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Bahn und Lufthansa : Ein Streik endet, der nächste beginnt

vom

Von Montagfrüh an nimmt die Bahn nach dem Streik der Lokführer wieder Fahrt auf. Dafür droht an Flughäfen wieder Ungemach. Lufthansa-Passagiere müssen sich auf erneute Arbeitsniederlegungen der Piloten einstellen.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 10:20 Uhr

Hamburg/Kiel/Schwerin | Der bisher längste Lokführerstreik des Jahres ist am Montagmorgen auch im Norden zu Ende gegangen. „Die Züge fahren planmäßig, es gibt keine Streikauswirkungen mehr“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Vormittag. Es gebe weder Verspätungen noch Ausfälle. Auch die S-Bahn in Hamburg fahre seit Betriebsbeginn wieder im gewohnten Takt.

Dafür müssen Lufthansa-Flugreisende ihre Pläne ändern: Von Montagmittag (12 Uhr) an wollen Lufthansa-Piloten bis Dienstagnacht ihre Arbeit niederlegen. Das trifft auch den Hamburger Flughafen. Allein im Abflugplan für Montag sind nachmittags mehr als ein Dutzend „LH“-Flüge gelistet, unter anderem nach Frankfurt und München.

Die Bahn hatte sich auf den Streik der Lokführergewerkschaft GDL vorbereitet, indem sie einige Züge schon am Freitag so positionierte, dass sie am Montag pünktlich den geplanten Startbahnhof verlassen konnten. Zuvor waren am Wochenende nach GDL-Angaben im gesamten Norden rund 80 Prozent der Verbindungen ausgefallen. Die Notfahrpläne der Bahn wurden in Hamburg und Schleswig-Holstein aber weitestgehend eingehalten. Die Lokführer hatten in der Nacht zum Samstag zum dritten Mal im laufenden Tarifstreit mit der Deutschen Bahn die Arbeit niedergelegt.

GDL-Chef Claus Weselsky äußerte sich am Montag zufrieden: „Die Streikmaßnahme war sehr wirksam“, sagte er. Er hoffe jetzt auf neue Verhandlungen mit der Bahn: „Wir wollen über Inhalte verhandeln, und ich gehe davon aus, dass es uns gelingt, wieder zusammen zu kommen.“ Die angekündigte siebentägige Streikpause von Montag an werde die GDL einhalten.

Weselsky sieht jetzt den Bahn-Vorstand am Zug. „Das Bahn-Management hat jetzt zu entscheiden, ob es Streikmaßnahmen weiter provoziert oder ob es mit uns inhaltlich in die Verhandlungen geht - und zwar für alle Zugpersonaler, die wir als Mitglieder bei uns haben“, sagte er am Montag im Hörfunksender WDR 5. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber wiederum forderte die GDL zu Kompromissen auf. Die Gewerkschaft habe sich bislang „keinen Millimeter bewegt, stattdessen Streiks ausgerufen, Druck ausgeübt, Millionen Kunden verärgert, das Unternehmen beschädigt“, sagte Weber im ARD-Morgenmagazin. Es sei höchste Zeit, dass die GDL in Verhandlungen Kompromisse aufzeige. Bedingung der GDL für Tarifgespräche mit der Bahn ist es, neben den Lokführern auch für das übrige Personal zu verhandeln. Wenn das Management dies akzeptiere, könnten Gewerkschaft und Bahn an „jedem Tag dieser Woche zusammensitzen und miteinander reden“, sagte Weselsky. Für Zugbegleiter oder Bordgastronomen ist die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG zuständig. Die Deutsche Bahn hatte zuletzt eine dreistufige Lohnerhöhung um fünf Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 30 Monaten angeboten.

Die Bahn steuerte wegen des Streiks der Lokführer am Wochenende wie im gesamten Bundesgebiet auch im Norden gegen. In Hamburg und Schleswig-Holstein konnte der Notfahrplan weitgehend stabil gefahren werden, teilte die Bahn am Sonntag mit. Wie bereits am Samstag fuhr demnach rund jede dritte Bahn im Fernverkehr, auf einigen Strecken im Regionalverkehr wurden zusätzlich Busse eingesetzt. Die S-Bahnen in Hamburg verkehrten nach Bahnangaben im Zwanzig-Minuten-Takt. Im Regionalverkehr in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Herbstferien begannen, setzte die Bahn zusätzliche Busse und ergänzend zum Notfahrplan noch weitere Züge ein. Auf den Strecken zwischen Berlin und Stralsund sowie Pasewalk und Lübeck fuhren am Sonntag demnach zusätzliche Regionalexpress-Züge, wie der Sprecher sagte. Zum Ferienbeginn versuchten viele Reisende, einen der Züge des Notfahrplans zu bekommen. Vor den Informationsschaltern der Bahn bildeten sich Schlangen.

Der Regionalverkehr im Nordosten war vom Streik besonders betroffen, da dort viele Lokführer der GDL angehören. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte Bahn und GDL erneut auf, den festgefahrenen Tarifkonflikt schnell zu entschärfen. Wie sich der Piloten-Streik auswirken wird, wird sich zeigen: Von Hamburg aus starten täglich 250 Flugzeuge unterschiedlicher Airlines. Da die Passagiere auch bei vorherigen Streiks rechtzeitig informiert waren, konnten sie sich nach Alternativen umsehen. In den Terminals lief das Alltagsgeschäft normal weiter. In dem Tarifkonflikt geht es um Übergangsrenten für Piloten und Co-Piloten.

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