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Hamburger Landgericht : Ehefrau mit heißem Öl verbrüht – Staatsanwalt will zehn Jahre Haft

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Es gab bereits ein Urteil, doch das wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben. In Hamburg geht der Prozess weiter.

Hamburg | Für einen lebensgefährlichen Angriff auf seine Ehefrau mit heißem Öl soll ein 50-Jähriger nach dem Willen der Hamburger Staatsanwaltschaft mit zehn Jahren Haft bestraft werden. Der Vertreter der Anklage habe am Dienstag dafür plädiert, es bei dem ursprünglichen Urteil des Landgerichts von vor einem Jahr zu belassen, sagte eine Gerichtssprecherin. Auch am Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe solle festgehalten werden. Das Landgericht hatte den Afghanen eines Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen.

Die Vertreterin der Ehefrau als Nebenklägerin habe sich der Forderung der Staatsanwaltschaft angeschlossen, sagte die Sprecherin weiter. Der Verteidiger habe dagegen niedrige Beweggründe verneint und sich für eine Strafe von sechs Jahren ausgesprochen.

Der Angeklagte hatte nach Feststellung des Landgerichts seine Ehefrau, die nach einem misslungenen Geschlechtsverkehr gerade im Badezimmer duschte, mit drei Liter erhitztem Speiseöl übergossen und ihr 44 Prozent der Haut verbrüht. Sie schwebte nach der Tat im September 2015 mehrere Tage in akuter Lebensgefahr. Der Fall habe viel mit der afghanischen Kultur zu tun, besonders mit der Haltung von Männern gegenüber Frauen, hatte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung am 21. April vergangenen Jahres gesagt. Motiv des Angeklagten sei gewesen, seine Frau unattraktiv für andere Männer zu machen, weil er eifersüchtig gewesen sei.

Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil teilweise aufgehoben, die Feststellungen zur Tat und den Schuldspruch gegen den geständigen Angeklagten aber bestätigt. Die Karlsruher Richter bemängelten, dass die Hamburger Strafkammer bei der Aussage der Frau die Öffentlichkeit ausgeschlossen, sie bei den Plädoyers und dem letzten Wort des Angeklagten aber wieder zugelassen hatte. Möglicherweise hätte der Mann etwas gesagt, was der Annahme niedriger Beweggründe entgegengestanden oder die Strafzumessung in anderer Weise zu seinen Gunsten beeinflusst hätte. Niedrige Beweggründe sind ein Mordmerkmal, das sich strafverschärfend auswirkt.

Im neuen Prozess hatte das Landgericht die Öffentlichkeit nach Verlesung des ersten Urteils ausgeschlossen. Zur Verkündung des neuen Urteils am Freitag sind Zuschauer aber wieder zugelassen.

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erstellt am 04.Apr.2017 | 17:15 Uhr

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