Vom Tiertransporter gesprungen : Elbtunnelschwein Viktoria: Von der Schlachtbank ins Paradies

<p>Viktoria liebt den Platz im Hundekorb.</p>

Viktoria liebt den Platz im Hundekorb.

Die junge Sau, die vor zehn Monaten im Elbtunnel vom Tiertransporter hüpfte, führt heute ein unbeschwertes Leben.

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05. Januar 2018, 16:59 Uhr

Kollnburg | Sie sollte längst auf dem Teller gelandet sein, doch Mastschwein Viktoria entkam ihrem Schicksal und ist quicklebendig wie nie. Die junge Sau, die vor zehn Monaten im Elbtunnel vom Tiertransporter hüpfte, genießt ein unbeschwertes zweites Leben auf einem Gnadenhof im Bayerischen Wald. „Ihr geht’s blendend, sie ist richtig glücklich“, berichtet Birgit Schulze, Betreiberin des Erdlinghofs bei Deggendorf. Kurz vor Weihnachten feierte Viktoria dort ersten Geburtstag – mit Freunden, bei bester Gesundheit und einem vitaminreichen Festschmaus im Schnee.  

Dabei war ihr das übliche frühe Ende im Schlachthof zugedacht. Am 8. März 2017 war sie mit mehr als 200 Artgenossen per Lkw auf dem Weg von Dänemark zu einem Mäster in Niedersachsen, im Sommer wäre sie wohl zu Fleisch und Wurst geworden. „Wie Viktoria aus dem Transporter entkommen ist, weiß niemand“, sagt Birgit Schulze. Irgendwie fand das freiheitsliebende Schweinemädchen eine Lücke zwischen den Stäben, purzelte auf den Asphalt und überstand auch den Slalomlauf zwischen den Autos. Am Tunnelportal sammelte die Polizei das Borstenvieh ein und brachte es ins Hamburger Tierheim.

<p>Nach dem Rettungssprung vom Viehtransporter am 8. März 2017 flüchtete Viktoria aus dem Elbtunnel. </p>
Polizei Hamburg 

Nach dem Rettungssprung vom Viehtransporter am 8. März 2017 flüchtete Viktoria aus dem Elbtunnel.

 

Die Betreuer behandelten Schürfwunden und einen dicken blauen Fleck – und gaben dem Neuankömmling einen Namen: „Viktoria“, die Siegerin. Der Besitzer habe noch versucht, die Ausreißerin zurückzubekommen, berichtet die Chefin des Erdlingshofs. Doch die Tierfreunde gaben ihren Schützling nicht mehr her, schließlich händigte der Viehhändler die Papiere aus, aus denen auch das Geburtsdatum hervorgeht. Kurz darauf ging es gut 700 Kilometer nach Süden in die neue Heimat nach Bayern. 

Viktoria lebt artgerecht auf dem Hof mit knapp 80 Nutz- und Haustieren, vom Hund bis zum Schaf. Auch Artgenossen sind darunter, etwa Minischwein Vroni, die beste Freundin von Viktoria. Läuft das Elbtunnel-Schwein nicht über Wiesen und Felder und suhlt es sich nicht im Matsch, dann stöbere es gern im Haus herum, verrät Birgit Schulze. „Sie weiß sogar, wie man Türen aufkriegt, auch die zur Vorratskammer.“

Die glückliche Rettung der einst „armen Sau“ ist für die Betreiber des Gnadenhofs mehr als eine anrührende Anekdote. Sie sehen Viktoria als Beispiel für die Auswüchse der Massentierhaltung und betreiben deshalb eigene Facebook- und Instragram-Profile des Schweins. Die Resonanz der Menschen ist beträchtlich. Ein kurzer Dokumentarfilm über Viktorias Flucht von der Schlachtbank ins Tierparadies haben im Internet bereits mehr als 200.000 Menschen angeklickt.

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