Drehkreuz des Nordens

550  000 Menschen nutzen täglich den Hamburger Hauptbahnhof.
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550 000 Menschen nutzen täglich den Hamburger Hauptbahnhof.

Der Hamburger Hauptbahnhof ist der am meisten frequentierte Bahnhof Deutschlands – ein Blick hinter die Kulissen

shz.de von
08. Januar 2018, 19:49 Uhr

Touristen aus aller Welt, gehetzte Pendler auf dem Weg zur Arbeit, betrunkene Obdachlose und Flaneure – der Hamburger Hauptbahnhof ist Drehkreuz für alle gesellschaftlichen Schichten. An keinem Ort in der Stadt treffen so viele unterschiedliche Menschen aufeinander. Täglich passieren ihn um die 550 000, womit er nach dem Pariser Gare Du Nord der meist frequentierte Bahnhof Europas ist. Vor und hinter den Kulissen arbeitet eine Vielzahl von Mitarbeitern daran, einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Allein von der Deutschen Bahn (DB) halten 160 Mitarbeiter die „Station Service“ am Laufen, hinzu kommen noch einmal rund 50, die im „Reisezentrum“ und in der „DB-Lounge“ angestellt sind. Nicht zu vergessen die 290 Beschäftigten, die für die Sicherheit in allen Zügen und auf den Bahnsteigen in ganz Hamburg sorgen.

Wann fährt der nächste Zug nach Berlin? Wie komme ich am schnellsten zu meinem Hotel? Wie alt ist der Hauptbahnhof? Lena Friedhoff hat auf fast alle Fragen, die an sie herangetragen werden, eine Antwort. „Wir sind die ersten Ansprechpartner vor, während und nach der Reise“, berichtet die 20-Jährige, die an einem der beiden DB-Informationsschalter in dem denkmalgeschützten Gebäude tätig ist.

Gern erinnert sich die gelernte Kauffrau für Verkehrsservice an besonders schöne Momente in ihrem Arbeitsalltag zurück. „Einmal hat eine Reisende aus Versehen den falschen Koffer aus dem Zug beim Halt in Göttingen mitgenommen. Die Frau war Musikerin und brauchte ihr Instrument, das sich im Koffer befand, für ein Konzert am Abend“, erzählt die blonde, junge Frau. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sie das Instrument noch rechtzeitig erhält. Als Dank gab es Torte und Essensgutscheine.“ „Der Arbeitsalltag ist vielfältig“, findet auch Stefan Fellmuth. Als Vertreter des Bahnhofsmanagements sei er dafür zuständig „den ganzen Bahnhofsbetrieb am Laufen zu halten“, berichtet der 37-Jährige. Dazu gehöre neben dem regulären Eisenbahnbetrieb auch die Sicherheit, der Mobilitätsservice für Menschen mit Handicap, die Reinigung, die Fördertechnik der Fahrstühle sowie die Mieterbetreuung der Shops.

In der Hektik kann es schon einmal vorkommen, dass Reisende ihre Habseligkeiten verlieren. Pro Jahr sind es 1500 Fundsachen, die in Zügen oder an Bahnhöfen in der Hansestadt gefunden werden. 70 Prozent gingen wieder an den dann glücklichen Besitzer zurück, berichtet Florian Möller vom Gepäckservice. „Oft werden auch hochwertige Sachen abgegeben, die scheinbar niemand sucht“, erzählt der 31-Jährige. Am häufigsten würden Handys, Portemonnaies und Rucksäcke verloren, aber auch ein Snowboard sei vor kurzem in einem Zug vergessen worden. An den Gleisen sei einmal sogar eine Tasche mit 34 000 Euro Bargeld gefunden worden, sagt er. Auch in den Schließfächern würden oft Dinge zurückgelassen. „Einmal wurde darin sogar ein lebendiges Meerschweinchen gefunden“, so Möller. Die Kollegen hätten es notdürftig versorgt und dann die Tierrettung gerufen, so der Mitarbeiter.

Die „3S-Zentrale“ – die Buchstaben stehen für Sicherheit, Service und Sauberkeit - liegt oberhalb des Bahnhofs, der sich über eine Gesamtfläche von 50 000 Quadratmetern erstreckt. Man erreicht sie durch eine unscheinbare Tür an der Außenseite des Gebäudes. „Die größte Arbeit sind die 90 Verkehrsstationen, für die wir zuständig sind“, erklärt Uwe Frenzen. In der Nacht seien es sogar 230. Von seinem Schreibtisch aus kann Frenzen auf mehreren Monitoren das Geschehen auf den Bahnsteigen beobachten. Drückt ein Fahrgast etwa in einem der Fahrstühle den Notrufknopf, so landet er als erstes bei dem 53-Jährigen, der dann entscheiden muss, was getan wird. Bei Menschen mit Klaustrophobie oder kleinen Kindern, die in einem Aufzug stecken bleiben, rufe er auch schon einmal die Feuerwehr, um sie zu befreien.

Auch die Bahnhofsmission ist ein fester Bestandteil des Gebäudes. Wesentliche Aufgabe der Mitarbeiter sei die Vermittlung ins Hilfesystem sowie die Unterstützung bei sozialen oder psychischen Krisen. Auch biete die Bahnhofsmission eine Postadresse für rund 2000 Menschen ohne festen Wohnsitz. „Pro Tag haben wir Kontakt mit etwa 300 Menschen, die bei uns Hilfe oder auch nur ein offenes Ohr für ein Gespräch suchen“, berichtet Mangat. „Bei uns wird niemand abgewiesen.“

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