Gefährliches Bakterium : Droht jetzt das große Kastaniensterben?

In Hamburg droht ein Massensterben der Rosskastanie.
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In Hamburg droht ein Massensterben der Rosskastanie.

In den Hamburger Bezirken Bergedorf und Wandsbek sprechen die Behörden bereits von einem flächendeckenden Bakterien-Befall der Bäume.

shz.de von
24. Juni 2014, 15:35 Uhr

Hamburg | Sein Name ist nahezu unaussprechlich, die Wirkung heimtückisch: Seit dem vergangenen Jahr treibt in Hamburg das Bakterium „Pseudomonas syringae pv. aesculi“ sein Unwesen. Es infiziert gesunde Rosskastanien und macht ihre Rinde anfällig für schädliche Pilze wie den Austernseitling. Die Bäume verfaulen anschließend binnen weniger Jahre am lebendigen Stamm. Medienberichten zufolge werden bereits in fünf Jahren sämtliche 7000 Kastanien im Hamburger Stadtgebiet abgestorben sein.

Eine dramatische Hochrechnung, die Volker Dumann so nicht bestätigen kann. „Das sind Horrorszenarien. Bisher gibt es nur in Wandsbek und Bergedorf einen flächendeckenden Befall. Besonders betroffen ist die rotblühende Rosskastanie, die weißblühende zieht jetzt jedoch nach“, so der Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) in Hamburg. Keinen Hehl macht Dumann daraus, dass die Sorgen um die Kastanien-Population in der Hansestadt groß sind. „Es ist ein ziemlich ernstes Problem. Die Krankheit breitet sich heimtückisch aus. Es kann sein, dass in Wandsbek und Bergedorf ganze Alleen wegmüssen.“

Ziel seiner Behörde sei es jetzt, gemeinsam mit dem Pflanzenschutzdienst dem Bakterium auf den Grund zu gehen. „Wir wollen seinen Verlauf herausbekommen, damit wir gezielt etwas unternehmen können.“ Gegenüber anderen Städten sei Hamburg im Vorteil. „Wir haben durch unser Baumkataster ein engmaschiges Kontrollnetz. Jeder Baum wird halbjährlich untersucht.“ Belastbare Zahlen, wie viele der 7000 Rosskastanien befallen sind, könnten erst nach dieser Prüfung genannt werden. „Insgesamt sind in Hamburg rund drei Prozent aller Straßenbäume Rosskastanien“, so Dumann.

Pseudomonas wurde 2007 erstmals im Westen Deutschlands am Niederrhein festgestellt. Aus den Niederlanden kommend, ist es unaufhaltsam gen Osten bis nach Greifswald, Wolgast und Usedom vorgedrungen. „Es ist inzwischen ein bundesweites Problem“, sagt Dumann. Große Schäden hat das Bakterium bisher am Niederrhein hinterlassen, wo ihm ganze Straßenzüge und denkmalgeschützte Alleen zum Opfer gefallen sind. Allein in Krefeld mussten bislang 454 erkrankte Kastanien gefällt werden – jede siebte in der Stadt.

Jüngste Hiobsbotschaft: Das Schicksal einer prächtigen Kastanienallee am Düsseldorfer Schloss Heltorf, einem beliebten Ausflugsziel, scheint wegen massiven Bakterienbefalls besiegelt. In den Baumreihen klaffen bereits Lücken, und kahle Stümpfe stehen ohne Krone in der Landschaft.

Ist die Rosskastanie einmal befallen, gibt es bislang kein Gegenmittel. Nur in seltenen Fällen hat sie genügend eigene Abwehrkraft und kann dem Bakterium trotzen. Dann schließen sich die blutenden Wunden in der Rinde wieder. Wie genau sich das für den Menschen ungefährliche Bakterium ausbreitet, etwa durch Insekten oder Vögel, ist dabei noch unklar. Einiges spricht für eine Übertragung durch den Wind.

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