Doppelt so hoch wie die Elbphilharmonie : Elbtower wird Hamburgs erster Wolkenkratzer

Hamburgs neuer Wolkenkratzer: Der Entwurf des Londoner Stararchitekten David Chipperfield zeigt einen glas-betonten, schlanken Turm mit konkaven Fassadenlinien samt fünfgeschossiger Mantelbebauung.

Hamburgs neuer Wolkenkratzer: Der Entwurf des Londoner Stararchitekten David Chipperfield zeigt einen glas-betonten, schlanken Turm mit konkaven Fassadenlinien samt fünfgeschossiger Mantelbebauung.

Das Mega-Hochhaus am östlichen Rand der Hafencity überragt die Elbphilharmonie bei weitem. Vor dem Bau gibt es Bedenken.

shz.de von
08. Februar 2018, 19:34 Uhr

Hamburg | Hamburg bekommt seinen ersten echten Wolkenkratzer. Der Elbtower an den Elbbrücken wird 235 Meter hoch, soll 2025 oder 2026 fertig sein. „Ich bin sicher, dieses Haus ist ein großer Gewinn für Hamburg und die Menschen“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Vorstellung der Pläne. „Das ist ein Meisterentwurf, ich bin begeistert.“ 

Für die Gestaltung des Gebäudes zeichnet das Büro des Londoner Stararchitekten David Chipperfield verantwortlich, das die Ausschreibung im Verbund mit dem Bauherrn Signa für sich entschieden hat. Das österreichische Immobilienunternehmen von Karstadt-Eigner René Benko wird das Projekt vollständig privat finanzieren. Signa hatte vor fünf Jahren das Alsterhaus am Jungfernstieg übernommen.

Doppelt so hoch wie die Elbphilharmonie

Der geplante knapp 70-stöckige Büroturm wird alle anderen bewohnten Gebäude der Hansestadt deutlich überragen und mehr als doppelt so hoch sein wie der bisherige Spitzenreiter, die Elbphilharmonie (110 Meter). Scholz zerstreute Bedenken, das Mega-Hochhaus zerstöre die traditionelle Kirchturmsilhouette. Der Standort am Rand der Innenstadt und am östlichen Ende der Hafencity sei geeignet für solch ein hohes Gebäude. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing betonte: „Der Turm ist selbstbewusst, ohne aufzutrumpfen.“

Der „Elbtower“ in der Hafencity nahe der Elbbrücken.
Hosoya Schaefer_Chipperfield/HafenCity Hamburg GmbH/dpa

Der „Elbtower“ in der Hafencity nahe der Elbbrücken: Der Turm wird 235 Metern Höhe das bei weitem höchste nutzbare Gebäude in der Hansestadt sein.

 

Chipperfields Entwurf zeigt einen glas-betonten, schlanken Turm mit konkaven Fassadenlinien samt fünfgeschossiger Mantelbebauung. Erst bei näherem Hinsehen zeigen sich Raffinesse und Vielfalt der Konturen. Scholz: „Das Gebäude sieht von jeder Seite anders aus.“ Die Planer konzipieren den Elbtower als Gegenstück und als Ergänzung zur Elbphilharmonie am Westzipfel der Hafencity. Der Neubau trete in einen „Dialog“ mit der Wellenform des Konzerthauses, so Höing. Tatsächlich spielt der Elbtower mit einem asymmetrisch gestaffelten Dach auf die architektonische Grundidee der Elbphilharmonie an.

Signa werde rund 700 Millionen Euro investieren, kündigte Vorstand Timo Herzberg an. Darin enthalten seien rund 100 Millionen, die der Bauherr an die Stadt für das Grundstück zahlt. Die Idee, in dem Turm zusätzlich Wohnungen unterzubringen, wurde verworfen. Der vom Verkehr umtoste Standort ist zu laut.

Vorgesehen sind 70.000 Quadratmeter für Büros sowie 16.000 für ein Vier-Sterne-Hotel. 15.000 Quadratmeter sollen zu öffentlichen „Publikumsflächen“ werden, für Gastronomie, Läden, einem House of Pop, einem Water-Education-Center und anderem mehr. Der Bürgermeister rechnet mit mehr als 3000 Arbeitsplätzen rund um den Turm.

Wermutstropfen für die Hamburger: Vermutlich werden sie den 235-Meter-Ausblick vom neuen Wahrzeichen nicht genießen können. Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer der Hafencity-Gesellschaft: „Bisher ist keine öffentlich zugängliche Etage oder Plattform in den obersten Etagen vorgesehen.“

Um ein Debakel wie bei der Elbphilharmonie zu verhindern, hat Hamburg dem Bauherrn laut Scholz im Kaufvertrag strenge Auflagen gemacht, auch wenn es sich um ein privates Bauvorhaben handelt. „Wir stellen sicher, dass der Elbtower tatsächlich gebaut wird und das so schnell wie möglich.“ Baubeginn könnte 2021 sein.

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