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Entscheidung vertagt : Elbvertiefung: Das müssen Sie wissen

vom
Aus der Onlineredaktion

Am Donnerstag hat das Bundesverwaltungsgericht die Entscheidung über die Elbvertiefung vertagt. Warum soll eigentlich gebaggert werden? shz.de beantwortet nicht nur diese Frage.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 20:44 Uhr

Hamburg/Leipzig | Das Bundesverwaltungsgericht hat noch keine Entscheidung über die Elbvertiefung getroffen. Die Richter entschieden, dass die Schicksalsfrage für Hamburg vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt werden soll. Es gebe noch offene Fragen zum EU-Recht.

Das Thema bleibt spannend. Fragen und Antworten zur Elbvertiefung:

Worum geht es bei der Elbvertiefung?

Hamburg will die Elbe zwischen Hafen und Nordsee vertiefen, damit Containerschiffe mit Tiefgängen von bis zu 13,50 Metern den Hafen unabhängig von Ebbe und Flut erreichen können. Tideabhängig sollen auch Frachter mit Tiefgängen von 14,50 Metern auf der Elbe fahren können. Teilweise soll die Fahrrinne zusätzlich verbreitert werden.

Wo wird die Fahrrinne verbreitert?

Verbreitert werden soll die Fahrrinne zwischen dem Hamburger Hafen und Höhe Störmündung. Die einzelnen Fahrrinnenabschnitte werden aber unterschiedlich stark verbreitert – am stärksten vor Wedel, da hier die „Begegnungsbox“ geplant ist. An dieser sollen Schiffe aneinander vorbeifahren können, ohne dass eines von ihnen auf die Weiterfahrt warten muss. Der Einbahnstraßenverkehr soll dort also Geschichte sein.  Die maximale Verbreiterung beträgt 135 Meter.

Wo soll die Fahrrinne konkret vertieft werden?

Etwa 40 Prozent der Elbe sind schon tief genug. Die Karte zeigt den Querschnitt der Fahrrinne. Die grünfarbigen Flächen, die über der roten Linie liegen, stellen die Bereiche dar, die ausgebaggert werden sollen.

Warum soll gebaggert werden?

Zurzeit orientiert sich die Ausbautiefe und Ausbaubreite der Fahrrinne – ein besonderer Bereich innerhalb des Fahrwassers für Schiffe mit besonders großem Tiefgang – noch an Containerschiffen mit maximalen Tiefgängen von 13,50 Metern. Doch die Zeiten ändern sich: waren in den 1990ern laut Hamburger Wirtschaftsbehörde noch Schiffe mit einer Kapazität zwischen 6000 bis 9000 Standardcontainern (TEU) die Regel, kommen immer häufiger Schiffe mit bis zu 18.000 TEU zum Einsatz. Damit die weltgrößten Frachter den Hamburger Hafen auch vollbeladen ansteuern können, bedarf es der Elbvertiefung.

Was bedeutet die Elbvertiefung für die Wirtschaft?

Der Hamburger Hafen sieht Chancen, den Containerumschlag bis 2030 zu verdoppeln – wenn es zur Elbvertiefung kommt. Es geht also um die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens. Jährlich werden neun Millionen Container im Hafen bewegt. Drei Millionen bleiben in der Metropolregion. Der Rest wird deutschlandweit sowie ins Ausland transportiert. Laut Hamburger Wirtschaftsbehörde hängen bundesweit 260.000 Arbeitsplätze vom Hafen ab, in der Metropolregion sind es 150.000. 

Was sind die Folgen für die Umwelt?

Der Ausbau der Fahrrinne wird erhebliche Umweltbeeinträchtigungen hervorrufen. Das bestätigt die Hamburger Wirtschaftsbehörde. Für 80 Millionen Euro sollen daher umfangreiche ökologische Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden. Flächen sollen renaturiert werden, die in den vergangenen Jahrzehnten umgestaltet wurden. Solche Maßnahmen finden beispielsweise im Allwördener Außendeich, dem Asseler Sand, der Insel Schwartonnensand, entlang der Stör, auf der Elbinsel Wilhelmsburg und im Hamburger Naturschtuzgebiet Zollenspieker statt. Das Ziel lautet: Kompensation der negativen Folgen der Fahrrinnenanpassung auf die Natur.

Was fürchten Gegner der Elbvertiefung konkret?

Die Umweltverbände  – sie hatten gegen die Elbvertiefung geklagt – befürchten, dass eine Ausbaggerung das Ökosystem des Flusses zum Kippen bringen könnte. Hierbei spielt die europäische Wasserrahmenrichtlinie eine wichtige Rolle. Sie besagt, dass sich der Zustand der Gewässer nicht verschlechtern darf. Die Zahl der Tage mit niedrigen Sauerstoffwerten habe sich laut Umweltschützern seit der letzten Vertiefung 1999 erhöht. Der seltene Schierlingswasserfenchel sei in Gefahr, ebenso Tideauwälder sowie Laich- und Ruheplätze für Fische. Und viele Bewohner elbnaher Gebiete haben Angst davor, dass die Deiche in Gefahr geraten. Die Befürchtung: In einer tiefer ausgebaggerten Rinne könnte das Wasser schneller strömen.

Wurde die Elbe in der Vergangenheit bereits vertieft?

Ja. Frachtschiffe werden immer größer. Darum wurde die Elbe bereits mehrfach ausgebaggert. Zuletzt wurde der Fluss 1999 vertieft. Bereits wenige Jahre danach begann die Debatte über die nächste Elbvertiefung, 2012 einigten sich Hamburg und Niedersachsen nach langem Gezerre darauf. Die Umweltverbände BUND und Nabu klagten dann gegen die Planfeststellungsbeschlüsse zur Ausbaggerung der Unter- und Außenelbe. Im Oktober 2012 verhängte das Bundesverwaltungsgericht nach einem Eilantrag der Verbände einen vorläufigen Baustopp.

Mit dpa-Material

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