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Elbphilharmonie in Hamburg : Elphis Fenster werden geputzt – für mehr als 100.000 Euro

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Eine Spezialfirma aus Bayern sorgt für Glanz an der Hamburger Elbphilharmonie. Der Auftrag ist extrem kompliziert.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 16:06 Uhr

Hamburg | Die Elbphilharmonie strahlt in diesen Tagen besonders schön und das liegt nicht nur an der Oktobersonne: Die Fensterputzer sind am Werk. Wie kleine Figuren aus dem benachbarten Miniaturwunderland hängen derzeit die Industriekletterer an der mächtigen Konzerthausfassade. Drei Wochen braucht es, bis alle 2200 Fensterelemente gereinigt sind, gut die Hälfte ist geschafft.

Es ist eine aufwändige und kostspielige Angelegenheit. „Die Elbphilharmonie ist ein extremes, nicht vergleichbares Gebäude“, sagt Armin Bornschlegl, Geschäftsführer der zuständigen Glasreinigungsfirma ABO in Wang bei München. Noch nie habe seine Firma so viel Aufwand betreiben müssen für einen Auftrag. Und das, obwohl die Firma weltweit agiert und als Glasreinigungsspezialist für architektonisch anspruchsvolle Gebäude, darunter fast alle namhaften Autohersteller, einen Namen hat.

Kompliziert ist das Unterfangen am Hamburger Konzerthaus nicht nur wegen der Höhe, der Steigungen und Absturzgefahr für die Putzer, auch die Fenster selbst stellten zunächst eine Herausforderung für die Fensterputzer dar. Weil sie nicht plan, sondern gerundet sind und das Glas nicht zerkratzen darf, können die Reinigungsspezialisten nicht klassisch mit Wischern, Reinigungsmittel und Leitungswasser anrücken, wie es jede Hausreinigungskraft kennt.

Die Fenster der Elbphilharmonie − jedes hat 72.000 Euro gekostet − brauchen reinstes Wasser und eine schonende Reinigung. Dafür wurden auf dem Dach vier Tanks mit 1000 Leiter durch Osmose gereinigtes Wasser installiert, das über teils 200 Meter lange Schläuche in die Teleskopstangen mit feinsten Bürsten schießt. Acht Industriekletterer säubern derzeit jeden Tag Fenster für Fenster an Hamburgs neuem Wahrzeichen, jeweils ein Kollege auf dem Dach und am Boden sichern das Unterfangen ab.

An der höchsten Stelle ist das Konzerthaus mehr als 100 Meter hoch. „Jeder Kletterer darf maximal drei Stunden am Stück hängen und höchstens sechs Stunden am Tag“, sagt Firmenchef Bornschlegl. Die Mitarbeiter werden mit einer dieselgetriebenen Winde in die Höhe getragen.

Das alles hat seinen Preis: Mehr als 100.000 Euro zahlt die Elbphilharmonie pro Putzvorgang an die Spezialisten aus Wang − dreimal im Jahr. Allein die Personalkosten belaufen sich auf 50.000 Euro, rechnet ABO-Chef Bornschlegl vor; dazu 2000 Euro für Material wie Reinigungsmittel und Osmose-Wasser. Und allein 100.000 Euro habe das Unternehmen in spezielles Equipment investieren müssen.

Der für dieses Jahr letzte Putzdurchgang wird Ende der kommenden Woche erledigt sein. Erst zum Frühjahrputz kehren die Kletterer zurück. Und Firmenchef Bornschlegl sagt im schönsten Bayerisch: „Wo die Welt drauf blickt, da lässt man eigentlich lieber die Finger von.“ Deshalb hätten sie auch am Anfang am liebsten keine Aufmerksamkeit durch Öffentlichkeit gewollt. Und jetzt? „Es läuft alles wie am Schnürchen.“

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