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Getöteter Hamburger Austauschschüler : Ein Jahr nach Direns Tod: Die Erinnerung lebt, die Justiz arbeitet

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Am 27. April jährt sich der Todestag des Hamburger Austauschschülers Diren. Der 17-Jährige wurde in den USA erschossen. Seine Freunde haben ihn nicht vergessen und die Prozessakten sind noch lange nicht geschlossen.

Hamburg | Was bleibt von einem Menschen, ein Jahr nach seinem Tod? Ende April vergangenen Jahres wurde der Hamburger Austauschschüler Diren in den USA erschossen. Inzwischen ist der Schütze verurteilt. Doch die Erinnerung an den beliebten Schüler, den Fußballer und Freund, ist immer noch lebendig.

Der 17-jährige Diren war in den US-Bundesstaat Montana gereist, lebte in der Stadt Missoula bei einer Gastfamilie. Bis zu dem verhängnisvollen Abend des 27. April. Diren dringt in eine Garage ein, der Besitzer entdeckt ihn und schießt. Was der Teenager an dem Abend in der Garage sucht, wird sich später nicht mehr klären lassen.

Der Schütze beruft sich auf sein Recht, seine Wohnung und seinen Besitz zu verteidigen. Sein Anwalt zeichnet das Bild eines erschrockenen Hausbesitzers, bei dem Teenager hatten Alkohol erbeuten wollen. Doch im Dezember 2014 spricht ihn das Gericht in Missoula im US-Bundesstaat Montana schuldig. Am 12. Februar verkündet das Gericht die Strafe gegen Markus K.: 70 Jahre Haft. Frühestens 2035 kann er einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen.

Direns Familie will den Todestag gebührend begehen. Die Eltern sind bereits auf die türkische Bodrum-Halbinsel gereist, wo ihr Sohn beerdigt wurde, sagt Direns Schwester Bazak. Sie fliegt mit zwei Cousinen an diesem Donnerstag in die Türkei. „Auch die Gastmutter aus den USA kommt nach Bodrum“, erzählt Bazak. „Insgesamt werden wir wohl 30 Menschen sein.“

Die Gruppe will zum Grab gehen und gemeinsam beten. „Blumen sind gepflanzt, aber der Grabstein fehlt noch“, erzählt Bazak. Wie der aussehen soll, werde dann auch besprochen. „Die Gastmutter soll mitentscheiden.“ Danach werde es eine Gebetsrunde in der Moschee geben.

In Hamburg will Direns Freund und Mannschaftskamerad beim Fußballverein SC Teutonia von 1910, Deniz Ercan, an Diren erinnern.

Am Fußballplatz soll für eine Woche die Gedenkstätte wiedererstehen, wie sie spontan nach Direns Tod entstanden war. „Kerzen, Blumen, ein Graffiti-Banner, fast so wie vor einem Jahr“, sagt Deniz. Wir vermissen ihn immer noch. Er ist in unseren Gedanken.“ Auch in der Schule Direns im Hamburger Stadtteil Altona wird an den Mitschüler erinnert. „Es wird eine kleine Gedenkfeier mit Direns ehemaligen Klassenkameraden geben“, sagt Schulleiter Ulf Nebe. Viele Schüler hätten damals an dem Tod des Mitschülers Anteil genommen.

Unterdessen sind die Prozessakten noch nicht geschlossen. Der Schütze hat das Urteil angefochten. „Das oberste Gericht des US-Bundesstaats Montana, der Supreme Court, wird voraussichtlich erst Anfang 2016 über den Revisionsantrag der Gegenseite entscheiden“, sagt Bernhard Docke, Anwalt von Direns Eltern. Die schriftliche Revisionsbegründung liege noch nicht vor. „Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, dass der Supreme Court das Urteil bestätigen wird.“

Außerdem ist noch das Zivilverfahren von Direns Eltern gegen den Schützen anhängig. Hier soll eine Entschädigung erstritten werden. „Die mündliche Verhandlung ist für den 7. Dezember in Missoula angesetzt“, sagte Docke. Die Jury werde dann auch über die Höhe entscheiden. „Wieviel es letztendlich wird, kann man jetzt noch nicht sagen.“ Aber auch den Eltern, der Familie und den Freunden Direns ist klar: Egal wie lang die Haft sein wird, egal wie hoch eine Entschädigung: Diren wird davon nicht wieder lebendig.

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erstellt am 23.Apr.2015 | 08:15 Uhr

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