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Bürgerentscheid : Elbe-Seilbahn: Hamburger Bürger sagen Nein

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Die Seilbahn sollte vom Heiligengeistfeld zu den Musicaltheatern führen. Doch der Bau ist gescheitert – vorerst.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2014 | 15:09 Uhr

Hamburg | Das war eine deutliche Abfuhr: Fast zwei Drittel der Wähler im Bezirk Mitte haben in einem Bürgerentscheid gegen den Bau einer Seilbahn über die Elbe gestimmt. Die Pläne für die Gondelverbindung zwischen St.Pauli und den Musicaltheatern auf Steinwerder sind damit vom Tisch. Das Ergebnis des Entscheids ist für den Senat zwar nicht bindend, doch haben die Stage Entertainment und Hersteller Doppelmayr als Projekt-Initiatoren angekündigt, das Bürger-Nein zu akzeptieren und keinen Bauantrag zu stellen. Die Unternehmen wollten die 35 Millionen Euro teure Strecke auf eigene Rechnung realisieren.

Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD), einer der größten Seilbahn-Gegner, machte aus seiner Erleichterung kein Hehl: „Ich bin froh.“ Es sei eine Entscheidung „für die Einzigartigkeit der Stadt“ und die „unverwechselbare Silhouette“ des Hafens mit Michel, Elbphilharmonie und Landungsbrücken.

Laut Bezirk stimmten 63,4 Prozent der Bürger mit Nein, lediglich 36,6 Prozent mit Ja. Die Beteiligung war indes geringer als nach Schließung der Wahllokale am Sonntag gemeldet. Nicht 55.000, sondern nur 50.400 Bürger stimmten ab, entsprechend einer Quote von 24,8 Prozent.

Die Initiatoren des Bürgerentscheids zeigten sich tief enttäuscht von ihrer Niederlage. Initiativensprecher Thomas Magold: „Wir akzeptieren selbstverständlich das Votum, sind aber nach wie vor überzeugt, dass die Hansestadt vorerst die große Chance verpasst, ein innovatives Verkehrsmittel völlig ohne Kosten oder Risiko für die Stadt zu erproben.“ Laut Magold sei die Angst vor Veränderung bei vielen Bürgern größer gewesen als die Lust, etwas Neues zu wagen. Dem Nein-Lager warf die Pro-Initiative „negative Kampagnen“ gegen das Projekt von Stage und Doppelmayr vor. Die beiden Unternehmen erklärten übereinstimmend: „Wir werden den Bürgerwillen achten.“

Naturgemäß völlig anders war die Stimmung auf Seiten der Sieger. Die Initiative „Keine Seilbahn über unseren Köpfen“, die ihren Erfolg ausgelassen auf dem Spielbudenplatz im Herzen St. Paulis feierte, teilte mit: „Wir sind erleichtert, dass Hamburg ein Fahrgeschäft erspart geblieben ist, das den Menschen in der Stadt keinen echten Nutzen gebracht hätte.“ Initiatorin Theresa Jakob: „Das ist ein Sieg der Demokratie.“

Der SPD-Senat hatte die Entscheidung über den seit drei Jahren diskutierten Seilbahnbau an den Bezirk Mitte abgegeben. Die dortige Bezirksversammlung lehnte das Vorhaben mit großer Mehrheit ab. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hielt sich in der Sache gestern weiterhin neutral. Er sei aber froh, dass jene das letzte Wort gesprochen hätten, die eine Seilbahn „jeden Tag nutzen oder ansehen müssten“. Bürgerentscheide schaffen laut Scholz grundsätzlich die nötige Legitimation.

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