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Christi Degen : Eine Frau soll Hamburger Handelskammer führen – für weniger Geld

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Christi Degen übernimmt den Posten von Hans-Jörg Schmidt-Trenz in Hamburg. Aber ihr Gehalt sieht völlig anders aus.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 11:58 Uhr

Hamburg | Die Handelskammer Hamburg soll nach dem Willen ihres Präsidiums erstmals von einer Frau geleitet werden. Die im Frühjahr abgelöste Chefin der IHK Oberfranken Bayreuth, Christi Degen (53), soll als neue Hauptgeschäftsführerin berufen werden, wie die Kammer am Dienstag mitteilte. Das Präsidium wolle dem Plenum für dessen Sitzung am 8. Dezember einen entsprechenden Vorschlag machen. Stimmt es zu, soll Degen zum 11. Dezember das Amt antreten. Ursprünglich sollte der offene Kammerposten bis Oktober besetzt sein.

Die Volkswirtin wird Nachfolgerin von Ex-Kammerchef Hans-Jörg Schmidt-Trenz, der nach mehr als zwei Jahrzehnten im Amt im Mai seinen Posten niedergelegt hatte. Zwischen ihm und dem neuen Präsidium war das Vertrauensverhältnis zerrüttet. Die sogenannten „Kammerrebellen“ unter Führung von Präses Tobias Bergmann wollten einen anderen Kurs einschlagen und hatten angekündigt, die Pflichtbeiträge für Mitgliedsunternehmen abschaffen zu wollen.

Hans-Jörg Schmidt-Trenz hat nach mehr als zwei Jahrzehnten im Amt im Mai seinen Posten niedergelegt.

Hans-Jörg Schmidt-Trenz hat nach mehr als zwei Jahrzehnten im Amt im Mai seinen Posten niedergelegt.

Foto: dpa
 

Auch das Gehalt von Schmidt-Trenz von rund 500.000 Euro jährlich war zum Knackpunkt zwischen den Parteien geworden. Das Bündnis „Die Kammer sind WIR“, das 55 der 58 direkt gewählten Mitglieder des Plenums stellt, hatte gefordert, das Gehalt um mehr als die Hälfte zu kürzen. Bis zur Neuberufung führt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Ulrich Brehmer die Geschäfte.

Das Gehalt für Christi Degen soll sich am Jahresverdienst eines Wirtschaftssenators inklusive Pensionsansprüchen orientieren. Zuletzt stand ein Gehalt von 150.000 bis 180.000 Euro im Raum, berichtet das „Hamburger Abendblatt“.

Ein ähnliches Schicksal wie Schmidt-Trenz hatte auch Degen im Frühjahr in Bayreuth ereilt: Das dortige IHK-Präsidium trennte sich nach dreijähriger Amtszeit von ihr, nachdem sich ebenfalls nach Wahlen neue Gremien konstituiert hatten. „Der Personalentscheidung liegen unterschiedliche Auffassungen zu den Aufgaben der Hauptgeschäftsführerin und der strategischen Ausrichtung der IHK zugrunde“, erklärte das IHK-Präsidium.

Degens Vertrag wäre noch zwei weitere Jahre gelaufen. Sie berichtete dem „Nordbayerischen Kurier“, von dieser Entscheidung überrascht gewesen zu sein. Ihr sei es sehr wichtig gewesen, „die Kammer zu modernisieren, wie es übrigens vielen IHKs guttäte. Richtung mehr Unternehmernutzen und Kundenorientierung.“ Diese Einstellung traf offensichtlich den Nerv des Hamburger Präsidiums. „Die Handelskammer wird sich in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern“, bekräftigte der Präses und verwies darauf, dass Degen zuletzt Schwerpunkte in der Produktpolitik und in der Mitgliederkommunikation setzte.

In Hamburg wird sie die Interessen von rund 160.000 in der Kammer organisierten Unternehmen vertreten. Und sie trifft auf rund 260 Kammer-Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze angesichts einer angekündigten Strukturreform bangen. Erfahrung bringt Degen auch aus ihren Zeiten als Geschäftsführerin der IHK Köln und der F.A.Z. Executive School, eines Weiterbildungsanbieters für Führungskräfte, mit. Für den Hamburger Posten gab es den Kammerangaben zufolge mehr als 150 Bewerbungen.

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