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JVA Hamburg-Fuhlsbüttel : Entenbrust für Häftling: Schmuggel-Verdacht in Santa Fu

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Ein Mann soll in der JVA Hamburg-Fuhlsbüttel ein feudales Leben geführt haben. Auch ein Handy wurde gefunden.

Hamburg | In der JVA Hamburg-Fuhlsbüttel sollen Bedienstete einen Häftling mit Lebensmitteln wie Steak und Entenbrust versorgt haben. Sie seien vorläufig freigestellt worden, sagte der Sprecher der Justizbehörde, Sven Billhardt, am Mittwoch. Zuvor hatte die „Hamburger Morgenpost“ darüber berichtet. Demnach handelt es sich um den Bäcker und die Psychologin von „Santa Fu“. Zur Versorgung sollen auch ein Expander zum Muskeltraining, Eiweißpulver und Mundwasser gehört haben. Bei der Durchsuchung seiner Zelle wurde ein Mobiltelefon gefunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bestechung und Bestechlichkeit.

Der 52-jährige Häftling war 2010 zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Er habe eine Frau in Schleswig-Holstein überfallen, länger festgehalten und vergewaltigt, hieß es in dem Bericht. Der Mann wurde inzwischen in eine andere Hamburger Haftanstalt verlegt. Ermittelt wird auch gegen die Freundin des Häftlings. Es sei zwar keine Straftat, entgegen der Anstaltsordnung Lebensmittel und andere Gegenstände einzuschmuggeln, sagte Justizsprecher Billhardt - wohl aber, Bediensteten Geld für Schmuggeldienste zu geben. Seit August werde nach einer Anzeige der Vollzugsanstalt ermittelt, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach.

Der Justizbehörde zufolge wurden am 9. November Räume in der JVA durchsucht, unter anderem die Haftzelle und die Bäckerei. Woher das dabei entdeckte Mobiltelefon stammt, sei unklar. Handys sind in Gefängnissen verboten.

Auf der Suche nach verbotenen Gegenständen durchsuchen Vollzugsbeamte der zentralen Revisionsabteilung mit Rauschgifthunden regelmäßig Hamburgs Gefängnisse. 2013 wurden in den fünf Justizvollzugsanstalten sowie im Untersuchungsgefängnis 86 Mobiltelefone entdeckt, hieß es bei der Justizbehörde. Außerdem beschlagnahmten die Beamten 97 Messer oder Klingen sowie 35 gefährliche Gegenstände wie etwa Schlagringe.

Nach dem Willen der CDU-Bürgerschaftsfraktion soll sich der Justizausschuss am 5. Dezember mit dem Thema befassen. „Dies ist ein neuer Höhepunkt in der ohnehin verkorksten Justizpolitik der SPD“, sagte der justizpolitische Sprecher André Trepoll. Der Ausschussvorsitzende Farid Müller (Grüne) unterstützte die Forderung. „Wenn ein heimlicher Wochenmarkt hinter Gittern entsteht und städtische Mitarbeiter darin verstrickt sind, dann muss man auch die Frage nach der Personalführungsverantwortung in Hamburgs bekanntestem Gefängnis stellen.“

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erstellt am 19.Nov.2014 | 16:46 Uhr

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