zur Navigation springen

Hamburg-Billstedt : Dreijährige stirbt in Wohnung – Eltern festgenommen

vom

Anfang 2012 löst der Tod des Pflegekindes Chantal in Hamburg Bestürzung aus. Nun sorgt ein neuer Fall für Entsetzen: Eine Dreijährige verblutet, die Eltern werden festgenommen. Beide Kinder wurden vom Jugendamt betreut.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 14:07 Uhr

Hamburg | Der Fall lässt in Hamburg schlimmste Erinnerungen wach werden: Am Mittwochmorgen ist in einer Wohnung in Billstedt ein dreijähriges Mädchen gestorben. Weil am Leichnam Hämatome sichtbar waren, schaltete sich die Mordkommission ein und nahm die Eltern (25 und 26 Jahre) vorläufig fest. Eine Eilsektion ergab am Abend, dass die Dreijährige nach einem Leberriss innerlich verblutet ist.

Wie in den Fällen der verhungerten Lara Mia und der an einer Überdosis Methadon gestorbenen Chantal befand sich auch die Familie der Dreijährigen seit Jahren in der Obhut des Jugendamtes. Das Mädchen und ein Geschwisterkind waren bereits bei diversen Pflegefamilien untergebracht, weil die Eltern überfordert waren. Erst seit 1. August dieses Jahres habe die Dreijährige wieder bei den Eltern in der Großsiedlung Mümmelmannsberg gelebt, sagte Andy Grote, Leiter des zuständigen Bezirksamtes Mitte. Das Jugendamt habe die Familie seither weiterhin eng begleitet, sagte Grote: „Der Umgang der Mutter mit ihrer Tochter war liebevoll.“ Der tragische Tod des kleinen Mädchens bestürze ihn sehr.

Grote berichtete von einem Vorfall vom Anfang dieses Jahres. Seinerzeit sei das Mädchen mit schweren Schädelverletzungen bei ihren damaligen Pflegeeltern entdeckt worden. Die Ursache sei offen geblieben. Der Bezirksamtsleiter: „Das Mädchen hatte immer Kontakt zu seinen leiblichen Eltern.“ Bei diesen habe auch das Sorgerecht gelegen.

Das Jugendamt des Bezirks stand in den vergangenen Jahren bereits dreimal wegen tragischer Todesfälle von Kindern im Mittelpunkt der Kritik. 2006 war die siebenjährige Jessica in Jenfeld verhungert, 2010 starb Lara Mia (neun Monate) stark unterernährt in Wilhelmsburg, Anfang 2012 die elfjährige Chantal ebenfalls in Wilhelmsburg.

Die Grünen fordern nach dem Tod des Mädchens vom SPD-Senat und den Behörden rasche Aufklärung. „Schon wieder ist in Hamburg ein Kind gestorben, das von verschiedenen staatlichen Stellen betreut wurde“, sagte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin Christiane Blömeke am Donnerstag. „Offenbar haben die Maßnahmen zum Kinderschutz erneut nicht ausgereicht. Sozialbehörde und Bezirke müssen jetzt schnell und umfassend alle Informationen öffentlich machen.“ Der Familienausschuss in der Hamburgischen Bürgerschaft solle noch vor Weihnachten zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Die Eltern der Dreijährigen sollen am Donnerstagnachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden. „Die Untersuchungen sind in vollem Gange“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. Nähere Angaben, unter welchen Umständen das Kind am Mittwoch gestorben ist, wollte sie nicht machen. „Es gibt im Moment viele Spekulationen, daran möchte ich mich nicht beteiligen.“

Die Mutter hatte am Morgen selbst die Rettungskräfte gerufen. Der Notarzt konnte das noch lebende Kind jedoch nicht mehr retten; es starb in der Wohnung. Die Mutter erklärte, ihre Tochter sei gegen fünf Uhr vom Kinderzimmer zu ihr ins Wohnzimmer gelaufen und dabei gestürzt. Die Art der sichtbaren Verletzungen am Körper ließ die Ermittler an dieser Darstellung zweifeln. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. Andreas Schöpflin: „Nach einem ersten Untersuchungsergebnis ist das Mädchen infolge einer Ruptur der Leber nach innen verblutet.“ Zudem weise der Körper Verletzungen auf, „die durch körperliche Gewalteinwirkung entstanden sein könnten“.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen