konsulate, die ebenfalls aufgrund langer Tradition in der Handelsmetropole Hamburg residierten, nahm ab. Zum einen, weil die tradierten Botschaften wieder in Berlin arbeiten, was der Normalität entspricht. Zum anderen, weil im Zeitalter von weltumspannendem Flugverkehr und Internet die konsularischen Dienste immer weniger benötigt werden. So werden selbst bedeutende Länder wie England in Hamburg längst von deutschen Honorar-Konsuln vertreten. Der alte konsularisch-höfische Glanz ist Vergangenheit. Politik und Handel ticken heute anders.

Hamburgs vielleicht schönste Straßen heißen, in schönster Untertreibung, Harvestehuder Weg und Alsterufer. Das US-Konsulat liegt am Alsterufer und wurde im Zuge der schrecklichen Ereignisse in New York zur veritablen Festung ausgebaut, mit Millionen-Aufwand. Gewaltige Gitter, an Panzersperren erinnernde Bodenhindernisse, Tag und Nacht geschützt durch offensichtlich bewaffnete Bewacher vor und hinter dem Haus. Helle Scheinwerfer nachts, die Straßen vorne und hinten gesperrt. Der gesamte, nicht unwesentliche Auto-Verkehr wird seit Jahren über den nicht allzu aufnahmefähigen Mittelweg umgeleitet. Der Bewachungs-Aufwand ist absolut phantastisch. Und der Ärger über diesen Material- und Personal-Aufwand auch. Schon längst versteht kein Mensch mehr, warum einige wenige Angestellte in dem hochherrschaftlichen Gebäude bewacht werden müssen, als wenn sich dort Obama und Putin persönlich zum Tee verabredet hätten.

Jetzt naht Erlösung: Nach einer bestätigten Meldung aus dem Konsulat wollen sich die USA von ihrem Immobilien-Kleinod in allerbester Lage demnächst trennen. Das wäre toll. Endlich könnten Hamburger und Touristen wieder ohne zu erschrecken wegen der drohend-kriegerischen Verteidigungs-Maßnahmen am „Weißen Haus“ Außenalster und angrenzende Gebäude wieder genießen. Schließlich wäre endlich Schluss mit den überaus lästigen Umwegen. Und für die vielen bisherigen Bewacher wird die Stadt ganz sicher sinnvollere Beschäftigung finden.

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erstellt am 11.Aug.2014 | 11:45 Uhr

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